Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Sicherheit

Wie entstehen Vorurteile und wann werden sie gefährlich für unsere Gesellschaft?

08.11.2022
Kurz und knapp

Wir brauchen Vorurteile für schnelle Entscheidungen. Wann immer wir keine Möglichkeit haben, Informationen einzuholen und zu bewerten, greifen wir automatisch auf gespeicherte Einstellungen und Erfahrungen zurück. Gefährlich wird es, wenn daraus negative Vorurteile entstehen und wir diese niemals einem Faktencheck unterziehen. Die Frage wurde im Rahmen von „Die Fragenwette“ von unseren Wettpatinnen Victoria Lauer und Johanna Kürwitz von @jugendundpolitisch gestellt.

Die zwei Seiten von Vorurteilen

„Es ist leichter, ein Atom zu spalten, als ein Vorurteil zu zerstören.“ Dieser Satz wird häufig Albert Einstein zugeschrieben, der ihn aber nie gesagt hat. Schade, denn er passt so perfekt zu dem großen Physiker und Entwickler der Relativitätstheorie. Zu den Bildern, die jeder von uns von ihm im Kopf hat. Zu unseren Vorurteilen über Albert Einstein. Vorurteile sind nicht generell etwas Schlechtes, im Gegenteil: Sie erleichtern uns das Leben. Müssten wir uns zu jeder unserer Entscheidungen erst Informationen besorgen, sie durchdenken und abwägen, könnten wir unseren Alltag nicht bewältigen.

 

Wann Vorurteile gefährlich werden

Vor-Urteile speisen sich aus Erfahrungen und Einstellungen von uns selbst und anderen, die wir abrufen und wie Schablonen auf neue Situationen drauflegen. Sie geben uns ein Gerüst, wo die Zeit nicht reicht, fundiert zu urteilen. Mal passen diese Schablonen, manchmal aber auch nicht. Und dann kann es gefährlich werden, denn diese vorschnellen Urteile beeinflussen unser Verhalten anderen gegenüber. Niemals hinterfragt, können Vorurteile zu negativen oder sogar feindseligen Einstellungen gegenüber Mitgliedern einer bestimmten Gruppe führen – nur weil sie dieser Gruppe angehören. In großem Maßstab verbreitet, über klassische oder die sogenannten sozialen Medien, kann das eine Gesellschaft negativ beeinflussen, zu Diskriminierungen und zu Extremsituationen führen.

 

Das beste Mittel gegen Vorurteile

Die Nationalsozialisten waren beispielsweise perfekt darin, Vorurteile etwa gegenüber jüdischen Mitbürgern zu schüren, Hass zu säen und für die eigenen Zwecke zu nutzen. Heute beobachten wir, dass die Vorurteile gegenüber Geflüchteten und Migranten gerade unter den Menschen besonders verbreitet sind, die kaum oder keinen Kontakt zu diesen Gruppen haben.

Darum ist es wichtig, sich immer bewusst zu sein, dass niemand frei ist von Vorurteilen und offen dafür zu sein, diese zu hinterfragen und auch mal zu revidieren. Das beste Mittel gegen Vorurteile ist Wissen, sind Fakten.

 

Einen hörenswerten Podcast zum Thema Stereotype und Vorurteile mit Juliane Degner, Professorin für Sozialpsychologie, hat die Universität Hamburg hier ins Netz gestellt. 

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