Buchen mit Wachstumseinbruch im Dürresommer - Wissenschaftsjahr 2020 - Bioökonomie

Springe zu:

Springe zum Inhalt

12.05.2020

Buchen mit Wachstumseinbruch im Dürresommer

Kurz & Knapp
  • Der Dürresommer 2019 hat das Wachstum mehrere Waldbaumarten stark abgebremst. Das hat ein Greifswalder Baumökologenteam gemessen.
  • Besonders betroffen waren 2019 Buchen und Hainbuchen, da es für sie zugleich ein Mastjahr war, in dem sie generell mehr Energie in die Samenbildung als ins Wachstum stecken.
  • Was jetzt noch als extreme Serie von Dürrejahren gilt, wird Klimaprognosen zufolge nach 2050 zur Normalität werden. Das wird auch die Holzwirtschaft zu spüren bekommen.

Ohne feuchte Winter sind trockene Sommer problematisch

Den Dürresommer 2018 steckten Deutschlands Bäume dank voller Bodenwasserspeicher gut weg. Das Dürrejahr 2019 traf den Wald jedoch voll und verringerte das Wachstum um bis zu 70%, wie Greifswalder Baumökologen gemessen haben. In wenigen Jahrzehnten könnte das Normalität sein – mit gravierenden Folgen für die Biomasseproduktion.

2018 und 2019 waren in Deutschland und weiten Teilen Europas ausgesprochen trockene Jahre mit heißen Sommern. Das bekamen nicht nur die Landwirte zu spüren, deren Erträge massiv einbrachen. Auch die Wälder litten darunter. Ein Forschungsteam der Universität Greifswald hat nun ausgewertet, wie die veränderten klimatischen Bedingungen das Wachstum bestimmter Baumarten beeinträchtigt hat.

Bereits seit 2013 überwacht die Arbeitsgruppe „Landschaftsökologie und Ökosystemdynamik“ Bäume im Universitätswald in Eldena und auf der Insel Vilm in Mecklenburg-Vorpommern. Mittels hochempflindlicher Messgeräte, sogenannter Dendrometer, erfasst das Team im Abstand weniger Minuten, wie sich der Stammumfang der untersuchten Bäume verändert. So registriert das Gerät sowohl das tägliche Schrumpfen und Quellen des Stammes als auch das langfristige Wachstum.

Buchen litten besonders unter der Dürre

Für die Jahre 2018 und 2019 ergeben sich demnach auffällige Muster, jedoch mit deutlichen Unterschieden zwischen den beiden Jahren. So konnten die Bäume im trockenen und heißen Sommer 2018 sogar überdurchschnittlich stark wachsen: Sie profitierten von dem vorangegangenen sehr feuchten Winter, der die Bodenwasserspeicher reich gefüllt hatte.

2019 hingegen waren diese Speicher bereits im Frühjahr leer. Die untersuchten Baumarten Bergahorn, Eiche, Buche und Hainbuche wuchsen deutlich schwächer als in durchschnittlichen Jahren. Bei den beiden Letztgenannten verringerte sich das Wachstum sogar um bis zu 70%. Somit können Bäume durch feuchte Winter eine gewisse Resistenz gegen Dürresommer entwickeln, doch anhaltende Dürre kann dramatische Folgen für den Wald haben.

Verringertes Wachstum trifft die Bioökonomie

Der Hauptautor der Studie Tobias Schwarnweber relativiert zwar den extremen Effekt bei Buchen: „Wir beobachten, dass bei Buchen besonders die Bäume mit großen Kronen von der Trockenheit betroffen sind. Hinzu kommt, dass 2019 ein sogenanntes Mastjahr war, also ein Jahr mit massiver Samenproduktion. Die Bäume stecken ihre Ressourcen dann in die Bucheckern und nicht ins Wachstum.“

Dennoch bleibt eine Sorge bestehen: Sommer wie 2018 und 2019 gelten zwar im historischen Vergleich als extrem. Doch die Prognosen der Klimaforschung gehen davon aus, dass derartige Dürren schon in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts Normalität sein werden. Das Wachstumsniveau des Jahres 2019 könnte somit das künftige Normalniveau sein – mit entsprechenden Konsequenzen für die Holzwirtschaft.

 

In Kooperation mit bioökonomie.de