Szenarien für die Zukunft - Wissenschaftsjahr 2020/21 - Bioökonomie

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30.07.2020

Szenarien für die Zukunft

Kurz & Knapp
  • Der globale Wandel bringt viele Unsicherheiten mit sich.
  • Eine Szenarioanalyse bringt eine Vielfalt gesellschaftlicher Akteure zusammen.
  • Aus solch einem Prozess können dann neue Erkenntnisse für eine nachhaltige Entwicklung entstehen.

Szenarien für die Zukunft

Ein Beitrag von Prof. Dr. Jörn Fischer, Leuphana Universität Lüneburg

Klimawandel, Artensterben, Pandemien – was bringt uns der globale Wandel noch, und wie kann eine Bioökonomie zu einer nachhaltigen Zukunft beitragen? Um diese Frage zu beantworten, haben WissenschaftlerInnen bereits viele komplizierte Computermodelle entwickelt. Die Erkenntnisse, so hofft man, helfen dann Entscheidungsträgern in der Politik und der Wirtschaft beim Erstellen nachhaltiger Pläne und Strategien.

Doch neben mathematischen Modellen gibt es noch einen anderen vielversprechenden Ansatz: Die sogenannte „partizipative Szenarioanalyse“.

In einer solchen Analyse werden nicht nur die Daten aus Computermodellen verwertet, sondern auch das Wissen einer breiten Vielfalt gesellschaftlicher Akteure.

Das könnten dann im Bereich der nachhaltigen Landnutzung beispielsweise eine Mischung aus BäuerInnen, Agrarfachleuten, kulturellen Gruppen, Menschen aus Politik und Naturschutz sein – eben eine Mischung aus Akteursgruppen, die nicht nur klassisches ExpertInnenwissen einbezieht, sondern viele ganz unterschiedliche Weltanschauungen zusammenbringt.

Köpfe des Wandels

Jörn Fischer hat in Australien studiert und dort 2004 promoviert. 2010 kam er mit einem Sofja Kovalevskaja Preis der Alexander von Humboldt Stiftung an die Leuphana Universität Lüneburg. Er hat zunächst die Landschaftsentwicklung in Siebenbürgen (Rumänien) untersucht, hat aber seit 2015 seinen Schwerpunkt auf Untersuchungen in Äthiopien gelegt.

Am besten funktioniert eine solche partizipative Szenarioanalyse in konkreten Landschaften. Wenn man dann mit Hilfe von gut moderierten Prozessen das Wissen vieler unterschiedlicher Akteure über eine bestimmte Landschaft zusammenträgt, kommt man oft zu spannenden und unerwarteten Erkenntnissen über die Zukunft.

Es können neue sozial-ökologische Szenarien entstehen, die einem zunächst einmal aufzeigen, was prinzipiell plausible Möglichkeiten für die Zukunft sind. So kann es zum Beispiel plausibel sein, dass eine bestimmte Landschaft in Zukunft mit konventioneller Landwirtschaft weiter intensiviert wird; es könnten sich aber ebenso gut auch ganz andere plausible, wenn auch zunächst unerwartete Wege für die Landschaft aufzeigen. Ziel einer Szenarioanalyse ist zuerst einmal, mehrere prinzipiell plausible Richtungen für die Zukunft aufzuzeigen. Szenarien können dann als kurze, allgemein verständliche Texte aufgeschrieben werden, und sie können zum Beispiel mit Hilfe von Bildern auch der breiten Öffentlichkeit leicht zugänglich gemacht werden. So können dann neue Diskussionen entstehen: Welche Zukunft wollen wir für unsere Landschaft? Wer kann etwas tun, um diese Zukunft zu unterstützen? Welche Zukunft wollen wir vielleicht auf keinen Fall – und was können wir tun, um eine solche Zukunft zu vermeiden?

Verschiedene Forschende an der Leuphana Universität Lüneburg haben über die letzten Jahre Szenarienanalysen durchgeführt. An einem Beispiel arbeitet die Forschungsgruppe gerade mit finanzieller Unterstützung des Bundesministerium für Bildung und Forschung. Hier untersuchen sie mögliche Entwicklungsszenarien für den Südwesten Äthiopiens – ein Kaffeeanbaugebiet, das sowohl für Äthiopien, als auch international als eine besonders artenreiche Region Bedeutung hat. Wie können die Menschen vor Ort hier leben und eine nachhaltige Bioökonomie aufbauen? Dieser Frage geht die Gruppe in der Forschung nach.

Die hier veröffentlichten Inhalte und Meinungen der Autorinnen und Autoren entsprechen nicht notwendigerweise der Meinung des Wissenschaftsjahres 2020/21 – Bioökonomie.​