Gesundes Leben, Medizin, Pflege

Wie kommt das Fett aus dem Körper raus, wenn wir abnehmen?

31.10.2022
Kurz und knapp

(Anmerkung der Redaktion: Diese beantwortete Frage wurde zuvor in anderer Formulierung veröffentlicht, die an einigen Stellen unsensible und ggf. triggernde Formulierungen enthielt. Wir haben die Meldung nachträglich angepasst.)

Fett ist ein Energiespeicher. Verbrauchen wir etwa durch Sport mehr Energie, als wir mit der Nahrung aufnehmen, schrumpft der Speicher und das Fett wird weniger. Doch was passiert dabei im Organismus? Und wie findet das Fett seinen Weg nach draußen? „Pullern wir es raus?“, will unsere junge Fragestellerin wissen. Im Prinzip gilt das zumindest für einen kleinen Teil. Das meiste aber atmen wir regelrecht aus – in Form von Kohlendioxid.

Vorratskammer für den Körper

Es ist ein Wunderwerk der Natur: Fett polstert Organe und schützt sie so vor Stößen und anderen Verletzungen. Es ist daran beteiligt, Schadstoffe abzubauen und mischt im Hormonstoffwechsel mit. Und dann ist es eben auch ein effektiver Vorratsspeicher: Es bunkert aufgenommene Kalorien für schlechte Zeiten. Im Körperfett von aus medizinischer Sicht normalgewichtigen Menschen sind permanent etwa 80.000 bis 100.000 Kilokalorien gespeichert. Zum Vergleich: Im Kohlenhydratspeicher (Zuckerspeicher) lagern nur rund 1.500 bis 2.000 Kilokalorien.

Als Depot dienen Fettzellen, fachlich „Adipozyten“ genannt. Genau genommen gibt es zwei Sorten von Fettzellen – weiße und braune, die unterschiedliche Aufgaben im Körper erfüllen. Hauptverantwortlich für die Vorratshaltung sind die weißen Fettzellen. Der Einfachheit halber sind diese im Text gemeint, wenn von Fettzellen die Rede ist. Sie bunkern Fett in einer Vakuole, einer Art Speicherkammer, die sich so weit ausdehnen kann, dass sie in gefülltem Zustand rund 95 Prozent der Zelle ausmacht. Alle anderen Zellbestandteile drängt sie dabei an den Rand. In diesem Zustand sehen die Adipozyten unter dem Mikroskop selbst aus wie winzige Fetttröpfchen.

 

Vom Wunderwerk zum Risikofaktor

Der Körper lagert immer dann Fett zur Vorratshaltung ein, wenn die Nahrung mehr Energie liefert als der Organismus verbraucht. Für unsere Vorfahren war das überlebenswichtig. Sie wussten oft nicht, wann es die nächste Mahlzeit geben würde und mussten auch Hungerzeiten überstehen.

Heute allerdings wird die stetige Speicherbereitschaft der Fettzellen für viele auch Nachteile mit sich bringen. Nehmen wir permanent mehr Kalorien auf, als wir verbrauchen, speichern die Fettzellen auch immer weiter eifrig Fett. Sie können dabei auf das bis zu 200-Fache ihrer Größe anschwellen. Ist die Zunahme drastisch, entstehen auch neue Fettzellen. In der Folge gewinnen wir an Körpergewicht – und irgendwann kann das Fett, das dem Körper eigentlich gute Dienste tun soll, zum Problem werden. Übergewicht belastet die Gelenke, erhöht das Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Und mit steigender Körper- und vor allem Fettmasse wächst die Gefahr, dass der Hormonhaushalt aus dem Tritt gerät, Organe verfetten und permanente Entzündungsprozesse die Gesundheit in Mitleidenschaft ziehen.

 

Verbrennen und ausatmen

Um das Körpergewicht zu reduzieren, gilt im Grunde genommen eine einfache Rechnung: Nehmen wir mehr Energie auf, als wir verbrauchen, legen wir an Gewicht zu. Verbrauchen wir mehr als wir aufnehmen, leeren sich die Fettspeicher und wir nehmen ab. Das gelingt im Prinzip auf zwei Wegen: Wir können weniger essen, um weniger Kalorien aufzunehmen als benötigt. Oder wir können durch Bewegung dafür sorgen, dass der Körper mehr Energie braucht. Als ideal gilt die Kombination aus beidem.

Und wie scheidet der Körper das gespeicherte Fett wieder aus? Bekommt der Körper aus der Nahrung weniger Energie als er benötigt, sendet das Gehirn ein Signal an die Fettzellen, damit diese Fett (um exakt zu sein: Fettsäuremoleküle) in die Blutbahn abgeben. Gewebe, die Bedarf an Energienachschub haben, bedienen sich daraus. Beim Sport sind das vor allem Muskeln, Lunge und Herz.

Der Körper verfügt über ausgeklügelte biochemische Mechanismen, um Energie aus dem Fett zu gewinnen. Forschende haben festgestellt, dass es dabei regelrecht verbrannt wird. Übrig bleibt vor allem Kohlendioxid (CO2). Der größte Teil des Speicherfetts – rund 80 Prozent – gelangt durch das Blut in die Lunge und von dort atmen wir es einfach aus. Der Rest ist Wasser, das den Körper teils ebenfalls mit der Atemluft verlässt und teils mit Flüssigkeiten wie Schweiß, Tränen und Urin. Einen kleinen Teil des abtrainierten Fetts „pullern“ wir also tatsächlich raus.

Eine Studie und einen Kurzfilm zur Fettverbrennung finden Sie in englischer Sprache hier

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