Innovation, Technik, Arbeit

Können Insekten das Essen der
Zukunft sein?

26.10.2022
Kurz und knapp

Vögel fressen Insekten, Frösche tun es und Spinnen. Warum sollten nicht auch Menschen Geschmack daran finden? Tatsächlich gehören Insekten schon in vielen Regionen weltweit ganz selbstverständlich auf den Teller. In Europa wurden sie bislang zwar meist verschmäht, doch im Februar 2022 hat die EU-Kommission bereits das dritte Insekt als Lebensmittel offiziell zugelassen. Es spricht nichts dagegen, mehr Mehlwürmer, Heuschrecken und Käfer zu essen. Im Gegenteil.

Lecker, frittierte Würmer und Grillen

In vielen Gebieten Afrikas, Asiens, Südamerikas und Australiens kommen Raupen, Ameisen, Grillen, Wanzen und andere Krabbeltiere seit jeher auf den Teller – sei es frittiert oder gekocht. Entomophagie ist der wissenschaftliche Name für den Verzehr von Insekten durch Menschen. In Europa erzeugt der Gedanke daran meist Unbehagen, obwohl bereits einige Insekten in der Lebensmittelherstellung eine Rolle spielen, etwa die Honigbiene oder die Scharlach-Schildlaus (Coccus cacti) bei der Extraktion des Farbstoffs Echtes Karmin (E 120). Und das ist noch nicht alles: Die EU-Kommission hat bereits drei Insektenarten als Lebensmittel zugelassen: Den gelben Mehlwurm, die europäische Wanderheuschrecke und die Hausgrille. Doch warum sollen wir überhaupt Mehlwürmer essen? Die Welternährungsorganisation (FAO) hat viele Argumente zusammengetragen.

 

Insekten zu essen ist gesund und umweltfreundlich

Sie sind reich an wertvollem Protein, liefern Ballast- und Mikronährstoffe, beispielsweise Kupfer, Eisen, Magnesium, Mangan, Phosphor, Selen und Zink. Zudem ist das Risiko gering, dass Krankheitserreger von Insekten auf Menschen übergehen, wie beispielsweise Vogelgrippe oder BSE. Es wäre durchaus möglich, einen größeren Anteil unseres Konsums von Fleisch und Milchprodukten durch Insekten zu ersetzen.

Das würde auch der Umwelt schmecken. So beansprucht unser Konsum von Lebensmitteln wie Fleisch, Eiern, Milch und Milchprodukten laut der Umweltschutzorganisation WWF allein 75 Prozent des Flächenbedarfs in der Landwirtschaft, insbesondere weil Weideland nötig ist. Insekten hingegen können artgerecht von Biomüll ernährt werden. Das spart Fläche, die womöglich für den Naturschutz frei wird. Obendrein haben wir wohl bald gar keine andere Wahl als flächensparend Protein zu produzieren. Die Weltbevölkerung nimmt zu, doch wir können nicht noch mehr Land zur Gewinnung von Lebensmitteln nutzen. Viele Fachleute setzen sich schon länger für den Verzehr von Proteinalternativen ein. Das müssen aber nicht Insekten sein. Hülsenfrüchte oder Algen sind ebenso gesunde und umweltfreundliche Eiweißquellen.

 

Kulturelle Barriere überwinden

Die Insektenzucht benötigt nicht nur weniger Fläche, sondern auch viel weniger Futtermittel. Aus zwei Kilogramm Nahrung lässt sich ein Kilogramm Insekten herstellen. Bei Rind ist das Verhältnis acht zu eins. Außerdem kommen Insekten auch mit weniger Wasser klar. Es gibt also genügend Gründe, Grillen und Mehlwürmer auf unseren Speiseplan zu setzen. Gibt es schon Anzeichen dafür, dass es bald dazu kommt? Umfragen zeigen, dass immerhin rund 20 Prozent der Deutschen Insekten essen würden. Die Fachleute von der FAO schätzen, dass es bald mehr werden könnten, weil sich Ernährungsgewohnheiten mitunter schnell ändern. So haben wir uns zum Beispiel auch längst an rohen Fisch gewöhnt, wenn wir ihn in Sushi essen. Außerdem kennt die Lebensmittelindustrie einen guten Trick, um Menschen an neue Nahrungsmittel heranzuführen: Es gilt, sie als Zutat für etablierte Produkte zu gebrauchen, zum Beispiel in spezieller Pasta oder in Müsliriegeln. Diese Produkte gibt es schon heute, sie tragen dazu bei, die kulturelle Barriere zu überwinden. 

Der WWF erklärt anschaulich, warum es sich lohnt, auf andere Proteinquellen wie Insekten umzusteigen. 

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