Eine 50-jährige Frau, die seit Monaten schlecht schläft, sich gereizt und unglücklich fühlt, geht zum Arzt. Die Diagnose lautet: Depression. Doch was niemand erkennt: Ihr Körper steckt mitten in der Perimenopause. Das ist eine Phase von bis zu 15 Jahren, in der der Hormonspiegel zu schwanken beginnt, lange bevor die Menstruation endgültig ausbleibt. Die Wechseljahre betreffen allein in Deutschland rund neun Millionen Frauen. Sie gehören zu den am stärksten unterforschten Phasen im menschlichen Leben. Rund 85 Prozent der Frauen zwischen 45 und 55 Jahren erleben Symptome in dieser Phase, viele über Jahre. Diagnosen kommen häufig zu spät, Beschwerden werden falsch gedeutet. Ihr Körper hatte die Veränderungen längst gezeigt. Aber er zeigt sie in einer Sprache, die wir noch nicht verstehen.
Hormone hinterlassen Spuren im gesamten Körper, und die lassen sich messen. Östrogen hält die Schleimhäute der Stimmbänder elastisch und feucht. Sinkt der Östrogen-Spiegel, verändert sich die Stimme in Klang, Frequenz und Rauigkeit. Studien haben diese Veränderungen bereits dokumentiert. Gleichzeitig schützt Östrogen das autonome Nervensystem, das den Herzschlag und die Herzfrequenzvariabilität reguliert. Durch veränderte Herzfrequenzen passt sich der Körper an Belastungen an. Auch Körpertemperatur und der Schlaf verschieben sich, häufig lange bevor Frauen darüber klagen. All dies erfassen moderne Wearables wie Armbänder oder Ringe täglich, ohne dass ihre Trägerinnen irgendetwas dafür tun müssen.
