Über die Neugier

28.12.2021

Neugier ist seit jeher Triebkraft von Wissenschaft, Innovation und menschlichem Fortschritt. Entsprechend oft ist die Neugier selbst Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen – und wirft als solcher viele Fragen auf.

Woher kommt die Neugier?

Jede und jeder trägt eine grundlegende Neugier in sich. Wie neugierig jemand über dieses Basisniveau hinaus ist, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Einfluss darauf haben einerseits die Gene: Zwillingsstudien geben erste Hinweise darauf, dass unsere DNA einen wesentlichen Teil unserer Neugier vorbestimmen könnte. Einen nicht unerheblichen Einfluss hat aber auch die Sozialisation: Neugierige Eltern – also solche, die viele Fragen stellen – haben häufig auch neugierige Kinder.

 

Wo sitzt die Neugier?

Endgültig beantworten lässt sich diese Frage bisher nicht. Forschende vermuten, dass ein Hirnareal mit dem Namen „Zona incerta“ (dt. „ungewisse Zone“) das Zentrum der Neugier bilden könnte. Diese Zone liegt unterhalb des Thalamus weit im Hirninneren. Das Areal gilt auch als Schaltstelle für evolutionäre Triebe wie Hunger, Durst und Jagdinstinkt.

Untersuchungen zeigen außerdem einen Zusammenhang zwischen Neugier und der Verbindung von präfrontalem Cortex, der für strategisches Denken und Entscheidungen verantwortlich ist, mit Putamen und hinterer Inselrinde, die Bewegungen und Handlungen steuern: Je stärker die Hirnregionen miteinander verbunden sind, desto größer die Neugier.

 

Welche Vorteile hat Neugier?

Lange galt Neugier als Laster, gar als Sünde. Denn wer nach immer größerem Wissenszugewinn strebe, erhebe sich über Gott – so die Argumentation christlicher Religionsvertreter. Heute wissen wir: Neugier lohnt sich! Studien zeigen, dass sie die Gedächtnisleistung verbessert. Grund dafür ist, dass die Befriedigung der Neugier zu einer Ausschüttung von Dopamin führt – einer Art „Rauschzustand“ also. Erlerntes und sogar weniger interessante Informationen, die das Gehirn im Zustand der Neugier aufgreift, können so verlässlicher und über eine längere Zeit hinweg im Gehirn verankert werden. Forschungsergebnisse belegen sogar, dass die Neugier als Faktor für den Lernerfolg ebenso wichtig ist wie die Intelligenz.

 

Wie fördern und erhalten wir Neugier?

Neben der genetischen Veranlagung und der Sozialisation ist das Alter etwas, das unsere Neugier beeinflusst: Heranwachsende sind deutlich neugieriger als Erwachsene. Das liegt einerseits daran, dass ein gealtertes Gehirn weniger ausgeprägt auf Belohnungen reagiert und so Neugier in geringerem Maß fördert. Hinzu kommt die Lebenserfahrung: Bei Erwachsenen, die glauben zu wissen, wie die Welt funktioniert, verringert sich der Drang, den Dingen auf den Grund zu gehen. Die gute Nachricht: Neugier lässt sich trainieren! Etwa, indem wir uns bewusst Neuem aussetzen, mit alten Gewohnheiten brechen und Fragen stellen.

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