Gurken-Virus in Deutschland aufgetaucht - Wissenschaftsjahr 2020 - Bioökonomie

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23.01.2020

Gurken-Virus in Deutschland aufgetaucht

Kurz & Knapp
  • Im vergangenen Sommer ist in Süddeutschland eine Pflanzenkrankheit aufgetaucht, die besonders bei Gurken im Gewächshaus zu massiven Ernteeinbußen geführt hat.
  • Leibniz-Forschende aus Braunschweig haben den Erreger isoliert: Es handelt sich um das CABY-Virus. Der Erreger wird durch Blattläuse übertragen.
  • Es wird damit gerechnet, dass sich der Erreger weiter ausbreitet. Um das Virus einzudämmen, müssen vor allem die Blattläuse in Schach gehalten werden.

Erreger sorgt für massive Ernteeinbußen

In Deutschland breitet sich eine neue Pflanzenkrankheit aus, die vor allem die Gurkenernte bedroht. Ein Forscherteam aus Braunschweig hat nun den Erreger nachgewiesen. Es ist ein Virus, das durch Insekten übertragen wird.

Ob geschält oder eingelegt: Gurken gehören zu den beliebtesten Gemüsearten in Deutschland. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden 2018 hierzulande etwa 206.500 Tonnen Gurken angebaut.

Doch der heimische Anbau wird durch eine neue Pflanzenkrankheit bedroht. Im vergangenen Sommer waren davon die Gewächshäuser von 30 bayerischen Gurkenbauern betroffen. 90 Prozent der Pflanzen waren infiziert. Die Pflanzen litten unter Chlorophyllmangel und Blattverdickung und warfen ihre Blüten ab. Der Ernteertrag ging deshalb um bis zu 50 Prozent zurück´.

Virus als Erreger dingfest gemacht

Molekularbiologische Analysen ergaben: Das Gemüse war mit dem sogenannten Gurken-Virus infiziert. Ein Team um den Pflanzenvirologen Wulf Menzel vom Leibniz-Institut DSMZ – Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH in Braunschweig konnte damit in Deutschland erstmals das Cucurbit aphid-borne yellows virus (CABYV) nachweisen.

Die Krankheit trat erstmals 1988 in Frankreich auf. Sie kann neben Gurken auch andere Kürbisgewächse wie Zucchini befallen. Das CABY-Virus wird von Blattläusen übertragen. Der Erreger kann in verschiedenen heimischen Wildpflanzen überwintern.

Blattläuse als Überträger im Visier

„Da die Blattläuse, die das Virus übertragen sowie natürliche Überwinterungswirte des Virus bei uns heimisch sind, ist davon auszugehen, dass das Virus auch im nächsten Jahr die Bestände der Kürbisgewächse in Deutschland und weiteren Ländern im nördlicheren Europa bedrohen wird“, so Wulf Menzel.

Das Gurken-Virus wird sich nach Ansicht von Menzel in Mitteleuropa weiter ausbreiten. Einen effektiven Schutz vor dem Erreger gibt es bisher nicht. In Präventionsmaßnahmen wie der Verhinderung von Blattlausbefall beim Anbau im Gewächshaus sehen die Forschenden einen Weg, die Ausbreitung der Krankheit in Schach zu halten. Ein Ansatz für die Zukunft liegt in der Züchtung virusresistenter Gemüsesorten.