Gesundes Leben, Medizin, Pflege

Warum leben Frauen länger als Männer?

09.06.2022
Kurz und knapp

Es ist im wahrsten Sinne des Wortes eine „Frage Deiner Zeit“: Was die Lebenserwartung angeht, haben Frauen Männern gegenüber diverse Vorteile – biologische und in ihrem Verhalten begründete. Das zweite X-Chromosom schützt Frauen vor Erbleiden und anderen Gesundheitsproblemen. Das weibliche Immunsystem ist außerdem wehrhafter gegenüber etlichen Keimen. Und überdies bauen Frauen einfach weniger Unfälle. 

Der Mann: Von Geburt an gefährdet

Männer sterben weltweit früher. Die Frauen überleben ihre Partner im Schnitt um drei bis sieben Jahre. Hierzulande werden Männer im Schnitt nur 78 Jahre alt. Frauen indes feiern typischerweise noch ihren 83 Geburtstag. Schon bei Geburt sind Söhne, besonders, wenn sie vorzeitig zur Welt kommen, gefährdeter.

Woran liegt es, dass Männer früher sterben? Dafür gibt es sowohl biologische als auch verhaltensbedingte Gründe.

Zwei X-Chromosomen sind besser als eins

Frauen haben zwei X-Chromosomen in ihren Körperzellen vorliegen, wohingegen Männer nur über ein X-Chromosom verfügen. Dies ist von Nachteil. Denn die beiden X-Chromosomen einer Frau sind keineswegs identische Kopien voneinander, sondern jeweils eine erbliche Mitgift von Mutter und Vater für identische Funktionen. Es ist ein bisschen so, also habe man zwei Stifte unterschiedlicher Farbe und Dicke zum Schreiben. Mit zwei Schreibutensilien schreibt Frau dann flexibler als Mann mit nur einem Stift, sprich: X-Chromosom. Wenn sich die Zellen des weiblichen Körpers teilen, wird oft das tauglichere der beiden X-Chromosomen herangezogen.

Dass es vom X-Chromosom eine zweite Variante gibt, einen Plan B, ist auch der Grund, weshalb monogenetische Erkrankungen, die auf dem X-Chromosom angesiedelt sind, seltener über die mütterliche Linie weitergegeben werden als über die väterliche. Ein Mann habe bei der Zellteilung keine andere Wahl, als auf das einzige ihm mitgegebene X-Chromosom zurückzugreifen, bestätigt Genetikerin Melissa Wilson von der Arizona State University in Tempe.

Das weibliche Immunsystem ist wehrhafter

Frauen haben aber auch ein wendigeres und effektiveres Immunsystem. Die vitalere Körperabwehr sorgt für weniger Krebserkrankungen und für eine größere Wehrhaftigkeit der Frauen gegenüber vielen – jedoch nicht allen – Krankheitserregern.

Magengeschwüre, hervorgerufen durch den Keim helicobacter pylori, ereilen Männer vier Mal häufiger. Auch der Krankenhauskeim Staphylococcus aureus macht sie deutlich öfter krank, genauso die Syphilis und die Tuberkulose, nicht zuletzt auch Coronaviren.

Männer bauen mehr Unfälle

Doch Männer leben auch ungesünder als Frauen. Sie rauchen häufiger, trinken mehr Alkohol, essen unausgewogener und ergreifen eher riskante Berufe und Hobbys. Auch diese Vorlieben verkürzen ihr Leben. Schon jugendliche Männer fallen mit dem Eintritt in die Pubertät dadurch auf, dass sie mehr Unfälle verursachen: Demografinnen und Demografen sprechen vom sogenannten „Accident Hump“, frei übersetzt eine „Unfallhäufung“.

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