Kultur, Wissen, Bildung

Warum lieben Kinder es, die immer gleichen Geschichten zu hören?

30.09.2022
Kurz und knapp

Es kann fürchterlich nerven, immer wieder dieselbe Geschichte vorlesen zu müssen. Die kindliche Begeisterung darüber wirkt uns fremd. Doch Wiederholungen helfen beim Lernen, sie geben Sicherheit und sind Erholung fürs Gehirn. Übrigens nicht nur bei Kindern. Routinen und Rituale stärken soziale Bindungen, fördern das Lernen und vermitteln Sicherheit.

Wiederholungen fördern das Lernen

„Nochmal, nochmal!“ – Für Erwachsene ist es manchmal nicht leicht zu ertragen, wenn sie dieselbe Geschichte wieder und wieder vorlesen sollen. Zumal diese in der Regel recht anspruchslos ist. Doch kleine Kinder lieben Wiederholungen nun mal über alles. Und das muss so sein.

Die Hirnforschung weiß schon lange, dass erst durch wiederholtes Aktivieren stabile Nervenverbindungen im Gehirn entstehen, genau so funktioniert Vokabeln-Lernen. Aber auch der kindliche Wortschatz baut sich nur über Wiederholungen auf.

 

Routinen vermitteln Sicherheit

Natürlich soll das Vokabular langfristig über eine Handvoll Lieblingsbücher hinausgehen. Doch das Wiederholen der immer gleichen Geschichte hat tatsächlich noch viele weitere Funktionen. Solche Routinen geben dem Kind ein Gefühl von Sicherheit. Es kann eine Situation beherrschen, ja sogar antizipieren, wie die Geschichte weitergeht. Täglich prasseln so viele Sinneseindrücke auf Kinder ein, dass sie Schwierigkeiten haben, auch nur einen Teil davon sinnvoll zu verarbeiten. (Und mal ganz ehrlich: Uns Erwachsenen geht es ganz ähnlich.) Die immergleiche Geschichte ist für den kindlichen Kopf dagegen die pure Erholung und gibt ihm Sicherheit. Dinge zu wiederholen, die Spaß machen, hat erheblich zum nachhaltigen Erfolg bei der Ausbreitung der Spezies Mensch auf der Erde beigetragen.

 

Soziale Bindungen werden gefestigt

Routinen und Rituale entlasten jeden einzelnen Menschen darin, durch den Tag zu kommen. Sie geben ihm Sicherheit, egal in welchem Alter. Und sie festigen soziale Bindungen, das Familienleben. „Für die Qualität des Familienlebens sind vorhersehbare Abläufe und Rituale wichtig“, heißt es nicht zuletzt im Familienbericht der Bundesregierung. Sie sorgen für Geborgenheit. Und nur so lässt sich der ungebrochene Erfolg des TV-Silvesterklassikers „Dinner for One“ erklären. Eine vorhersehbare, anspruchslose Geschichte, die die meisten Zuschauenden längst mitsprechen können. Und doch schauen wir sie immer wieder gern und amüsieren uns. Auch Erwachsene können sich dem Phänomen also nicht ganz entziehen.

Hier lesen Sie einen Text des Kolumnisten Harald Martenstein in „Geo“ über den Sinn des Immergleichen und die Wichtigkeit von Ritualen. 

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