Steckbrief Antje Hinz

Name: Antje Hinz
Alter: 52
Wohnort: Hamburg
Berufsfeld: Journalistin und Medienproduzentin

Wie beeinflusst die Wissenschaft Sie in Ihrem Alltag?

Wissenschaftliche Erkenntnisse sind Basis und Treibstoff für viele meiner Tätigkeitsfelder – als Journalistin und Medienproduzentin, Beraterin und Prozessbegleiterin. Am Anfang stehen immer Fragen. Für meine Recherchen nutze ich u. a. auch wissenschaftliche Untersuchungen. Zu meinem Fokusthema „Fragenkompetenz“, das ich u. a. in Vorträgen und Workshops vermittle, bin ich auf interessante Studienergebnisse gestoßen. US-amerikanische Bildungsforscher:innen haben z. B. nachgewiesen, dass Menschen in prekären Verhältnissen deutlich weniger Fragen stellen als jene mit einem sicheren, ausreichenden Einkommen. Auf der Basis dieser Erkenntnisse möchte ich Menschen beruflich und privat ermutigen, Fragen zu stellen, ihnen Kompetenzen über das Fragen und über die Wirkung ihrer Fragen vermitteln.

Wie lautet Ihre Frage für die Wissenschaft und wie ist sie entstanden?

„Mit welchen wissenschaftlichen Methoden lassen sich immaterielle Werte (Kunst, Kultur, Natur) volkswirtschaftlich beziffern? Wie kann man immaterielle Werte in Finanzplänen transparent darstellen, berücksichtigen?“ Welche Kosten spart der Staat im Gesundheitswesen, wenn Menschen aktiv im Chor singen, tanzen, Theater spielen, sich mit (Handwerks-)Kunst befassen, mit unserem lebendigen Kulturerbe, egal ob in Vereinen oder nicht-institutionell. Wie lässt sich das evidenzbasiert nachweisen? Hintergrund: In einer Untersuchung (Singende Krankenhäuser e.V.) wurde gezeigt, dass Singen im Chor resilient und glücklich macht. Laut European Health Forum Gastein (2013) erzeugen Angstkrankheiten in Europa jährliche Kosten von fast einer Billion Euro, es gibt 60.000 Suizide im Jahr, Alkoholismus und weitere Suchtkrankheiten erzeugen Kosten von 150 Milliarden Euro. Meine Frage soll einen Nachweis erbringen, in welchem Umfang eine aktive kreative Betätigung Kosten spart und zugleich präventiv gegen Depression, Süchte und Burnout wirkt.

Was motiviert Sie dazu, sich am Wissenschaftsjahr 2022 – Nachgefragt! zu beteiligen?

Ich beobachte, dass Wissen zunehmend zur Momentaufnahme wird, weil es exponentiell wächst und immer kürzer Bestand hat. Wichtiger wird hingegen, dass wir Lebens- und Zukunftskompetenzen erwerben, um den Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen und Lösungen für Probleme zu finden. Wir brauchen andere und neue Fähigkeiten, z. B. Begeisterung und Selbstwirksamkeit, Ko-Kreation und Imagination, Kreativität und Fragen-Kompetenz – Voraussetzung, um intrinsisch motiviert lebenslang zu lernen. Ich möchte Wissenschaft und Gesellschaft für den Wert kultureller und kreativer Aktivitäten sensibilisieren. Ich erhoffe mir einen evidenzbasierten Nachweis für meine Hypothese, dass Kreativität, Kunst und Kultur nicht nur „ornamental“, sondern strukturell wirksam und daher auch volkswirtschaftlich relevant sind.

Warum ist es Ihrer Meinung nach wichtig, Bürgerinnen und Bürger an der Wissenschaft zu beteiligen?

Wissenschaft ist heute auch von Drittmitteln abhängig, daher ist der Blick auf Themen zum Teil eingeschränkt. Bürger:innen können sich anderen Fragen widmen als institutionell gebundene Wissenschaftler:innen, auch in anderem Umfang. Intrinsisch motiviert eignen sich Bürger:innen erstaunliche Kenntnisse und Kompetenzen an, stellen Fragen mit einer anderen Perspektive auf die Welt, die einen enormen Wert für unsere Gesellschaft haben. Bei Citizen Science sollte es nicht nur um das gemeinsame Sammeln und Auswerten von Daten gehen. Die Potenziale sind weitaus größer, vor allem im Hinblick auf neue und andere Fragen von Bürger:innen. Daher sollte es zukünftig mehr Möglichkeiten geben, Bürger:innen-Fragen an die Wissenschaft heranzutragen. Ich erhoffe mir vom Wissenschaftsjahr 2022 dafür neue Impulse.

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