Gesundes Leben, Medizin, Pflege

Warum träumen wir?

23.09.2022
Kurz und knapp

Träume können schön sein, erschreckend oder einfach wirr, sie können uns nach dem Erwachen verfolgen oder gleich im Nebel des Vergessens versinken. Lange dachten Forschende, dass wir vor allem während der Schlaf-Phasen träumen, in denen sich die Augen schnell bewegen. „Rapid-Eye-Movement“-, kurz „REM-Phasen“ nennt man diese Abschnitte, in denen das Gehirn fast so aktiv ist wie im Wachzustand. Inzwischen geht man davon aus, dass wir auch in den anderen Schlafphasen träumen, nur weniger lebhaft.

Träume: viel Gefühl und wenig Verstand

Warum wir träumen, dazu gibt es verschiedene Theorien, aber endgültig beantwortet ist die Frage nicht. Es ist noch nicht einmal klar, ob das Träumen überhaupt eine Funktion hat oder nur eine Art Nebenprodukt der Architektur des Gehirns ist und der Tatsache, dass wir schlafen müssen.

Diese Unklarheit rührt auch daher, dass das Träumen nicht leicht zu erforschen ist. Um zu wissen, was Menschen träumen, müssen Forschende sie zum Beispiel in einer Traumphase aufwecken, was aber die Funktion des Traums vermutlich stört. Außerdem träumen Menschen etwa in einem Schlaflabor anders als in vertrauter Umgebung. Und da wir im Schlaf praktisch immer träumen, ist es auch nicht einfach, die Funktion von Träumen von der Funktion des Schlafs zu unterscheiden.

Bekannt ist, dass die Bereiche des Gehirns, die für das emotionale Erleben besonders wichtig sind, etwa die Amygdala, im REM-Schlaf sogar aktiver sind, als im Wachzustand. Der für das rationale Denken zuständige präfrontale Kortex ist hingegen weniger aktiv. Dies könnte ein Grund für die oft emotionale und wirre Natur von Träumen sein. Glücklicherweise sorgt das Gehirn dafür, dass beim Träumen die Muskeln nicht angesteuert werden, wir also im Bett liegen bleiben, auch wenn wir im Traum schwer aktiv sind.

 

Es geht um die Erlebnisse des Tages

Irgendwie haben Träume mit dem zu tun, was wir im Wachen erleben. Forscherinnen und Forscher konnten zeigen, dass etwa Filme, die man am Abend sieht, Spiele, die man spielt, oder Ängste vor bevorstehenden Ereignissen sich häufig im Traum niederschlagen. Sie vermuten daher, dass Träume dazu beitragen, die Erfahrungen des Tages im Schlaf zu sortieren, schon Bekanntes mit neuen Eindrücken zusammenzubringen und dann im Gedächtnis abzuspeichern.

Die sogenannte Simulationstheorie des Traums geht darüber hinaus und besagt, dass wir beim Träumen Fähigkeiten trainieren, die wir im Wachen brauchen, und uns dabei auf Situation vorbereiten, die uns zustoßen könnten.

Eine andere Theorie stellt die Auseinandersetzung mit emotional belastenden Erlebnissen in den Mittelpunkt.

Und wieder eine andere besagt, dass das scheinbar wilde und sinnlose Durchmischen von Bildern und Gedanken im Traum eingefahrene Denkweisen und Bilderwelten aufbricht. So könnten Träume dazu beitragen, dass wir kreativer werden und neue Gedanken oder neue Kombinationen von bekannten Gedanken leichter finden. Dazu passen Anekdoten von Wissenschaftlerinnen und Künstlern, die berichten, besondere Einfälle im Schlaf gehabt zu haben.

Vielleicht tragen Träume durch solches Herumprobieren sogar dazu bei, dass das Gehirn sein Modell von der Welt immer wieder vereinfacht und verbessert. Diese Theorie ist sogar in der Künstliche-Intelligenz-Forschung angekommen. Hier experimentieren Forschende mit träumenden Algorithmen, um zu verhindern, dass diese die Daten, die sie im „Wachzustand“ bekommen, einfach auswendig lernen, anstatt Strukturen in ihnen zu suchen.

 

Emotionen ja, Triebe eher nicht

Die von Sigmund Freud formulierte Annahme, das Unterbewusste bringe im Traum unterdrückte Wünsche oder Triebe zum Ausdruck, wird heute kritisch gesehen. Eher gehen Forschende davon aus, dass man anhand der Emotionen, die mit Träumen einhergehen, etwas darüber lernen kann, wie es einem selbst gerade geht und was einen belastet.

Zu der Frage, wie man aus erinnerten Träumen Nutzen für sein Leben ziehen kann, gibt es eine umfangreiche Ratgeberliteratur, die aber wissenschaftlich meist nicht auf stabilen Füßen stehen.

Die meisten Traum-Theorien besagen also, dass es gut und sinnvoll ist, zu träumen, und dass dies hilft, mit den Erlebnissen des Tages zurechtzukommen. Alpträume als Reaktionen auf extreme Erlebnisse freilich können sehr belastend sein. Doch es gibt wirksame Therapien, um dem entgegenzuwirken.

Mehr über Träume finden Sie im Spektrum Lexikon der Psychologie. 

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