Natur-Dämmstoffe überzeugen auf dem Prüfstand - Wissenschaftsjahr 2020/21 - Bioökonomie

Springe zu:

Springe zum Inhalt

22.10.2020

Natur-Dämmstoffe überzeugen auf dem Prüfstand

Kurz & Knapp
  • Naturdämmstoffe werden neben Holz aus pflanzlichen Rohstoffen wie Hanf hergestellt. Viel Produkte sind bereits auf dem Markt. In Bauvorschriften finden sie bisher keine Berücksichtigung.
  • Partner aus Forschung und Industrie haben nun Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen im Hinblick auf Eigenschaften wie Brandschutz, Schall-, Wärme- und Feuchteschutz untersucht.
  • Die Studie ergab: Naturdämmstoffe halten den Bauvorschriften stand. Sie sind sicher, kalkulierbar und nachhaltig, sodass die baurechtlichen Vorschriften nun entsprechend angepasst werden können.

Hanf, Seegras und Cellulose halten Bauvorschriften stand

Der Weg zu mehr Naturmaterialien im Bau ist frei: Ein Verbundprojekt aus 12 Partnern belegt, dass Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen den Bauvorschriften Stand halten und fast überall angewendet werden können. Sie legen damit den Grundstein für eine Anpassung der baurechtlichen Vorgaben, die solche Materialien bisher vernachlässigt.

Natürliche Baumaterialien wie Holz, Hanf oder Stroh sind gefragt. Sie sind nicht nur nachhaltig, sondern besitzen Eigenschaften, die sie zu hervorragenden Dämmstoffen machen. Zahlreiche Produkte wie druckfeste Platten, flexible Matten, lose Einblasdämmung sowie Stopfdämmung sind bereits auf dem Markt. In den Bauvorschriften und -normen werden solche Materialien bisher nicht berücksichtigt, sodass deren Verwendung durch aufwendige Prüfungen erschwert wird.

Partner aus Forschung und Industrie haben nun den Weg frei gemacht für eine Anpassung der baulichen Vorschiften und damit für mehr Naturdämmstoffe im Bau. Unter der Leitung des Fraunhofer-Instituts für Holzforschung, Wilhelm-Klauditz-Institut WKI, haben 12 Verbundpartner Naturdämmstoffe hinsichtlich ihrer baulichen Voraussetzungen genauer untersucht.

Keine baurechtlichen Einschränkungen

Bewertet wurden Brandschutz, Glimmverhalten, Emissionen, Schall-, Wärme- und Feuchteschutz der nachwachsenden Rohstoffe. Gerade bei Brandschutz und Glimmverhalten konnten die Forschenden deutliche Unterschiede zu den üblichen Hartschäumen feststellen. Im Vergleich zu dem erdölbasierten Pendant, das extrem schnell mit sehr starker dunkler Rauchbildung verbrennt, verbrennen Naturdämmstoffe verhältnismäßig langsam und haben nur eine geringe Rauchentwicklung.

Auch bei Wärme- und Feuchtigkeitsschutz schnitten die natürlichen Materialien wesentlich besser ab. Aufgrund der hohen Speicherfähigkeit seien sie nicht nur bei Hitze und Kälte ein guter Puffer, sondern auch bei Feuchtigkeit. Die Materialfeuchte erhöht sich dabei nur unwesentlich, sodass Konstruktionen deutlich sicherer sind.

Bauvorschriften anpassen

Das Fazit: Für den Einsatz von Naturdämmstoffen im Bau gibt es grundsätzlich keine Einschränkungen. Sie können fast überall eingesetzt werden. Mit Holz, Hanf und Co. könne kalkulierbar dauerhaft und sicher gebaut werden, sodass Normen und baurechtliche Vorschriften nun angepasst und der Weg für mehr Naturdämmstoffe im Bau freigemacht werden kann, heißt es.

Das Verbundprojekt „Mehr als nur Dämmung – Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen“ wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft über dreieinhalb Jahre mit rund 4 Mio. Euro gefördert. An dem Projekt waren insgesamt zwölf Partner aus Forschung und Industrie beteiligt, darunter das Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e.V. in Potsdam, das die Nachhaltigkeit der natürlichen Dämmstoffe bewertete.

Weitere Informationen

Pressemitteilung:  Hanf, Seegras, Flachs und Co. halten Bauvorschriften stand

 

In Kooperation mit bioökonomie.de