Der IdeenLauf #MeineFragefürdieWissenschaft

Ein Jahr der Fragen, Ideen und Impulse: 14.439 Fragen, 59 Cluster, 9 ZukunftsRäume – und viele Stunden intensiven Austauschs zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Das ist das Ergebnis des IdeenLaufs im Wissenschaftsjahr 2022 – Nachgefragt!.

Wir leben in einer Wissensgesellschaft. Ob Gesundheit, Mobilität, Informationsverarbeitung oder Klima: In allen Bereichen werden die Erkenntnisse, die Forscher*innen weltweit erarbeiten, genutzt, um Innovationen anzustoßen und unser gesellschaftliches Miteinander aktiv zu gestalten. Von der Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte über die Vorbeugung und Bewältigung von Krankheiten und Pandemien bis hin zum beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien: Wissenschaft zeigt uns mit ihren Daten und Forschungsergebnissen Wege auf, die Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen.

Gerade weil Forschung viele Bereiche unserer Gesellschaft durchdringt, ist es wichtig, den Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft weiter zu stärken. Davon profitieren alle Seiten: Wenn Bürger*innen sich aktiv beteiligen, fließen Alltagsexpertise, neue Ideen und Fragestellungen in den Forschungsprozess, in die Erstellung von Forschungsfragen und in forschungspolitische Entscheidungen ein. Auf Seiten der Bürger*innen kann durch den Dialog das Vertrauen in Wissenschaft und die Wissenschaftsmündigkeit gestärkt werden. Dies sind wichtige Voraussetzungen für eine widerstandsfähige demokratische Gesellschaft.

Vor diesem Hintergrund hat das Wissenschaftsjahr 2022 – Nachgefragt! mit der Partizipationsinitiative IdeenLauf einen neuen, innovativen Ansatz verfolgt. Anders als in den vergangenen Jahren stand nicht ein einzelnes Fachthema im Vordergrund, sondern die Bürger*innen selbst – mit ihren Fragen für die Wissenschaft. Sie konnten sich einbringen, Fragen stellen und ihre Vorstellungen äußern, welche Themen Forscher*innen in den Blick nehmen sollten.

Neben den vielen Anregungen aus der Gesellschaft haben die drei Gremien des IdeenLaufs – das Citizen Panel, bestehend aus rund 30 Bür­ger*innen, das Science Panel und die Jury, bestehend aus rund 70 Forscher*innen  – das Jahr besonders geprägt.

Entstanden sind so eine Vielzahl von Ideen und Impulsen, die – gebündelt und verdichtet in diesem Ergebnispapier – Anregungen für zukünftige Forschung und Forschungspolitik bieten.

Die gesellschaftliche Perspektive: Das Citizen Panel

Die Bürger*innen spielten im IdeenLauf des Wissenschaftsjahres 2022 – Nachgefragt! eine zentrale Rolle – und das nicht nur, indem sie Fragen eingereicht haben. Sie waren auch in einem der drei Gremien vertreten: dem Citizen Panel, das mit rund 30 zufällig ausgewählten Personen besetzt war. Das Citizen Panel war im Prozess der Fragensammlung, -bündelung und -einordnung beteiligt.

Das Gremium der Bürger*innen arbeitete im Verlauf des Jahres zusammen mit den Wissenschaftler*innen des Science Panels und der Jury.

Es kommentierte die Cluster und ZukunftsRäume aus gesellschaftlicher Perspektive, achtete auf Verständlichkeit der erarbeiteten Inhalte und war mit der Auswahl der Clusterfragen beauftragt.

Männlich, weiblich, divers; mit und ohne Migrationshintergrund; Teenager und Rentner*innen; vom Dorf bis zur Metropole; von Nordfriesland bis Baden, von Aachen bis Berlin – die heterogene Zusammensetzung des Citizen Panels stellte sicher, dass eine Vielfalt an Perspektiven im IdeenLauf berücksichtigt werden konnte.

Die Sicht der Wissenschaft:
Science Panel und Jury

Der IdeenLauf wurde durch eine Vielzahl von Wissenschaftler*innen unterstützt. Im Science Panel und der Jury brachten rund 70 Forscher*innen ihre Expertise in den Prozess ein. Vertreten waren dabei die unterschiedlichsten Fachexpertisen – von Klima und Technik bis Gesundheit und Soziologie. Doktorand*innen und Post-Docs brachten ihr Wissen ebenso ein wie Lehrstuhlinhaber*innen, Universitätspräsident*innen und Leiter*innen von Forschungsinstituten.

Die Hauptaufgaben der beiden Gremien bestanden darin, unterstützt durch das Citizen Panel, die eingereichten Fragen thematisch zu Clustern zusammenzufassen, die Clustertexte und ZukunftsRäume zu erstellen sowie das im Rahmen der Online-Konsultation eingebrachte Feedback der Bürger*innen einzuarbeiten.

Fragenstellende

14.439 Fragen – Viele Perspektiven

Am IdeenLauf beteiligten sich viele verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen. Durch ihre thematisch breitgefächerten Fragen brachten sie vielfältige Perspektiven ein. Einige der Fragenstellenden und ihre Motivation, sich am IdeenLauf zu beteiligen, werden hier vorgestellt.

