Peter Feindt im Interview zu resilienten Wirtschaftssystemen - Wissenschaftsjahr 2020 - Bioökonomie

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15.05.2020

Peter Feindt im Interview zu resilienten Wirtschaftssystemen

Kurz & Knapp
  • Das Informationsportal biooekonomie.de, Partner des Wissenschaftsjahres 2020, veröffentlicht ein Interview mit dem Berliner Politikwissenschaftler Peter Feindt zum Thema resiliente Wirtschaftssysteme.
  • Feindt spricht darin über seine Forschung zur Reaktion von biobasierten Wirtschaftssystemen auf Schockereignissen und Stress-Situationen – in der Corona-Krise ein hochrelevantes Thema.
  • Lesen Sie auch weitere spannende Interviews mit Expertinnen und Experten zu den Chancen und Herausforderungen einer biobasierten Wirtschaft auf biooekonomie.de.

Auch in schwierigen Zeiten handeln können

Aktuell erleben wir unmittelbar, wie unsere Gesellschaft auf Schockereignisse reagiert und versucht, mit schlagartigen Veränderungen umzugehen. Die Fähigkeit, Krisen zu überwinden und sich neuen Gegebenheiten anzupassen, nennt man Resilienz. Auch für die Wirtschaft ist dies ein wichtiges Thema. Aber was macht ein Wirtschaftssystem resilient? Und welchen Beitrag kann die Bioökonomie leisten?

In einem Interview auf der Informationsplattform biooekonomie.de gibt der Politikwissenschaftler Peter Feindt Antworten auf diese und weitere Fragen. Feindt ist Leiter des Fachgebiets für Agrar- und Ernährungspolitik am Department für Agrarökonomie der Berliner Humboldt-Universität und untersucht, wie biobasierte Wirtschaftssysteme auf Schockereignisse reagieren und wie sich ihr Umgang mit dem daraus resultierenden Stress optimieren lässt.

Wird ein Wirtschaftssystem mit unvorhersehbaren Ereignissen, wie zum Beispiel der Corona-Krise konfrontiert, muss es resilient, sprich widerstandsfähig sein, um einen Zusammenbruch zu vermeiden. Das erfordert laut Feindt drei zentrale Voraussetzungen: Einerseits müssen Veränderungen antizipiert werden können und andererseits muss die Bereitschaft bestehen, negative Entwicklungen zu akzeptieren und schließlich auch einen tiefgreifenden Wandel zu zulassen, sollten bisherige Ansätze nicht mehr greifen. „Generell gelten Systeme als resilienter, die Pufferressourcen haben, vielfältiger und offener sind“, so Peter Feindt.

Die Bioökonomie – ein resilientes Wirtschaftssystem?

Eine biobasierte Wirtschaft hat mit Blick auf ihren Beitrag zu einer ökonomischen Resilienz sowohl Vor- als auch Nachteile. Einerseits kann sie Auswege aus der Krise liefern: „Die Bioökonomie verbreitert das Reservoir an Technologien, mit denen Antworten auf neue Herausforderungen gefunden werden können“, so Feindt. Dies wird derzeit zum Beispiel im Bereich Medizin und Biopharmaka sichtbar, wo im Kampf gegen das Coronavirus mit hoher Geschwindigkeit neue Diagnosemethoden und Impfstoffe entwickelt werden. Doch andererseits läuft die Bioökonomie schnell Gefahr, durch eine immer intensivere Nutzung von biologischen und ökologischen Ressourcen an Resilienz zu verlieren. Laut Peter Feindt ist es daher wichtig, keine Bioökonomie zu entwickeln, die nur auf Produktionssteigerung ausgerichtet ist: „Denn dann ersetzen wir die Anfälligkeiten der fossilen Ökonomie lediglich durch neue Anfälligkeiten.“

Das Projekt „Policy Designs für resiliente Bioökonomie“

Wie also muss biobasiertes Wirtschaften gestaltet werden, damit aus seinen Produktionssystemen nicht neue Risiken entstehen? Dazu forscht Peter Feindt an der Humboldt-Universität. Das von ihm geleitete Projekt „Policy Designs für resiliente Bioökonomie – PolDeRBio“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und hat das Ziel, Leitlinien für Politikansätze aufzustellen.

Dazu werden die Bioökonomiestrategien von knapp 50 Ländern analysiert und ausgewertet, um ein Bewertungstool zu entwickeln. Anhand dessen kann dann bestimmt werden, inwiefern die Resilienz von biobasierten Produktionssystemen in den verschiedenen Ländern eine Rolle spielt und wie sie durch eine entsprechende Politik gefördert wird. Das Projekt befindet sich noch am Anfang der Analyse, doch erste Ergebnisse zeigen, dass die Frage nach dem Umgang mit neuen Resilienz-Herausforderungen durchaus an Bedeutung gewinnt.

Weitere Interviews zu Themen der Bioökonomie

Auf der Informationsplattform biooekonomie.de, einem Partner des Wissenschaftsjahres 2020 – Bioökonomie, finden Sie neben dem vorgestellten Beitrag weitere Interviews zum Thema Bioökonomie.