Umwelt, Klima, Erde, Universum

Wie können Klima und Artenvielfalt gemeinsam geschützt werden?

22.11.2022
Kurz und knapp

Die Klimaerwärmung und der Verlust der Artenvielfalt sind gleichermaßen drängende ökologische Krisen, die unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden und letzten Endes auch unsere Existenz bedrohen. Beide Krisen können nur gemeinsam gelöst werden, da sie unmittelbar miteinander verbunden sind. Zum Beispiel beim Ausbau der Windenergie werden Konflikte mit dem Artenschutz oft thematisiert, allerdings gibt es viele Maßnahmen, die Natur und Klima gleichermaßen schützen können, sogenannte „naturbasierte Lösungen“.

Diese Frage aus dem IdeenLauf wurde von unserem Partner Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGfN) beantwortet. Mehr Informationen zu den Partnern des Wissenschaftsjahres 2022 finden Sie hier.

Klima- und Artenschutz: Ein Konflikt?

Oftmals werden Klima- und Artenschutz als unter-schiedliche Interessen wahrgenommen, wenn es zum Beispiel um den Schutz von Vogelbrutpaaren beim Bau neuer Windkraftanlagen geht. Um unsere Existenzgrundlagen, Gesundheit und Lebensqualität zu sichern brauchen wir jedoch beides: ein stabiles Klima und gesunde Ökosysteme. Beide ökologischen Krisen teilen die gleichen durch uns Menschen bedingten Ursachen, z.B. steigenden Energiebrauch, den Überverbrauch natürlicher Ressourcen und Veränderungen in Land- und Seenutzung durch immer höheren Flächenverbrauch.

Die Klimaerwärmung und der Verlust der biologischen Vielfalt hängen zusammen und können sich gegenseitig verstärken. Klimawandel wirkt sich insgesamt negativ auf die biologische Vielfalt aus; umgekehrt wird das Klima durch veränderte Biodiversität beeinflusst, insbesondere durch Auswirkungen auf Stoffkreisläufe, wie z.B. den Kohlenstoffkreislauf.

 

Klima und Biodiversität: Ein zusammenhängendes System

Durch die Klimaerwärmung werden Verteilung, Funktionsweise und Wechselwirkungen zwischen Lebewesen, und damit die Ökosysteme, zunehmend verändert. Besonders anfällig sind Arten, deren Verbreitung eingeschränkt ist, weil sie entweder nahe an ihrer Toleranzgrenze leben oder sich schlecht verbreiten können. Daher ist das Aussterberisiko für Arten am höchsten, die z.B. in den Bergen, auf Inseln oder in Korallenriffen vorkommen.

Intakte Ökosysteme wiederum können zum Klimaschutz beitragen, z.B. indem sie Kohlendioxid aus der Atmosphäre langfristig speichern. Es wird geschätzt, dass Schutzgebiete bereits heute 12 bis 16% des globalen Kohlenstoffspeichers bilden. Werden die intakten Ökosysteme jedoch zerstört, können sie gebundenes Kohlendioxid auch wieder abgeben. So stammen beispielweise 6,7% der CO2-Emissionen Deutschlands aus entwässerten Moorböden, die landwirtschaftlich genutzt werden.

 

Naturbasierte Lösungen

Sogenannte „naturbasierte Lösungen“ können eine wichtige Rolle im Klimaschutz übernehmen und gleichzeitig Ökosysteme schützen. Artenreiche Ökosysteme, die viel Kohlenstoff binden, wie z.B. Moore oder Mangroven, sollten effektiv geschützt oder wiederhergestellt werden. Auch die Verringerung der Waldzerstörung kann zur Senkung der jährlichen Treibhausgasemissionen beitragen und gleichzeitig Biodiversität schützen. Maßnahmen, die sich zu eng auf den Klimaschutz fokussieren, wie die unnatürliche Aufforstung von Wäldern in Monokultur oder der Bau von kleinsten Wasserkraftwerken, können jedoch sehr schädlich für Ökosysteme und den Erhalt der Artenvielfalt sein.

Erhaltungsmaßnahmen für die biologische Vielfalt unterstützen also oftmals den Klimaschutz. Intakte Ökosysteme binden und speichern Kohlenstoff, daher sollten diese auch zum Wohle des Klimas geschützt und wiederhergestellt werden.

 

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV): Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz.

Gemeinsamer Workshop-Bericht von Weltklimarat (IPCC) und Weltbiodiversitätsrat (IPBES) zu Biodiversität und Klimawandel (2021) – Deutsche Übersetzung.

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