Umwelt, Klima, Erde, Universum

Wie klingt das Universum?

24.05.2022
Kurz und knapp

Technische Tricks machen Geräusche hörbar, die für unsere Ohren zu tief sind. Dadurch wissen wir: Das Weltall brummt, summt – und kreischt sogar. Und dann ist da noch dieses „stabile Rauschen“, ein Überbleibsel des Urknalls.

Nichts ist leerer als das All

Nicht einmal seinen eigenen Schrei könnte ein Mensch im Weltall hören. Das liegt daran, dass die Teilchendichte so gering ist, dass sich der Schall nicht in Wellen durch den Raum übertragen kann, wie wir das auf der Erde kennen. Er trifft schlicht auf keine Teilchen, die in Schwingungen versetzt werden könnten, er geht buchstäblich ins Leere. Denn physikalisch gesehen handelt es sich bei Schall um Druck-Dichte-Schwankungen. Doch wo nichts ist, kann auch nichts schwanken, und „es gibt nichts, das leerer ist als das Universum“, sagt der Astrophysiker Harald Lesch (u.a. „Terra X“). In einem Kubikmeter des Weltalls befindet sich statistisch gesehen gerade mal ein Materieteilchen. Betrachtet man nur die vergleichsweise dichte Sternenansammlung der Milchstraße ist es immerhin eines pro Kubikzentimeter. Die lautstarken Explosionen, wie wir sie aus Science-Fiction-Filmen kennen, sind also tatsächlich Fiktion: Man würde sie nicht hören können.

So klingt der Urknall

Und doch ist das Weltall voller Geräusche! Denn trotz der extrem niedrigen Teilchendichte ist es ja nicht völlig leer. Allerdings sind diese Geräusche so langwellig, so unglaublich tief, dass wir sie nicht hören können. Sie lassen sich aber mit technischen Tricks hörbar machen, etwa indem Strahlungsveränderungen als Schallwellen dargestellt werden. Der spezielle Sound des Kosmos lässt sich am besten beschreiben als stabiles Rauschen. Was da rauscht, ist eine isotrope, also richtungsunabhängige, allgegenwärtige Strahlung, die vom Urknall übrig geblieben ist. Noch genauer gesagt, sind es ionisierte, also um Elektronen beraubte Atome, die nahezu mit Lichtgeschwindigkeit durch die Unendlichkeit rasen.

NASA stellt Klangbeispiele ins Internet

Auch Jupiter, 317-mal so schwer wie die Erde und der größte Planet unseres Sonnensystems, setzt bei der Interaktion mit seinen Monden Plasmawellen frei, elektrische Feldschwankungen. Das gleiche gilt für den Saturn und seinen Mond Enceladus. Auch Sonnenstürme oder die Reste von Supernova-Explosionen hinterlassen Geräuschspuren als Radiosignale, die man mittels Spezialgeräten aufzeichnen und in für Menschen hörbare Frequenzen umwandeln kann. Die NASA hat Klangbeispiele bei hier abgelegt. Sie liegen irgendwo im Bereich zwischen Summen, Brummen und Kreischen. Wahrlich kein Fest für die Ohren.

Ein „Terra X“-Beitrag mit Harald Lesch zum Thema, in dem der Astrophysiker verschiedene Soundeffekte vorstellt, finden Sie hier.  

Ab sofort nichts mehr ver­pas­sen

Der Newsletter – ab sofort nichts mehr verpassen

Abonnieren Sie den Newsletter des Wissenschaftsjahres 2022 – Nachgefragt! und bleiben Sie auf dem Laufenden zu Themen, Veranstaltungen und Aktionen.