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Achtmal über den Äquator

Achtmal über den Äquator

Direkt von Bord – ein Expeditionsblog des Forschungsschiffs SONNE

Achtmal über den Äquator

Der erste Expeditionsblog-Beitrag der SO258

Von Maximilian Haas (Montanuniversität Leoben, Österreich) und Mareen Lösing (Universität Münster)

Hupende Autos, reges Treiben und schallender Gesprächslärm tönen durch die Fensterscheiben unseres alten Toyota-Busses, der uns vom Flughafen Colombo ins Hotel bringen soll. Geschlaucht von knapp zehn Stunden Reisezeit war uns nicht bewusst, was uns in den kommenden zwei Stunden auf den Straßen Sri Lankas erwarten sollte – Menschen, die ohne Rücksicht auf Verluste in Kreuzungen liefen, schwer beladene LKWs, die es wie durch ein Wunder ohne Achsenschaden über die Straße schafften oder kleine Tuk-Tuk Autos, die beinahe Kollisionen verursachten. An dieser Stelle sei ein großes Lob an unseren Fahrer ausgesprochen, der hier unglaubliche Zentimeterarbeit leistete. Müde jedoch wohlbehalten im Hotel angekommen, löste ein Gefühl von Freude und Erleichterung die noch soeben vorherrschende Anspannung während der Fahrt rasch ab, denn es war schön, endlich im Hotel angekommen zu sein. Nach einer kurzen Erfrischung starteten wir unser erstes wissenschaftliches Experiment: die Überprüfung der Wassertemperatur des Indischen Ozeans auf Badetauglichkeit. Resultat: genau richtig! Ein üppiges „get-together“ in Form eines Abendessens mit der wissenschaftlichen Besatzung rundete den Vortag zur anstehenden Expedition ab.

Nach einer erholsamen Nacht und einem reichlichen Frühstück versammelten wir uns im Foyer, um anschließend zum Hafen von Colombo, dem Liegeplatz des FS SONNE, aufzubrechen. War die Aufnahmefähigkeit auf der Hinreise zum Hotel aufgrund von Müdigkeit noch etwas eingedämmt, konnten wir auf der Fahrt nun tolle Schnappschüsse vom morgendlichen, chaotischen Berufsverkehr in Colombo schießen.

Nach knapp zwei Stunden war es soweit: vor uns erstreckte sich in all ihrer Pracht das Forschungsschiff die SONNE, die uns in den nächsten knapp sechs Wochen sicher über den Indischen Ozean und bis zu achtmal über den Äquator bringen soll.

Erste Nacht auf hoher See

Wir verbrachten eine erste, ruhige Nacht auf dem Schiff und hatten Zeit, unsere Kollegen aus allen Ecken der Welt besser kennenzulernen. Obwohl es sich bei der Expedition um eine Kooperation zwischen dem Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung Bremerhaven, dem GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, dem Helmholtz-Zentrum Potsdam Deutsches Geoforschungszentrum und dem Staatlichen Geologischen Dienst und Bergbaubüro Sri Lankas handelt, sind neben Deutschen und Sri Lankesen auch ein Japaner, eine Niederländerin, zwei Engländer und ein Österreicher mit an Bord. Nach einem ausgiebigen Rundgang, einer Sicherheitseinführung und dem anschließenden Beziehen unserer Kammern legten wir am 12. Juli mit 26 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und 31 Besatzungsmitgliedern vom Hafen Colombo ab: der zweite Fahrtabschnitt („leg 2“) der Expedition SO-258 konnte beginnen.

Starker Wellengang ist nicht für Jedermann

Kaum hatten wir den Hafen verlassen, wurde den ersten aufgrund erster Wellen schon ein wenig flau im Magen – im Laufe der Fahrt sollten aber noch weitaus stärkere Wellen kommen. Für Seekrankheit blieb uns allerdings kaum Zeit, da sich sofort alle auf dem Peildeck, dem höchstgelegenen Deck der SONNE, versammelten, um noch ein letztes Foto von der Skyline Colombos zu schießen.

Nach einer ersten Lagebesprechung im Hangar fingen wir an, die Messinstrumente für Magnetik, Gravimetrie und Seismik zu installieren. Unser Ziel ist es, das Auseinanderbrechen des ehemaligen Großkontinents Gondwana und die frühe Geschichte des Indischen Ozeans zu erforschen. Dazu vermessen wir das im Meeresboden „eingefrorene“ Magnetfeld und die Struktur der Erdkruste. Erkenntnisse über die Entwicklung von Ozeanbecken sind wichtig für die Rekonstruktion der Meeresströmungen in der Vergangenheit und damit auch der Klimageschichte.

Bereits nach den ersten Tagen erwiesen sich die Magnetikmessungen als äußerst erfolgreich. So konnten bereits entlang des ersten Profils magnetische Anomalien (markante Signale) kartiert werden. Eine genauere Bearbeitung wird aber erst an Land in unseren Heimatlabors möglich sein. Derzeit installieren wir Seismometer am Meeresboden sowie sogenannte Luftpulser. Mit letzteren können wir unter Wasser Schallwellen auslösen, die in den Meeresboden eindringen und sich an unterschiedlich harten Sediment- und Gesteinsschichten brechen. Die Seismometer am Meeresboden fangen die Echos dieser Signale auf – die wir dann verarbeiten, um uns ein Bild zu verschaffen, wie die Sedimentschichten bzw. die Erdkruste strukturiert ist.

Erste Ergebnisse in Kürze

Unterstützt werden wir während unserer Arbeiten durch die ausgesprochen netten und kompetenten Besatzungsmitglieder, die uns mit schiffstechnischem Know-How und „Matrosenhumor“ zur Seite stehen. Während der ersten Äquatorüberquerung blieben wir noch von einer Taufe verschont, doch man munkelt schon, dass dies bei einer der kommenden Überfahrten nachgeholt werden soll. Auch ein erstes Kicker-Turnier ist bereits ausgeschrieben und wird in den nächsten Tagen stattfinden. Ergebnisse hierzu gibt's dann im nächsten Blog. Bis dahin gilt es aber noch einiges an wissenschaftlicher Arbeit zu erledigen.