Ohne Bestäuber gäbe es Milliarden-Verluste - Wissenschaftsjahr 2020/21 - Bioökonomie

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19.11.2020

Ohne Bestäuber gäbe es Milliarden-Verluste

Kurz & Knapp
  • Insekten sind insbesondere als Bestäuber von Blütenpflanzen für den Menschen von nahezu unermesslichem Wert.
  • Wie bedeutend der Beitrag der tierischen Bestäuber in der Lebensmittelproduktion ist, haben Forschende der Universität Hohenheim in einer Simulationsstudie berechnet.
  • Allein in Deutschland würden bei einem Wegfall aller bestäubenden Insekten rund 3,8 Milliarden Euro verloren gehen. Die Folge wären Ertragseinbußen, für die der Verbraucher aufkommen muss.

Großer ökonomischer Nutzen durch Tierbestäubung

Eine Vielzahl tierischer Helfer - insbesondere Insekten - sorgen für die natürliche Bestäubung von Blütenpflanzen. Wie wertvoll ihr Beitrag für die Lebensmittelproduktion ist, haben Forschende der Universität Hohenheim berechnet. Ein kompletter Wegfall der Bestäuberleistung würde demnach in Deutschland einen volkswirtschaftlichen Schaden von 3,8 Milliarden Euro bedeuten.

Ob Bienen, Käfer oder Schmetterlinge: Insekten tragen Pollen von Blüte zu Blüte und sorgen so auf natürliche Weise für die Bestäubung von Pflanzen. Doch die Zahl der natürlichen Bestäuber geht seit Jahren zurück. Wie wertvoll die Ökosystemleistungen der Bestäuber sind, zeigt eine im Fachjournal „Ecological Economics“ veröffentlichte Studie.

Forschende der Universität Hohenheim haben darin erstmals berechnet, welche ökonomischen Folgen ein schlagartiger Wegfall aller bestäubenden Tiere für die Verbraucher in Deutschland und weltweit haben würde. Im Ergebnis zeigte sich, dass der volkswirtschaftliche Nutzen der Tierbestäubung für die Lebensmittelproduktion allein in Deutschland 3,8 Milliarden Euro beträgt, weltweit sogar 1 Billion US-Dollar.

Geringere Erträge durch Ernteausfälle

In die Simulation ließen die Forschenden bereits bekannte Faktoren einfließen, die eine Abhängigkeit von Ertrag und Tierbestäubung zeigen. So hängt der Ertrag bei Äpfeln und Kirschen zu 65% von der Insektenbestäubung ab, bei Kürbis sind es sogar 95%. Weizen und Reis sind hingegen nicht auf Fremdbestäubung angewiesen. “

Ein schlagartiger Wegfall der tierischen Bestäubung würde demnach zu Ernteausfällen führen und den landwirtschaftlichen Ertrag derart reduzieren, dass die Verbraucher beim Kauf von Ost und Gemüse mehr zahlen müssten. “

Verbraucher zahlen für Ertragsverluste

„Die Landwirte können geringere Erträge bis zu einem gewissen Grad durch höhere Preise kompensieren. Aber der Verbraucher verliert auf jeden Fall, da er die gestiegenen Preise bezahlen muss“, so Christian Lippert vom Fachgebiet Produktionstheorie und Ressourcenökonomik im Agrarbereich an der Uni Hohenheim. Die Verbraucher würden demnach den größten Teil des Verlustes tragen und damit doppelt verlieren: Sie bekämen zum einen nicht nur weniger Obst und Gemüse, sondern müssten für das verbleibende geringere Sortiment auch noch höhere Preise zahlen.

Der von den Forschenden geschätzte volkswirtschaftliche Nutzen der Tierbestäubung verdeutlich einmal mehr, welchen Beitrag natürliche Bestäuber für die Ernährungssicherung leisten und wie wichtig ein intaktes Ökosystem sowie Maßnahmen zum Schutz der Artenvielfalt sind.

Weitere Informationen

Pressemitteilung:  Bestäubung durch Insekten: Ökonomischer Nutzen vermutlich weit höher als angenommen

 

 

In Kooperation mit bioökonomie.de