Agrarlandschaft für Natur- und Klimaschutz - Wissenschaftsjahr 2020/21 - Bioökonomie

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22.02.2021

Agrarlandschaft für Natur- und Klimaschutz

Kurz & Knapp
  • Nachhaltige Bioökonomie wird durch Agrarlandschaften, die in der Größe wie in der Funktion vielfältig sind, ermöglicht.
  • Bodenfunktionen wie Biodiversitätserhalt, Kohlenstoffpufferung oder Nitratreduzierung können durch ihre Erfassung, einen ökonomischen Wert erhalten.
  • Digitale Methoden können durch bessere Nutzung der Standorteigenschaften zu einer vielfältigen Agrarlandschaft und Inwertsetzung ökologischer Leistungen führen.

Ein Beitrag von Prof. Sonoko Bellingrath-Kimura, Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

Um das Klimaziel zu erreichen, d.h. den globalen Temperaturanstieg deutlich unter 2 Grad Celsius zu reduzieren, ist es unvermeidlich von fossilen Rohstoffen auf regenerative und biologische Rohstoffe umzusatteln. Eine auf Bioökonomie ausgerichtete Gesellschaft ist notwendig.

Dabei spielt die Nutzung des Bodens eine Schlüsselrolle. Die natürliche Funktion des Bodens, welcher Nährstoffe und Wasser puffert und durch Sonnenenergie das Pflanzenwachstum fördert, kann in der Landwirtschaft kostengünstig genutzt werden und Nahrung, Futter sowie Biomasse produzieren. Der Boden kann zugleich ein Speicher für Kohlenstoff sein, kann Schadstoffe puffern oder abbauen und sauberes Grundwasser produzieren. Er bietet Lebensräume für Insekten, Tiere und Vögel und ist die Grundlage für die biologische Vielfalt eines funktionierenden Ökosystems.

Diese vielseitigen Funktionen geraten jedoch ins Schwanken, wenn man verstärkt nur auf eine Funktion achtet und andere ignoriert. Statt des Erhalts der Biodiversität, führte die produktionsorientierte moderne Landwirtschaft schnell zur Reduktion von Biodiversität, statt der Speicherung von Kohlenstoff im Boden zur Emissionsquelle von Treibhausgasen und statt der Generierung von sauberem Wasser zur Ursache von nitratbelastetem Grundwasser. Eine Gesellschaft, die auf Bioökonomie hinzielt, muss also bei der Gewinnung von biologischen und regenerativen Rohstoffen darauf achten, die Nutzung des Bodens nachhaltig zu gestalten und die Vielseitigkeit der Funktionen des Bodens nicht zu vergessen.

Köpfe des Wandels

Prof. Sonoko Bellingrath-Kimura ist seit 2015 Professorin für Landnutzungssysteme an der Humboldt Universität zu Berlin und ist die Co-Leiterin des Programmbereichs Landnutzung und Governance des Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF). Sie promovierte an der Hokkaido Universität und erhielt den Tenure an der Tokyo University of Agriculture and Technology und forschte zur Optimierung der agrarischen Landnutzungssysteme durch digitale Technologien.

Alle Funktionen gleichzeitig auf demselben Boden voll auszuschöpfen ist jedoch nicht möglich, da einige Funktionen Raum in Anspruch nehmen wodurch andere nicht auf derselben Fläche realisierbar sind. So ist es notwendig, die Funktionen auf einer weiten Fläche zu verteilen und dadurch insgesamt auf der Landschaftsebene, die Produktionsfunktion sowie Natur- und Klimaschutz zu erreichen. Eine vielfältige Agrarlandschaft könnte also die Lösung sein.

Um den besten Standort für die jeweiligen Bodenfunktionen auszusuchen und eine vielfältige Landnutzung zu realisieren, werden im Projekt DAKIS (Digitale Wissens- und Informationsverarbeitung in der Landwirtschaft) Standortinformationen gesammelt und analysiert. Wir entwickeln ein Entscheidungsunterstützungstool, welches Landnutzungsformen, Bewirtschaftungsmaßnahmen und -zeitpunkte optimieren kann. Unsere Vision ist eine Landwirtschaft der Zukunft, in der Umwelt- und Klimaschutz mit Ernährungssicherung und stabilen Einkommen in der Landwirtschaft im Einklang stehen. Dabei sollen Agrarlandschaften in ihrer Größe und Funktion vielfältig sein, die standörtlichen Gegebenheiten und gesellschaftlichen Bedarfe in einem ausgewogenen Verhältnis stehen.

Durch die Erfassung der Bodenfunktionen aus Modell- und Sensordaten, wird zukünftig auch deren Inwertsetzung ermöglicht. Dies bedeutet, dass neben der Lebensmittelproduktion auch andere Bodenfunktionen wie Biodiversitätserhalt, Kohlenstoffspeicherung oder Nitratreduzierung finanziell honoriert werden können.

Die hier veröffentlichten Inhalte und Meinungen der Autorinnen und Autoren entsprechen nicht notwendigerweise der Meinung des Wissenschaftsjahres 2020/21 – Bioökonomie.​