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Wie können wir schnell eine
digitale Nachhaltigkeit erreichen?

06.04.2022
Kurz und knapp

Wie können wir schnell eine nachhaltige Digitalisierung und digitale Nachhaltigkeit erreichen? Auf der einen Seite macht Digitalisierung vieles effizienter, kann Ressourcen einsparen. Auf der anderen Seite haben digitale Geräte selbst einen beträchtlichen ökologischen Fußabdruck. Die Lösung: Digitalisierung nicht als Selbstläufer betrachten. Aus Nachhaltigkeitsperspektive sollte sie nur dort eingesetzt und eingeführt werden, wo sie tatsächlich Verbesserungen in der Ökobilanz erzielt.

Streaming: Eine CO2-Schleuder

Digitalisierung an sich ist alles andere als nachhaltig. Videokonferenzen, aber auch das Streaming von Videos via Netflix & Co. verursachen beispielsweise bis zu 440 Gramm CO2 in der Stunde – so Berechnungen der Universitäten Yale, Purdue und des Massachusetts Institute of Technology. Ein Netflix-Abonnement erzeugt somit jährlich 514 Kilogramm CO2. Zum Vergleich: Ein Flug von Köln nach Berlin kommt auf 170 Kilogramm. Wer seinen CO2-Fußabdruck klein halten möchte, kann 85 und mehr Prozent der CO2-Emissionen dadurch verhindern, dass er Videos in Standard- statt in Bestauflösung schaut – und bei der Videokonferenz die Kamera ausgeschaltet lässt.

Grüne IT – die Lösung?

Ein großer Teil der CO2-Emissionen geht nicht auf den Verbrauch der privaten Endgeräte zurück, sondern wird in den Rechenzentren erzeugt, über die der Datenverkehr läuft. Nach einer Studie der Europäischen Kommission steigt ihr Anteil am Gesamtenergieverbrauch in den EU-Mitgliedsstaaten von 2,7 Prozent im Jahr 2018 auf voraussichtlich 3,2 Prozent im Jahr 2030. In Anbetracht der Tatsache, dass bereits in der Dekade von 2010 an die weltweit übertragene Datenmenge um fast den Faktor 20 gestiegen ist, fällt die Zunahme an Emissionen also vergleichsweise gering aus. Hier liegt bereits ein Schlüssel zur Antwort auf die Frage nach einer nachhaltigen Digitalisierung. Viele Betreibende von Rechenzentren bemühen sich, die mit dem Datenverkehr verbundenen CO2-Emissionen zu reduzieren, indem sie effizientere Technologien einsetzen, Abwärme zur Beheizung von Wohn- und Gewerbegebieten verwenden und erneuerbare Energie beziehen. Dies kann die Effekte der immer intensiveren Datennutzung zwar nicht kompensieren, aber doch lindern.

Nachhaltigkeit als Strategie

Wichtiger noch als grüne IT aber ist es, dass beim geplanten Einsatz von digitalen Tools Nachhaltigkeit von Anfang an mitgedacht wird. Das heißt: Nur dort wird auf digitale Technologien umgeschwenkt, wo dies auch Nachhaltigkeitsgewinne mit sich bringt. Ein Negativbeispiel ist hier die Zeitung auf Smartphone und Tablet. Nicht nur der primäre Energieaufwand ist hier zu bedenken, sondern auch die Umweltbilanz der mobilen Endgeräte. Als Faustregel gilt: Wird eine Papierzeitung von mehr als drei Leuten oder mehr als eine halbe Stunde lang gelesen, ist sie ökologischer als ihr digitales Gegenstück. Das hat Greenpeace berechnet.

Mehr Infos zur Berechnung der CO2-Bilanz von Streamingdiensten (wie Netflix) und Videokonferenzen finden Sie hier.

In Hessen stehen bundesweit die meisten Rechenzentren. Die Green IT-Strategie des Bundeslandes können Sie hier lesen.