Chancen und Risiken für Beschäftigte in der Pandemie: Ein Blick in die Forschung

01.05.2022
Ein Gastbeitrag von Dr. Anne Busch-Heizmann, Institut für Innovation und Technik Berlin

Unter den Bedingungen des digital-technologischen Wandels der Arbeitswelt bestimmen während der Corona-Pandemie die Innovationsfähigkeit bzw. die Resilienz von Betrieben ihre „Krisenfestigkeit“ mit, wie eine Studie des iit Berlin verdeutlicht. Gleichzeitig sind Berufe im gering- oder unqualifizierten Arbeitsmarktsegment, die häufig von Frauen ausgeübt werden, besonders stark von den pandemiebedingten Einschränkungen betroffen. Die Forschung zu spezifischen Chancen und Risiken von Beschäftigten während der Pandemie und die Rolle des digitalen Wandels von Betrieben und Berufen dabei steht noch am Anfang.

Die Pandemie hat die Arbeitswelt verändert

Verbunden mit dem digital-technologischen Wandel der Arbeitswelt werden Betriebe durch die Corona-Pandemie vor vielfältige Herausforderungen gestellt. Dabei gelingt es manchen offenbar besser als anderen, mit Krisen umzugehen und sogar gestärkt daraus hervorzugehen. Die sogenannte Innovationsfähigkeit oder auch Resilienz (Widerstandskraft) von Betrieben bestimmt dabei ihre „Krisenfestigkeit“ mit.
 

Ressourcen von Beschäftigten und Betrieben sind bei der Krisenbewältigung zentral

In einer Studie des Instituts für Innovation und Technik (iit) Berlin im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales als Begleitforschung für die Arbeitsweltberichterstattung interviewten wir entlang von fünf Branchen (Einzelhandel, Gesundheitswirtschaft/Pflege, Öffentliche Verwaltung, Unternehmensnahe Dienstleistungen, ÖPNV) Arbeitgeber:innen und Arbeitnehmer:innen zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Veränderungsprozesse, beispielsweise Digitalisierungsstrategien, in ihren Betrieben. Unter anderem interessierte uns, über welche Ressourcen Betriebe und ihre Beschäftigten verfügen, um Veränderungsprozesse, die bereits vor der Pandemie angestoßen wurden, auch während der Pandemie weiter erfolgreich umzusetzen. Hier stellten sich spezifische Kompetenzen der Beschäftigten sowie flexible Organisationsstrukturen und eine gute betriebliche Vernetzung mit anderen Akteuren als förderlich heraus. Soziale Kompetenzen wie Offenheit für Veränderungen halfen zudem bei der Krisenbewältigung während der Pandemie. Gleichzeitig sind aber bestimmte Beschäftigtengruppen mit besonderen Risiken konfrontiert.


Die Corona-Pandemie verstärkt Arbeitsmarktrisiken

In der Forschung mehrten sich insbesondere in den Anfangszeiten von Corona Hinweise darauf, dass Frauen häufig den Großteil der Betreuungsbelastung durch die zeitweilige Schließung von Kitas und Schulen stemmen mussten – und dass sich dadurch in den Familien tradierte Geschlechterrollen wieder „eingeschlichen“ haben. Auch arbeiten Frauen eher in dem von der Pandemie besonders betroffenen Niedriglohnsektor. Die Basisarbeit, die eine deutliche Schnittmenge zum Niedriglohnsektor aufweist, ist ebenfalls überdurchschnittlich von Risiken durch die Pandemie betroffen. Basisarbeit umfasst „systemrelevante“ Berufe (etwa Pflegehelfer:innen, Personentransport) mit besonders hohen Infektionsrisiken oder solche, die besonders hart mit Schließungen während des Lockdowns konfrontiert waren (etwa in der Gastronomie). Der digital-technologische Wandel der Arbeitswelt macht dabei auch vor diesem gering- oder unqualifizierten Arbeitsmarktsegment nicht halt. Ein systematischer Blick auf die Frage, inwieweit die Pandemie zu spezifischen Chancen und Risiken von Beschäftigtengruppen führt und welche Rolle dabei auch der digitale Wandel von Betrieben und Berufen spielt, steht derzeit noch am Anfang.

 

 

Vita

Dr. Anne Busch-Heizmann promovierte nach dem Studium der Soziologie an der Berlin Graduate School of Social Sciences und war wissenschaftliche Mitarbeiterin am DIW Berlin / SOEP sowie an der Universität Bielefeld (SFB 882). Anschließend war sie als Juniorprofessorin für Soziologie an der Universität Hamburg und als Professorin für Soziologie an der Universität Duisburg-Essen tätig. Sie ist seit 2020 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Innovation und Technik (iit).

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