Gesundes Leben, Medizin, Pflege

Bekommen Tiere auch Alzheimer?

09.11.2022
Kurz und knapp

Wenn Hunde oder Katzen sich nicht mehr zurechtfinden, wenn sie verwirrt wirken, ins Leere starren und ihre Bezugspersonen nicht mehr erkennen, wenn Pferde scheinbar desorientiert auf der Weide oder vor der offenen Stalltür stehen, könnte es sein, dass sie an Demenz leiden. Die Diagnose ist allerdings nicht leicht zu stellen, auch weil die Erkrankung nicht leicht vom gewöhnlichen Alterungsprozess zu unterscheiden ist.

Hunde, Katzen, Pferde

Ja, auch Tiere können dement werden. Die Alzheimer-Erkrankung ist allerdings eine Form von Demenz unter anderen, die bei Menschen unterschieden werden. Bei Tieren ist das Krankheitsbild noch nicht so gut erforscht, weshalb man bei Tieren meist nur von seniler (also altersbedingter) Demenz oder vom Kognitiven Dysfunktionssyndrom (CDS) spricht. Wie bei Menschen handelt es sich dabei um eine fortschreitende degenerative Erkrankung des Gehirns, bei der sich Ablagerungen, sogenannte Plaques, bilden. Mit diesen können die Nervenzellen nicht mehr gut funktionieren und es kommt zu unterschiedlichen Einschränkungen in Fähigkeiten und Verhalten.

Demenz ist vor allem von Hunden und Katzen bekannt, weniger Berichte gibt es von Pferden. Alle diese Tiere erreichen in menschlicher Obhut oft ein hohes Alter und werden von ihren Halterinnen und Haltern aufmerksam beobachtet und tierärztlich untersucht. Wildtiere hingegen werden oft nicht alt genug, um Demenz zu entwickeln, Tierärzte bekommen sie nicht zu Gesicht und sie werden, wenn sie verwirrt oder desorientiert sind, schnell zur Beute anderer. Da sich ihre Gehirne in der Chemie nicht grundsätzlich von denen anderer Wirbeltiere unterscheiden, ist aber anzunehmen, dass bei ihnen grundsätzlich ähnliche (Alterungs-)Prozesse stattfinden können.

 

Schwierige Diagnose

Demenz äußert sich bei Hunden und Katzen darin, dass sie sich nicht mehr zurechtfinden, sie ins Leere starren, ihre Bezugspersonen nicht mehr erkennen oder bekannte Kommandos nicht mehr befolgen, dass sich ihr Schlaf-Wach-Rhythmus ändert, sie ständig anlasslos bellen oder miauen, penetrant betteln, aggressiv werden oder ihre Stubenreinheit vergessen.

Die Diagnose ist allerdings nicht leicht zu stellen. Zum einen können sie ja nicht sprechen und über ihren Zustand berichten. Zum anderen kann das veränderte Verhalten auch andere Ursachen haben. Demenz bei Tieren wird daher mit einer sogenannten Ausschlussdiagnose festgestellt: Erst wenn ausgeschlossen werden kann, dass zum Beispiel Taubheit, Schmerzen, Nieren- oder Herzprobleme die Probleme verursachen, wird Demenz angenommen. Ein bis zwei Drittel aller Hunde über zehn Jahren und etwa 70 Prozent aller Hunde über 15 Jahren sollen von Demenz betroffen sein, bei Katzen über zehn Jahren 36 Prozent. Die Krankheit ist also nicht selten.

 

Leider nicht heilbar

Heilbar ist Demenz bei Tieren ebenso wenig wie bei Menschen. Es gibt aber Medikamente, die Symptome mildern können, Nahrungsergänzungsmittel und Empfehlungen, wie man mit betroffenen Tieren umgehen sollte: Viel Ruhe, Routinen und altersgerechte Beschäftigung gehören dazu. Zur Vorbeugung wird empfohlen, Tiere mit Spielen, Aufgaben und immer neuen Spazierwegen kognitiv auszulasten. 

Der Tierarzt Ralf Michling erklärt hier das Kognitive Dysfunktionssyndrom. 
 

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