Gesundes Leben, Medizin, Pflege

An welchen Heilmethoden für Krebs wird geforscht und wird man die Krankheit heilen können?

30.05.2022
Kurz und knapp

Die Krebsmedizin macht derzeit fulminante Fortschritte. Zu Bestrahlung und Chemotherapie sind neue Behandlungsmöglichkeiten hinzugekommen. Komplett heilbar wird die Krankheit allerdings auch künftig nur in einigen Fällen sein. Bei etlichen Betroffenen könnte sie jedoch zumindest so kontrolliert werden, dass sie zu einer chronischen, aber nicht tödlichen Erkrankung wird.

Den Krebs bezwingen

Es ist einer der größten Wünsche der Menschheit an die Medizin: Sie soll den Krebs besiegen. Schließlich geht die Krankheit noch immer mit Todesschrecken und der Furcht vor einem jähen und qualvollen Lebensende einher.
Dabei sind einige wenige Krebserkrankungen schon heute de facto „heilbar“. Es kommt sehr darauf an, welche Krebserkrankung man hat. Einen weißen Hautkrebs etwa können Chirurgen und Chirurginnen operativ entfernen. Rechtzeitig erkannt sind damit die meisten Betroffenen dauerhaft geheilt. Sie brauchen nicht einmal eine Chemotherapie. Ähnlich verhält es sich beim Brustkrebs vom Typ Luminal A, einer der vier Brustkrebsformen, die Ärzte gegenwärtig unterscheiden. Sie können Brustkrebs vom Typ Luminal A in der Regel so gut behandeln, dass viele Frauen als geheilt gelten.
 

Die Krebsmedizin wird immer individueller

Luminal A? Nie gehört? Der Fall verweist auf einen der großen Trends in der Krebsmedizin: Keine Krebsgeschwulst gleicht zu hundert Prozent einer zweiten. Die Zellen und das Erbgut darin, das Krebsgenom, unterscheiden sich von Person zu Person. Deshalb kategorisieren Ärzte Krebserkrankungen mittlerweile immer genauer. Und sie behandeln den Tumor immer individueller.

Mit dieser Präzisionsmedizin sind die Überlebenschancen bei vielen Krebserkrankungen in den vergangenen Jahren gestiegen. Insgesamt haben rund vier Millionen Menschen hierzulande eine Krebserkrankung erfolgreich überstanden. Große Fortschritte wurden etwa bei Brust-, Lungenkrebs und Darmkrebs erzielt. „Wir gehen fest davon aus, dass die Überlebenschancen künftig weiter zunehmen“, sagt Thomas Seufferlein, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft.
 

Neue Therapien und Medikamente

Das liegt auch daran, dass die Krebsmedizin heute viel mehr Behandlungsmöglichkeiten umfasst. Zu den drei Klassikern Chemotherapie, Bestrahlung und Operation sind Immuntherapien und zielgerichtete Therapien hinzugekommen, die bei schweren Fällen herangezogen werden.

Grundlage der Immuntherapie ist, dass die Körperabwehr grundsätzlich dazu in der Lage ist, Krebszellen abzuräumen. Bei Krebskranken entziehen sich die Tumorzellen jedoch dieser Kontrolle, sie fliehen oder tarnen sich quasi. Neue Medikamente können dies jedoch verhindern. Dazu gehören beispielsweise die Immuncheckpointinhibitoren. Im menschlichen Immunsystem übernehmen Oberflächenstrukturen auf Immunzellen die Funktion so genannter Kontrollpunkte. Sie können die Körperabwehr dämpfen. Immuncheckpointinhibitoren können diese Kontrollpunkte blockieren und lösen so die Bremsen des Immunsystems.

Zielgerichtete Arzneien wirken indes gegen genau eine Mutation in den Tumorzellen. Es handelt sich um sogenannte „Treibermutationen“, die den Krebs zum Wachsen anstacheln. Mittlerweile gibt es über hundert unterschiedliche zielgerichtete Arzneien. Sie hemmen in der Regel gezielt ein bestimmtes Enzym, für das die Treibermutation verantwortlich ist.
 

Den Krebs mit Arzneien in Schach halten

Und doch wird man Krebs meist nicht im engen Wortsinn heilen können, stellt Seufferlein klar. Bestenfalls kann die Krankheit in vielen Fällen mit Medikamenten derart kontrolliert werden, dass sie lange Zeit nicht wiederkommt. Doch darin sei immerhin ein bedeutsamer Wandel absehbar: „Wir können einige Krebserkrankungen, die früher in kürzester Zeit zum Tod geführt haben, zu einer chronischen Erkrankung wie Diabetes machen. Die Betroffenen überleben viele Jahre lang. Das ist faszinierend“, urteilt Seufferlein. Krebs wird also chronisch statt tödlich.

Dass eine Heilung oft nicht möglich ist, liegt an einer Eigenart vieler Tumore. Sie bestehen aus tausenden verschiedenen Krebszellen, deren Erbgut voneinander abweicht und sich noch dazu ständig verändert. Jede Geschwulst ist quasi ein Mosaik. Sobald Ärzte den Krebs mit einer Arznei bekämpfen, schrumpft er mitunter. Aber es überleben jene Krebszellen, die gegen die Arznei widerstandsfähig sind. Sie vermehren sich, und die Erkrankung wird damit wehrhafter gegen die eingesetzten Medikamente. Sie kommt zurück. Eine Art Wettrüsten entsteht – die Mediziner ihrerseits reagieren, indem sie neue Arzneien geben, an die sich die Geschwulst noch nicht angepasst hat. Mit dieser Taktik gelingt es, den Krebs lange Zeit klein zu halten – auch wenn er meist nicht ganz verschwindet.

 

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