Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Sicherheit

„Wir müssen lernen, zuzuhören!“

30.11.2021
Kurz & knapp

Zwei Gremien spielen im Wissenschaftsjahr 2022 eine entscheidende Rolle: das Science Panel und das Citizen Panel. Die beiden Gruppen werden, zusammen mit weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die eingereichten Fragen sichten, diskutieren – und in die Forschung einbringen. Prof. Dr. Stefanie Molthagen-Schnöring und Prof. Johannes Vogel, Ph.D., die beiden Vorsitzenden des Science Panels, sind sich sicher: Das Wissenschaftsjahr 2022 ist eine große Chance, die Bürgerbeteiligung an Forschungsfragen einen großen Schritt voranzubringen.

„Die Menschen möchten beteiligt werden“

Beim Thema Wissenschaftskommunikation und Bürgerbeteiligung kann sich Prof. Johannes Vogel, Ph.D., Generaldirektor des Museums für Naturkunde Berlin, regelrecht in Rage reden. Das beginnt schon beim Begriff der Kommunikation, den er für überkommen hält: „Wissenschaftler:innen verstehen darunter meist, einfach ihre Themen unters Volk zu bringen. Dabei muss die Wissenschaftskommunikation noch viel mehr auf Dialog und Austausch mit der Gesellschaft setzen.“ Nur so ermögliche sie echte Mitwirkung an Forschung und Forschungspolitik.

Ähnlich sieht es Dr. Stefanie Molthagen-Schnöring, Professorin für Wirtschaftskommunikation: „Die Ergebnisse des Wissenschaftsbarometers 2019 haben bereits gezeigt, dass Bürgerinnen und Bürger sich mehr Beteiligung wünschen – und die kürzlich veröffentlichten Umfrageergebnisse des Wissenschaftsbarometers 2021 unterstreichen dies weiterhin.“

Science und Citizen Panel arbeiten Hand in Hand

Molthagen-Schnöring und Vogel haben im Wissenschaftsjahr 2022 den Vorsitz des Science Panels inne, in dem verschiedene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler jeweils für ein bestimmtes Themenfeld zuständig sind. Das Pendant auf Seiten der Gesellschaft ist das Citizen Panel, besetzt mit interessierten und engagierten Bürgerinnen und Bürgern. Zusammen mit den Jurys, denen sie vorsitzen, werden die beiden Gremien die vom 14. Januar bis 15. April 2022 im Rahmen des IdeenLaufs eingereichten Fragen sichten, einordnen und diskutieren.

Johannes Vogel verspricht sich viel vom dadurch angestoßenen Prozess: „Genau aus diesem wechselseitigen Austausch können ganz neue Perspektiven auf akute wissenschaftliche Herausforderungen, wie etwa Nachhaltigkeit, Klimawandel oder den Verlust der Biodiversität, erwachsen.“ Durch ihre Beteiligung am IdeenLauf könnten die Bürgerinnen und Bürger selbst „eine innovative Forschungsagenda für Deutschland mitgestalten“.

Innovation durch Bürgerbeteiligung

Schon oft hätten einzelne Menschen durch ihre Fragen ganze Forschungsfelder vorangetrieben, sagt Vogel. Er verweist dabei auch auf ähnliche Projekte in Belgien, Irland oder den Niederlanden – zum Beispiel die Dutch Research Agenda – die gezeigt hätten, wie solch ein partizipativer Prozess in einer kreativen Forschungsagenda münden kann.

Damit dies auch im Wissenschaftsjahr 2022 gelingt, werden Science Panel und Citizen Panel eng zusammenarbeiten. „Wir freuen uns besonders auf die enge Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit den

Bürgerinnen und Bürgern“, erklärt Stefanie Molthagen-Schnöring. „Konkret arbeiten Science Panel und Citizen Panel daran, dass die Fragen der Bürgerinnen und Bürger einen wissenschaftlichen Kontext erhalten und angemessen für die anschließende Weiterverwendung der Ideen aufbereitet werden.“

Johannes Vogel ist besonders gespannt darauf zu sehen, ob sich die Wissenschaft selbst im und durch das kommende Jahr verändert: „Ob wir das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Gesellschaft neu justieren können, hängt vor allem von der Bereitschaft aller Beteiligten ab, sich verändern zu wollen“, glaubt er. Dies brauche Zeit, Kraft und nicht zuletzt auch entsprechende Budgets. Vor allem aber die Bereitschaft, den Elfenbeinturm zu verlassen. Oder, wie Vogel es auf den Punkt bringt: „Wir müssen lernen, zuzuhören!“

  • Weitere Informationen zum IdeenLauf finden Sie hier
  • Weitere Informationen zum Science Panel finden Sie hier

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