Umwelt, Klima, Erde, Universum

Warum erscheint der Mond
manchmal größer und manchmal kleiner?

08.04.2022
Kurz und knapp

Die sogenannte Mondtäuschung ist eine optische Illusion der Extraklasse. Denn eine rundum befriedigende Erklärung dafür, warum uns der Erdtrabant manchmal so riesig erscheint, hat die Forschung immer noch nicht gefunden. Eine Annäherung über Nähe und Entfernung sind das „Emmertsche Gesetz“ und die „Ponzo-Illusion“.

Rätsel „Mondtäuschung“

„Mondtäuschung“ nennt sich dieses Phänomen, es ist altbekannt und noch immer rätselhaft. Denn die eine allgemeingültige Erklärung gibt es bis heute nicht. Die Mondtäuschung tritt auf, wenn sich der Mond in der Nähe des Horizonts befindet und besonders groß zu sein scheint – obwohl wir doch wissen, dass der Mond von uns aus gesehen immer nahezu gleich groß ist, egal, ob er direkt über uns steht oder am Horizont. Die reale Größenänderung, die sich dadurch ergibt, dass die Mondbahn nicht exakt kreisrund ist, wodurch der Trabant der Erde manchmal ein kleines bisschen näher kommt, ist zu klein, als dass wir sie wahrnehmen könnten.

Bekannte optische Täuschung

Vor gut 2000 Jahren vermutete der griechische Astronom Claudius Ptolemäus einen Lupeneffekt der Atmosphäre. Damit lag er falsch. Die gängigste Erklärung der Mondtäuschung beruht vielmehr auf der „Ponzo-Illusion“, benannt nach dem italienischen Psychologen Mario Ponzo, der sie 1928 als Erster formulierte. Sie wird gerne illustriert mit zwei gleich langen horizontalen Linien. Legt man darunter zwei Linien, die wie Bahnschienen in der Ferne zusammenlaufen, so scheint die weiter hinten liegende der waagerechten Linien länger zu sein. Eine optische Täuschung, die darauf beruht, dass unser Gehirn die Größe eines Objekts anhand des Hintergrunds beurteilt. Weil es annimmt, dass sich die zweite Linie deutlich weiter hinten befindet, interpretiert es sie als länger.

Hintergrund beeinflusst Wahrnehmung

Dem liegt das „Emmertsche Gesetz“ zugrunde, laut dem sich die Wahrnehmung der Größe eines Gegenstandes zusammensetzt aus der Größe des Abbildes auf der Netzhaut und dem Wissen um die Entfernung dieses Gegenstandes vom Auge. Ein weiter entfernter Gegenstand erzeugt ein kleineres Abbild auf der Netzhaut, als wenn er uns näher wäre. Er wird aber dennoch als gleich groß wahrgenommen, weil das Gehirn die Entfernungsinformation unbewusst mitverarbeitet.

Der Mond ist allerdings rund 400.000 Kilometer von der Erde entfernt – eine Distanz, die für uns so abstrakt ist, dass Gehirn und Auge damit nichts anzufangen wissen und umso intensiver nach Referenzgrößen suchen. Unseren Eindruck von der Größe des Mondes beeinflussen darum Objekte im Blickfeld, wie Bäume, Häuser, Straßenlaternen, Telegrafenmasten oder andere Landschaftsmerkmale.

Der Haken an dieser Erklärung: Die Mondtäuschung spielt uns auch am Meer, in der Wüste oder im Flugzeug diesen Streich, obwohl der Horizont frei von Hintergrundobjekten ist. Hier könnte das Prinzip der überschätzten Entfernung eine erweiternde Erklärung bieten: Möglicherweise liefert uns in diesen Fällen gerade der sehr weite, unverstellte Blick sehr viel perspektivische Tiefeninformation, und wir schätzen die Entfernung sehr viel weiter ein als beim Blick auf einen Mond, der über uns im Zenit steht. Also ergeht wieder das Signal ans Gehirn: Das Ding muss wahnsinnig groß sein!

Fest steht immer nur: Fotografiert man den Riesenmond, so schrumpft er auf dem Foto auf „Normalgröße“ zusammen.

Weitere Informationen: 

Der österreichische Astronom Florian Freistetter informiert hier  leicht verständlich mit noch weiteren Ansätzen. Er zeigt auch eine Grafik der Ponzo-Illusion.