Kurz & Knapp
  • Die Bioökonomie ist ein wesentlicher Ansatz zur Bewältigung der grundlegenden, globalen Zukunftsfragen.
  • Zum Aufbau der Bioökonomie muss die Pflanzenproduktion massiv erhöht werden.
  • Pflanzenzüchtung nutzt die Wissensrevolution in der Biologie, um die notwendigen, optimal angepassten Pflanzen dafür bereit zu stellen.

Pflanzenzüchtung: Schlüsseltechnologie der Bioökonomie

Ein Beitrag von Dr. Gunhild Leckband, Geschäftsführerin der NPZ Innovation GmbH

Der Aufbau einer Bioökonomie eröffnet die Aussicht, Antworten auf eine Vielzahl globaler Herausforderungen zu finden: allen voran der Klimawandel, aber auch Welternährung, Endlichkeit der fossilen Rohstoffquellen und eine nicht zuletzt nachhaltige Landwirtschaft.

Bioökonomie bedeutet eine vollkommen neue, umfassend nachhaltige Art des Produzierens und Wirtschaftens. Grundlage dafür ist eine erneuerbare Rohstoffbasis: die Biomasse. Biomasse ist die Gesamtheit der organischen Substanz als Produkt der pflanzlichen Photosynthese, also die Fähigkeit der Pflanzen, mit Sonnenlicht aus Wasser und dem Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre Zucker herzustellen.

Dieser wird dann in der Pflanze zum gesamten großen Spektrum organischer Substanzen und Materialien weiterverarbeitet: von Stärke, Zellulose und Holz über Eiweiß, Fette und Öle, bis hin Vitaminen, Antioxidantien, Farb- und Gerbstoffen. Um diesen Ansatz zum Erfolg zu führen, müssen alle Nutzungsrichtungen der Bioökonomie ausreichend versorgt werden. Dabei stehen die Lebensmittel immer an erster Stelle, aber wichtig sind auch Futtermittel, stoffliche Rohstoffe und Beiträge zur energetischen Nutzung.

Um neben der notwendigen Lebensmittelversorgung ausreichend Rohstoffe bereitstellen zu können, um die fossile Rohstoffbasis in der stofflichen Produktion vollständig zu ersetzen, muss wesentlich mehr und qualitativ hochwertigere Biomasse verfügbar gemacht werden. Wir brauchen also eine massive Erhöhung der Pflanzenproduktion und das natürlich unter den Rahmenbedingungen der Nachhaltigkeit. Das erfordert eine moderne, zukunftsfähige und leistungsstarke Landwirtschaft, deren Leistungen in der öffentlichen Wahrnehmung angemessen zu würdigen sind und die mit vernünftigen und praxisnahen Rahmenbedingungen auszustatten ist.

Dr. Gunhild Leckband ist seit August 1998 Abteilungsleiterin Forschungsmanagement und Patentwesen bei NPZ, Hohenlieth, wo sie im Juli 2000 als Gesellschafterin eintrat. Seit November 2013 ist sie geschäftsführende Gesellschafterin der NPZ Innovation GmbH. Im Januar 2018 erfolgte die Übernahme der Leitung Züchtungsabteilung der Norddeutschen Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG.

Viele Aspekte und Prinzipien der ökologischen Landwirtschaft wie z.B. vielgliedrige Fruchtwechsel oder das Anstreben geschlossener Kreisläufe sind sinnvoll und sollten in Konzepte für eine modernisierte Landwirtschaft einfließen. Allerdings kann ökologischer Landbau allein die erforderlichen Mengen an Biomasse nicht erzeugen. Zudem läuft die derzeitig zu verzeichnende Überhöhung des Naturschutzes den notwendigen Veränderungen zur Lösung unserer dringendsten Probleme entgegen. Wir brauchen eine breite gesellschaftliche Diskussion, wie viel Naturschutz wirklich notwendig und verantwortbar ist. Die schlichte Forderung nach immer mehr wird dem nicht gerecht.

Für diese massive Ausweitung einer nachhaltigen Pflanzenproduktion brauchen wir Pflanzen, die optimal an die Anforderungen der extremen Umweltbedingungen und den Klimawandel angepasst sind und bei weniger Input dennoch höhere und stabilere Erträge erzielen.

Eine Aufgabe der Pflanzenzüchtung, die seit über 100 Jahren vielseitig verbesserte Kulturpflanzen bereitstellt, ist es, Ergebnisse der Wissensrevolution in der Biologie für die Züchtung neuer, weiter verbesserter Pflanzensorten nutzbar zu machen. Die mittelständisch geprägte Pflanzenzuchtbranche in Deutschland ist hierzu bereit und bestens aufgestellt. Diese Umsetzung erfordert aber praktikable Rahmenbedingungen. Das umfasst z. B., die Nutzung moderner Methoden, einschließlich der Gentechnik, die seit Jahrzehnten und auf Millionen Hektar Ackerland ihre Sicherheit nachgewiesen hat.

Auch hierfür ist eine breite gesellschaftliche Diskussion notwendig, welche die unterschiedlichen Grundgedanken, Überzeugungen und Argumente zusammenbringt. Dieser Diskurs sollte sachorientiert, basierend auf Wissen und Erkenntnis, geführt werden und zur Setzung von Prioritäten, ausgewogenen Kompromissen und letztlich zu einem hoffentlich breit getragenen Abkommen führen. An der Diskussions- und Kompromissfähigkeit unserer Gesellschaft wird sich entscheiden, ob wir die existierenden großen Zukunftsfragen werden meistern können. Vorurteile, Technikfeindlichkeit, eine oft zu beobachtende Symbolpolitik aber auch bequeme Beharrlichkeit helfen nicht weiter. Das gilt für alle Beteiligten.

Die hier veröffentlichten Inhalte und Meinungen der Autorinnen und Autoren entsprechen nicht notwendigerweise der Meinung des Wissenschaftsjahres 2020 – Bioökonomie.​

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