Sortenzüchtung für einen nachhaltigen Obstanbau - Wissenschaftsjahr 2020/21 - Bioökonomie

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03.04.2020

Sortenzüchtung für einen nachhaltigen Obstanbau

Kurz & Knapp
  • Gegen schädliche Umwelteinflüsse unempfindliche Sorten ermöglichen einen nachhaltigen Obstanbau.
  • Eine Analyse des Erbgutes der Pflanzen schafft Voraussetzungen für dauerhafte resistente Sorten.
  • Die Sorten aus der staatlich finanzierten Züchtung sichern die heimische Obstproduktion.

Resistente Sorten ermöglichen nachhaltigen Obstbau

Ein Beitrag von apl. Prof. Dr. Henryk Flachowsky, Julius Kühn-Institut (JKI), Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, Institut für Züchtungsforschung an Obst

Die Produktion einer ausreichenden Menge an qualitativ hochwertigem Obst zu bestehenden Marktpreisen ist momentan nur mit umfangreichen Pflanzenschutzmaßnahmen möglich. Allein zur Bekämpfung pilzlicher Schaderreger sind im integrierten Apfelanbau bis zu 20 Fungizidbehandlungen (pilzabtötende Behandlung) pro Jahr notwendig. Im biologischen Anbau ist die Zahl der Pflanzenschutzbehandlungen (z. B. mit Kupfer) zum Teil noch höher.

Der Anbau krankheitsresistenter Sorten könnte einen Beitrag zur Verminderung des Pflanzenschutzmittel- und Kupfereinsatzes leisten. Deshalb besteht ein Ziel der Obstzüchtung in der Schaffung neuer Sorten mit dauerhafter Widerstandsfähigkeit und exzellenter Fruchtqualität. Erste Sorten mit verbesserter Resistenz gegenüber dem Erreger des Apfelschorfes haben in den letzten Jahren einen Anbau mit deutlich reduziertem Pflanzenschutz möglich gemacht. Resistente Sorten sind somit ein wichtiger Baustein für einen nachhaltigen Obstbau.

Köpfe des Wandels

Henryk Flachowsky leitet das Institut für Züchtungsforschung an Obst des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Dresden. Er engagiert sich im Fachbeirat der Deutschen Genbank Obst (DGO), im Vorstandsrat der Gesellschaft für Pflanzenzüchtung e. V. (GPZ), sowie im Vorstand der Deutschen Gartenbauwissenschaftlichen Gesellschaft e. V. (DGG).

Genomanalyse schafft Voraussetzungen für dauerhafte Resistenz

Bis vor wenigen Jahren standen der Obstzüchtung nur wenige gut charakterisierte Resistenzen zur Verfügung, bei denen die genetischen Grundlagen der Widerstansfähigkeit bekannt sind. Diese wurden in vielen Züchtungsprogrammen weltweit genutzt. Der großflächige Anbau von Sorten mit der gleichen Resistenz hat vielerorts dazu geführt, dass Schaderreger einen Weg gefunden haben, diese Resistenz zu überwinden.

In den letzten Jahren hat die Anwendung neuer Verfahren in der Erbgutanalyse dazu geführt, das ZüchterInnen heute eine Vielzahl gut charakterisierter Resistenzen zur Verfügung steht. Diese können nach dem Baukastenprinzip nach Belieben mittels molekularer Marker (eindeutig identifizierbare, kurze DNA-Abschnitte) in neuen Sorten kombiniert werden. Auf diese Weise entstehen verschiedene Resistenzkombinationen, die von Schaderregern nicht oder nur sehr schwer überwunden werden können. Der technische Fortschritt in der Genomanalyse hat damit den Grundstein für die Züchtung neuer Sorten mit dauerhafter Resistenz gelegt.

Sorten aus der staatlich finanzierten Züchtung sichern heimische Produktion

Neue Sorten werden heute oft als Clubsorten vermarktet, welche nur von ausgewählten Produzenten (Club) angebaut werden dürfen. Dabei erfolgt die Vermarktung nicht unter dem Sortennamen, sondern einem Markennamen. Ein Beispiel ist die Apfelsorte 'Cripps Pink’, die als Clubsorte unter der Marke PINK LADY® bekannt ist. Ziele des Clubkonzeptes sind höhere Preise und gesicherte Marktanteile durch eine gezielte Begrenzung des Angebotes. Produzenten, die nicht zum Club gehören, sind vom Anbau der Sorte ausgeschlossen.

In den letzten Jahren drängen zunehmend ausländische Clubs in den Markt. Das ist problematisch, da nicht alle deutschen Produzenten Zugang zu diesen Clubs haben. Die staatliche Obstzüchtung wirkt diesem Problem entgegen. Neue Sorten, die mit Steuergeldern gezüchtet werden, stehen allen Produzenten gleichermaßen zur Verfügung. Sie schaffen Chancengleichheit und helfen, die heimische Produktion zu sichern.

Die hier veröffentlichten Inhalte und Meinungen der Autorinnen und Autoren entsprechen nicht notwendigerweise der Meinung des Wissenschaftsjahres 2020/21 – Bioökonomie.​