Dr. Christina Stengl, PostDoc am Universitätsklinikum Heidelberg und Wissenschaftlerin am Deutschen Krebsforschungszentrum
„Ich kann Lösungen entwickeln, die es in dieser Form zuvor noch nicht gab.“
Einleitung

Strahlentherapie kann eine äußerst effektive Behandlung bei Krebserkrankungen sein. Gleichzeitig gibt es Patientinnen und Patienten, bei denen eine besonders sorgfältige Anpassung die Behandlung noch sicherer und effektiver macht. Christina Stengl forscht daran, Strahlentherapie auf die individuellen Körper und Lebensumstände von Menschen anzupassen – zum Beispiel eine Schwangerschaft. Welche Rolle dabei Modelle aus dem 3D-Drucker spielen, erklärt sie im Interview.
Woran arbeiten Sie gerade?
Im Moment forsche ich an einer wichtigen Frage in der Strahlentherapie: Wie können wir eine schwangere Patientin mit einer Krebserkrankung bestmöglich bestrahlen und dabei das ungeborene Kind optimal schützen? Moderne Strahlentherapie ist sehr präzise und oft lebensrettend. Gleichzeitig muss der Fötus so wenig Strahlen wie möglich ausgesetzt werden. Diese Gratwanderung wissenschaftlich fundiert zu unterstützen, ist Ziel meiner Arbeit.
Woran arbeiten Sie gerade? (Fortsetzung)
Ich entwickle ein sogenanntes „Phantom“, eine realistische Nachbildung eines schwangeren Körpers, mit dem wir Bestrahlungspläne untersuchen können. Dieses Phantom erstellen wir mittels 3D-Druck, um verschiedene Gewebe radiologisch realitätsnah nachbilden zu können. Im Bereich des Fötus platzieren wir Detektoren. Diese messen, wie viel Strahlung tatsächlich beim ungeborenen Kind ankommt.
Was inspiriert Sie, in Ihrem Fachbereich zu forschen?
Meine Forschung verbindet Medizin, Physik und Technik und ist unglaublich abwechslungsreich. Besonders motiviert mich, wenn meine Forschung zur Verbesserung von Therapie beiträgt, etwa in sensiblen Situationen wie einer Krebserkrankung während der Schwangerschaft. Am Ende geht es darum, die bestmögliche medizinische Versorgung für zwei Patienten gleichzeitig sicherzustellen. Genau das macht meine Arbeit herausfordernd und zugleich so faszinierend.
Zudem reizt mich der Innovationsaspekt: Ich kann Lösungen entwickeln, die es in dieser Form zuvor noch nicht gab. Das zuvor beschriebene Phantom ist modular. Es ermöglicht, unterschiedliche Schwangerschaftsstadien abzubilden, ohne das gesamte Modell neu fertigen zu müssen. So entsteht ein flexibles, wiederverwendbares System, das klinische Fragestellungen realitätsnah abbildet und Bestrahlungssituationen effizient untersuchbar macht.
Was ist Ihre Vision für die Medizin der Zukunft?
Meine Vision für die Medizin der Zukunft ist eine präzise, datenbasierte und individualisierte Behandlung. Therapien werden nicht mehr primär standardisiert, sondern patientenspezifisch geplant, simuliert und validiert. Digitale und physische Modelle, KI-gestützte Auswertung und moderne Fertigungstechnologien wie der 3D-Druck ermöglichen es, Behandlungen vorab realitätsnah zu testen.
Ein wichtiger Baustein sind patientenspezifische Phantome, mit denen sich komplexe Behandlungssituationen physikalisch validieren lassen. Gleichzeitig sind diese Innovationen skalierbar: Technologien sind schneller, kosteneffizienter und breit verfügbar. Damit wird personalisierte Medizin kein Nischenprodukt, sondern zum klinischen Standard.