Zum Wissenschaftsjahr 2018

Kurzinterview: „Alles, was den Ozean gefährdet, ist unser Thema“

Die Filmemacher Alexander Lahl und Max Mönch erklären ihre Leidenschaft für Dokumentationen über die Weltmeere

Am 4. Juni 2016 um 18.20 Uhr sendete ARTE im Rahmen des Thementages „Meer entdecken“ die Wissenschaftsdokumentation „Die Eroberung der Weltmeere – die Macht der Wissenschaft“

Im Rahmen der Medienkooperation mit ARTE haben wir mit Alexander Lahl (links) und Max Mönch, den beiden Produzenten der Dokumentation, ein Kurzinterview geführt.

Wissenschaftsjahr: „Die Eroberung der Weltmeere“ ist nicht Ihr erster Film über die Ozeane. Was fasziniert Sie an diesem Thema?

Alexander Lahl/Max Mönch: Es gibt Bergmenschen. Und es gibt Ozeanmenschen. Und es gibt Menschen, die beides magisch anzieht. Als wir feststellten, dass es im Ozean auch Gebirge gibt, war das so etwas wie ein Hauptgewinn. Unsere aktuelle Web-Doku „Monopoly der Weltmeere“ bringt das wohl am besten auf den Punkt.

Der wohl längste Begriff in der Dokumentation lautet „Festlandsockelkommission“. Reichen Ihnen zwei Sätze, um dieses Wort-Ungetüm zu erklären?

Das Wort ist sogar noch länger. Es lautet: Festlandsockelbegrenzungskommission. Die macht Folgendes: Geologen unterscheiden kontinentalen Meeresboden, der gehört zum Kontinent, und ozeanischen Meeresboden, der gehört nicht zum Kontinent. Den kontinentalen Boden können die Küstenstaaten für sich beanspruchen, müssen aber nachweisen, dass es sich dabei um die Verlängerung der eigenen Landmasse handelt. Die Kommission ist dazu da, diese Nachweise zu begutachten und so am Ende den Festlandsockel der Staaten zu begrenzen.

Sie sprechen von der „Macht der Wissenschaft“. Wo beginnt diese Macht – und wo endet sie?

Diese Macht beginnt mit ihrem exklusiven Wissen. Und sie endet mit ihrem exklusiven Wissen.

 

Chinas Anspruch auf einige Inseln im Südchinesischen Meer ist aktuell umstritten. Kann Forschung hier Frieden stiften?

Nein. Das ist eine realpolitische Auseinandersetzung. China versucht, mit den traditionellen Mitteln der Macht Tatsachen zu schaffen. Den Anrainerstaaten, denen China dabei in die Quere kommt, bleiben die USA und das Völkerrecht. Was aber offensichtlich nicht ausreicht. „Wissenschaft“ wird in dem Kontext von China genutzt, um den neuen Tatsachen eine historische Legitimation zu geben. Inseln – um die geht es vor allem in diesem Streit – wurden durch das Internationale Seerecht enorm aufgewertet, da Staaten mit ihrer Hilfe die eigenen Hoheitsgebiete ausweiten können. Wissenschaft ist das Mittel, diese Hoheitszonen zu berechnen. Wissenschaft ist also hier – etwas überspitzt formuliert – vor allem dazu da, den Preis zu bestimmen, um den es in diesem Streit geht.


Welcher Aspekt der Meere und Ozeane eignet sich am besten für Ihren nächsten Film?

Alles, was den Ozean gefährdet, ist unser Thema.