Gesundes Leben, Medizin, Pflege

Warum nimmt man von zuckrigen Lebensmitteln zu?

07.01.2022
Kurz und knapp

„Du bist ja Zucker“ sagen wir, wenn wir jemanden besonders süß finden. Wenn wir dagegen im Regen stehen und unsere Unempfindlichkeit zur Schau stellen wollen, dann „sind wir nicht aus Zucker“, denn der würde sich schnell in nichts auflösen. Zucker steht für Süße und Genuss, aber auch für schnell verpuffte Energie und leere Kalorien, denn hoher Zuckerkonsum fördert Krankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck. Doch nimmt man wirklich zu von zuckrigen Lebensmitteln?

Die Dosis macht das Gift

Die Frage, ob man von zuckrigen Lebensmitteln zunimmt, stellen sich die meisten Menschen im Januar sicher nicht gerne – die Zeit der Weihnachtsplätzchen und des Glühweins haben wir schließlich gerade erst hinter uns gelassen. Die gute Nachricht: Es ist nicht der Zucker selbst, von dem man zunimmt. Was zählt, ist ein Überschuss an Kalorien und den kann man ebenso gut der Weihnachtsgans in die Schuhe schieben wie dem Keksteller. Das Maß ist wie immer entscheidend. Und das ist die schlechte Nachricht: Wir konsumieren deutlich zu viel Zucker.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, nicht mehr als 10 % der täglichen Energiezufuhr durch Zucker abzudecken, das entspricht ca. 18 kg im Jahr – mit durchschnittlich 35 kg pro Kopf im Jahr nehmen wir Deutschen aber fast doppelt so viel Zucker zu uns. Aus der Rechnung ausgenommen ist der Zucker, der sich natürlicherweise in Obst, Gemüse oder Milch befindet. Künstlich zugesetzter Zucker versteckt sich allerdings nicht nur in Süßigkeiten und Limonaden, sondern auch in vermeintlich gesünderen Lebensmitteln wie Frühstücksflocken oder sauren Gurken.

Schnelle Energie für den Körper

Wer sich mit Zucker und seinen Auswirkungen auf den Körper auseinandersetzt, stellt bald fest: Zucker ist nicht gleich Zucker. Fruchtzucker (Fruktose), Milchzucker (Laktose) und Traubenzucker (Glukose) sind verschiedene Zuckerarten, dazu kommen Stärke (beispielsweise in Kartoffeln) und der handelsübliche Haushaltszucker (Saccharose), der zu gleichen Teilen aus Glukose und Fruktose besteht. Wenn wir Zucker zu uns nehmen, spaltet der Körper ihn in diese beiden Einfachzucker auf. Sie gehen vom Darm direkt in den Blutkreislauf über – der Blutzucker steigt. Das daraufhin ausgeschüttete Insulin hilft, die Glukose in verschiedene Zellen zu schicken, während die Fruktose von der Leber abgebaut wird.

Zucker ist ein wichtiger Energielieferant. Das Gehirn allein verbrennt bis zu 14 Teelöffel Glukose am Tag. Da es für den Körper länger dauert, sich diese aus Lebensmitteln wie Kartoffeln oder Brot selbst herzustellen, greifen wir gerne auf Traubenzucker und Co als schnelle Energiequellen zurück. Dass Zucker süchtig macht, konnte bisher jedoch nicht nachgewiesen werden. Allerdings aktiviert er das Belohnungszentrum unseres Gehirns. Wenn wir regelmäßig viel Zucker konsumieren, kann ein Gewöhnungseffekt eintreten: Wir brauchen mehr Zucker, um das Glücksgefühl zu erzeugen.

Vom „süßen Gold“ zum Industrieprodukt

Seit wann essen wir eigentlich so viel Zucker? Bis ins frühe 19. Jahrhundert war Zucker ein Luxusgut. Die Produktion aus Zuckerrohr war arbeitsintensiv und von besonderen klimatischen Bedingungen abhängig. Christoph Kolumbus brachte das Zuckerrohr zwischen 1493 und 1496 in die Karibik und setzte damit den transatlantischen Handel von Sklavinnen und Sklaven in Gang. Die Nachfrage aus Europa war groß und der unter unwürdigen Bedingungen billig produzierte Zucker verdrängte den Honig als Süßungsmittel.

Erst sehr viel später begann die europäische Zuckerproduktion: Ein deutscher Chemiker züchtete um 1800 die Zuckerrübe, kurz darauf entstand die erste Zuckerfabrik – Zucker wurde zum Industrieprodukt. Heute wird etwa 24 % des Zuckers auf der Welt aus Rüben hergestellt, der Rest aus Zuckerrohr. Die Deutschen essen übrigens nicht nur gerne Zucker, sie verbreiten ihn auch: Mit Ausnahme von Schokolade ist Deutschland der größte Exporteur von Süßigkeiten weltweit.

Inspirierende Fragen

1 Artikel  ·  Gesundes Leben, Medizin, Pflege
10.04.2022

Ab sofort nichts mehr ver­pas­sen

Der Newsletter – ab sofort nichts mehr verpassen

Abonnieren Sie den Newsletter des Wissenschaftsjahres 2022 – Nachgefragt! und bleiben Sie auf dem Laufenden zu Themen, Veranstaltungen und Aktionen.