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Warum lassen sich manche Tiere domestizieren und andere nicht?

13.05.2022
Kurz und knapp

Der Mensch hat nur solche Tiere zu Nutz- und Haustieren gemacht, die ihm einen praktischen Nutzen bringen. Zudem darf das Tier von seiner Art her nicht leicht in Panik verfallen, es sollte leicht zu ernähren sein, früh geschlechtsreif werden und am besten auch eine Hierarchie akzeptieren. Auch nicht domestizierbare Tiere lassen sich im Einzelfall zähmen solange sie nicht zu unkontrollierbarer Aggressivität neigen.

Domestizieren – warum?

Domestizieren bedeutet, dass der Mensch durch Züchtung das Erbgut einer Tierart so verändert, dass diese bestimmte Eigenschaften entwickelt, die in der Wildform nicht vorhanden  und die nützlich für den Menschen sind. Von daher kommen nur Tierarten mit bestimmten Eigenschaften überhaupt für die Domestizierung in Frage. Neben den praktischen Vorteilen, die die Tiere dem Menschen bringen – etwa, dass sie Milch geben oder Haus und Hof bewachen – darf das Tier von seiner Art her nicht leicht in Panik verfallen, es sollte leicht zu ernähren sein, früh geschlechtsreif werden und am besten auch eine Hierarchie akzeptieren.

Gepard und Elch: Keine Kandidaten

Manche Tiere, die aus reinen Nützlichkeitserwägungen her auf den ersten Blick für die Domestizierung geeignet erscheinen könnten, fallen somit durchs Raster. Einen Gepard zum Beispiel könnte man gut für die Jagd einsetzen. Aber er lässt sich nicht in Gruppen halten, weil er als Einzelgänger in Gegenwart seiner Artgenossen aggressiv wird und sich schlecht fortpflanzt. Schlechte Eigenschaften als Nutztier.

Ein weiteres Beispiel: der Elch. Elche sind, wie Kühe, Wiederkäuer, geben Milch und liefern essbares Fleisch. Das Problem: Ein Elch wird in der Brunftzeit aggressiv und greift andere Tiere und auch Menschen an. Darüber hinaus gibt es ein Futterproblem. Elche fressen Laub – 20 bis 25 Kilogramm frische Blätter pro Tag. Für einen Bauern wäre es vergleichsweise schwierig und aufwändig, diese Mengen an Laub regelmäßig bereitzustellen.

Zähmung: Die Ausnahme im Einzelfall

Tiere, die nicht domestizierbar sind, lassen sich dennoch zähmen. Zähmen bedeutet, dass man ein einzelnes Tier an den Menschen gewöhnt und es dahin bringt, dass es keine Angst mehr vor dem Menschen hat und sich vielleicht sogar kooperationswillig zeigt.

Die meisten Tiere, die (anders als etwas Quallen oder Insekten) über eine ausreichende Gehirnkapazität verfügen und in der Lage sind, zu lernen, sind zähmbar. Eine Ausnahme davon sind Reptilien. Trotz jahrelanger Gewöhnung an den Menschen passiert es immer wieder, dass diese einen Menschen plötzlich angreifen.

Unter den Säugetieren gelten Zebras als schwer zähmbar. Interessant ist dieser Fall, weil sie dem Augenschein nach sehr stark dem Pferd und dem Esel gleichen, die bereits seit Tausenden von Jahren ein Begleiter des Menschen sind. Der Grund, weshalb Zebras kaum vollständig zu zähmen sind und auch nie domestiziert wurden, sind die Charaktereigenschaften des Zebras, die sich evolutionär herausgebildet haben. Während der Ursprung unseres heutigen Pferdes in den Steppen der heutigen Ukraine, Südrusslands und Kasachstans liegt, hat sich das Zebra auf dem afrikanischen Kontinent entwickelt. Anders als das Pferd musste das Zebra lernen, sich gegen Löwen, Hyänen und Geparden zur Wehr zu setzen – mit einem ausgeprägten Fluchtinstinkt und Bissen und Tritten, die einer Großkatze das Genick brechen können. Bis heute ist es Menschen sehr selten gelungen, ein Zebra zu einem Reittier zu machen. In Zoos sorgen Aggressionen von Zebras gegenüber anderen Tieren immer wieder für Schlagzeilen.

Um den Bogen komplett zu machen: Es gibt auch Tiere, die zwar als Art domestiziert worden sind, ohne aber die Verhaltenseigenschaften haben, die im Einzelfall gezähmte Tiere aufweisen. Nerze zum Beispiel, die für ihren Pelz gezüchtet werden, müssen überhaupt nicht zahm sein, damit sie den (mehr als fragwürdigen) Zweck erfüllen, der ihnen zugedacht wird.

Einen guten Überblick zum Thema Zähmung und Domestizierung am Beispiel des Zebras bietet ein Artikel aus dem australischen Wissenschaftsmagazin The Conversation: Hall, C. (2016), „Why zebra refused to be saddled with domesticity”. The Conversation. Diesen finden Sie hier.

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