Pflanzenvielfalt hält Schädlinge in Schach - Wissenschaftsjahr 2020/21 - Bioökonomie

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12.11.2020

Pflanzenvielfalt hält Schädlinge in Schach

Kurz & Knapp
  • Pestizide und Monokulturen auf den Äckern lassen die biologische Vielfalt schwinden und setzen viele Ökosysteme unter Druck. Pflanzenschädlinge haben hier oft leichtes Spiel.
  • Biodiversitätsforschende fanden heraus, dass eine größere Pflanzenvielfalt auf Grasland die natürliche Abwehr gegen Schädlinge verbessern und den Pestizideinsatz in der Landwirtschaft reduzieren kann.
  • Daten zweier ökologischer Langzeitexperimente in Jena und Minnesota zeigen: Pflanzen auf artenreichem Grasland weisen weniger Fraßschäden auf, lieferten aber mehr Biomasse.

Weniger Schadinsekten auf bunten Wiesen

Pestizide und Monokultur gefährden die biologische Vielfalt. Eine größere Pflanzenvielfalt in Wiesen könnte hingegen die Abwehr gegen Schädlinge auf natürliche Weise verbessern und die Produktivität der Pflanzen erhöhen. Zu dem Ergebnis kommt ein internationales Forscherteam unter deutscher Federführung.

Monokulturen und eine Intensivierung der Landwirtschaft zählen zu den Ursachen für den weltweiten Rückgang der biologischen Vielfalt. Der Verlust der Biodiversität hat Folgen für die Ökosysteme und deren Dienstleistungen, auf die der Mensch angewiesen ist.

Ein internationales Forscherteam unter Leitung des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) in Jena hat daher untersucht, inwiefern eine größere Pflanzenvielfalt diese negativen Folgen verhindern kann. Dazu wurden Daten von zwei Langzeitexperimenten genutzt: vom Jena Experiment in Thüringen und dem Cedar Creek Biodiversity Experiment in Minnesota (USA). Untersucht wurde dabei die Struktur von Nahrungsnetzen in Monokulturen und artenreichen Wiesen.

Mehr Biomasse dank Vielfalt

Die Forschenden fanden heraus, dass Pflanzen in artenreichen Wiesen deutlich weniger Energie durch pflanzenfressende Insekten verlieren. Bei einer hohen Pflanzenvielfalt waren die Fraßmengen pro Gramm Pflanzenbiomasse um 44 Prozent geringer als in Monokulturen. „Letztendlich bedeutet das bei einem Anbau von mehreren Pflanzenarten zusammen mehr pflanzliche Biomasse pro Quadratmeter und weniger Fraßschäden für die einzelnen Pflanzen“, erklärt Erstautor und iDiv-Alumnus Andrew Barnes. Auf bunten Wiesen fühlen sich demnach pflanzenfressende Schädlinge weniger wohl, weil die Wahrscheinlichkeit ihre Lieblingspflanze hier anzutreffen, geringer ist. Auch sind Pflanzen auf artenreichen Wiesen weniger nahrhaft für Insekten, da es ihnen an ausreichend Stickstoff mangelt, wie bereits frühere Studien ergeben.

Biologischer Pflanzenschutz mit natürlichen Fressfeinden

Die Pflanzenvielfalt hat aber noch einen weiteren Vorteil: Im Vergleich zu Monokulturen gab es hier zwar mehr pflanzenfressende Insekten – gleichzeitig zählten die Forschenden aber auch mehr natürliche Fressfeinde. Eine Erklärung könnte sein, dass in solch komplexen Gemeinschaften natürliche Fressfeinde besser vor anderen Räubern wie Vögeln geschützt sind.

Die Forschenden sind überzeugt, dass diese natürliche Art der Schädlingsbekämpfung dazu beitragen kann, den Einsatz von Insektiziden in der Landwirtschaft zu reduzierten. „Unsere Experimente zeigen, dass es mehrere Vorteile für den Pflanzenschutz hat, die pflanzliche Vielfalt zu erhalten. Das könnte eine wichtige Rolle dabei spielen, den Eintrag von Agrochemikalien zu reduzieren und die Produktivität der Pflanzen zu erhöhen“, sagt Barnes.

Weitere Informationen

Pressemitteilung:  Mehr Pflanzenvielfalt, weniger Pestizide

Dossier:  Nützliche Vielfalt: Biodiversität als Ressource

 

In Kooperation mit bioökonomie.de