#MeineFragefürdieWissenschaft – Der Start in ein Jahr voller Ideen

Im Januar 2022 startete der IdeenLauf mit dem Aufruf, Fragen für die Wissenschaft zu stellen. Unter dem Motto #MeineFragefürdieWissenschaft waren alle Bürger*innen eingeladen, sich mit ihren Ideen in Forschung und Forschungspolitik einzubringen. Gesammelt wurden die Fragen bis April u. a. in Zoos, Museen und Schulen sowie digital über die Website und Social-Media-Kanäle.

Mehr als 14.000 Fragen für die Wissenschaft wurden so von den Bürger*innen eingereicht. Der nächste Schritt bestand in der Verdichtung und Bündelung der eingereichten Fragen, um die Ideen und das Innovationspotenzial für Wissenschaft und Forschungspolitik aus der Vielzahl der Fragen der Bürger*innen herauszufiltern.

 

Fragen über Fragen – Prüfung und Auswahl

Rund 4.500 Fragen flossen in den weiteren Prozess des IdeenLaufs ein. Ausschlaggebend waren die Bewertungen der Bürger*innen auf der Website des Wissenschaftsjahres sowie eine Zufallsauswahl. Diese Fragen wurden durch die Redakteur*innen noch einmal geprüft, um inhaltlich gleiche Fragen zusammenzufassen. Außerdem hatten die Mitglieder des Citizen und Science Panels und der Jury die Möglichkeit, Fragen aus den zunächst nicht ausgewählten Fragen zu nominieren.

 

Von der Frage zum Cluster – ein Wochenende voller Fragen

Bei einer Konferenz im Mai 2022 wurde diese Auswahl auf ihre Relevanz für Forschung und Gesellschaft überprüft. Hier diskutierten die drei Gremien aus Wissenschaftler*innen sowie Bürger*innen die ausgewählten Fragen, bewerteten diese und verdichteten sie weiter. So entstanden thematische Cluster zu Themen mit besonderer Relevanz für Wissenschaft, Politik und Gesellschaft.

Im IdeenLauf wurde durch die Vielfalt der Teilnehmenden und Perspektiven immer wieder über wissenschaftliche Fachgrenzen hinausgedacht und diskutiert. Um diese Querschnitte noch einmal besonders hervorzuheben, wurden auf der Konferenz auch erste Entwürfe für sogenannte ZukunftsRäume entwickelt. Die ZukunftsRäume betonen thematische Überschneidungen der Cluster, aus denen sich neue Forschungsfragen und innovative Forschungsfelder ableiten lassen.

 

Rückkopplung mit der Gesellschaft – Die Online-Konsultation

Die Ergebnisse der Konferenz wurden erneut zur Diskussion gestellt: In einem digitalen Bürgerdialog, der Online-Konsultation, im Juni und Juli 2022 konnten alle Interessierten die Cluster kommentieren und weitere ZukunftsRäume identifizieren. So gingen inhaltliche Ergänzungen, Änderungsvorschläge sowie allgemeine Anmerkungen in den Prozess ein.

In der Schlussphase der Online-Konsultation sichteten die Gremien die Beiträge der Bürger*innen, damit sie strukturiert in das Ergebnispapier einfließen konnten.

 

Der redaktionelle Feinschliff – Die Gremien finalisieren das Ergebnispapier

Im September 2022 kamen die drei Gremien noch einmal zusammen. In Workshops haben die Teilnehmenden nicht nur die Cluster finalisiert, sondern auch die ZukunftsRäume inhaltlich geschärft und festgelegt. Das Ergebnispapier des IdeenLaufs „Gesellschaftliche Impulse für Wissenschaft und Forschungspolitik“ wurde im November an Wissenschaft und Politik übergeben.

 

Ausblick

Wie geht es weiter?

Die über 14.000 Fragen der Teilnehmer*innen am IdeenLauf bilden die Grundlage für dieses Ergebnispapier. Im Laufe des Jahres 2022 haben die drei Gremien des IdeenLaufs – Citizen Panel, Science Panel und die Jury – die Fragen verdichtet und in ihren wissenschaftlichen Kontext gesetzt.  So entstanden 59 Cluster und 9 ZukunftsRäume. Als gesellschaftlicher Impuls für zukünftige Forschung und Forschungspolitik wurde das Ergebnispapier des IdeenLaufs im November 2022 an das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Allianz der Wissenschaftsorganisationen übergeben.

Wissenschaft und Forschungspolitik werden sich intensiv mit den erarbeiteten Inhalten auseinandersetzen und das Ergebnispapier bis Sommer 2023 auf Umsetzungspotenziale prüfen. Das Ergebnis wird der Öffentlichkeit vorgestellt.

Erste konkrete Maßnahmen wurden bereits erarbeitet: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung plant zwei Förderrichtlinien. Gefördert werden sollen zum einen Vorhaben, die mit innovativen partizipativen Ansätzen die Fragen der Bürger*innen in konkreten Forschungsprojekten adressieren. Zum anderen werden die Ergebnisse des IdeenLaufs in eine neue Förderrichtlinie zur Entwicklung von Sozialen Innovationen einfließen.

Darüber hinaus sind die Fragen und Anregungen der Bürger*innen auch nach dem Ende des IdeenLaufs digital einsehbar und stehen damit Wissenschaft und Forschungspolitik auch über das Wissenschaftsjahr 2022 hinaus als Inspiration für weitere Forschung zur Verfügung.

Der IdeenLauf ist beendet, die Auseinandersetzung mit den erarbeiteten Ideen und Impulsen für Wissenschaft und Forschungspolitik kann beginnen.