„Die Geschichten, Herausforderungen und Stärke der Betroffenen motivieren mich.“

Dr. Renata Voltolini Velho, Laborleitung an der Charité – Universitätsmedizin Berlin

Einleitung

Endometriose betrifft Millionen von Menschen. Sie kann unter anderem zu ausgeprägten Schmerzen, starken Blutungen oder Verdauungsproblemen führen und wird mit ungewollter Kinderlosigkeit in Verbindung gebracht. Doch bisher ist Endometriose wenig erforscht, ihre Ursachen sind unbekannt. Genau dort setzt Dr. Renata Voltolini Velho mit ihrer Forschung an. Sie arbeitet eng mit Patientinnen zusammen, um Ursachen und Therapieansätze für Endometriose zu ermitteln. Mehr über ihre Arbeit erzählt sie im Interview.

Woran arbeiten Sie gerade?

Derzeit bin ich wissenschaftliche Koordinatorin des Projekts ENDO‑PAIN, das die biologischen Ursachen von Endometriose-bedingten Schmerzen untersucht. Der Forschungsschwerpunkt liegt dabei auf assoziierten Entzündungsreaktionen der Nerven, Vernarbungen des umliegenden Gewebes und den zugrunde liegenden Signalwegen. Ziel ist es, neue diagnostische Marker zu identifizieren und präzisere Therapieansätze zu entwickeln.

Zudem bin ich Teil der Projekte HoPE und StEPP‑UPP. HoPE erforscht den Einfluss von Ernährung, Immunsystem und Mikrobiom auf Endometriose. StEPP‑UPP analysiert klinische, biologische und psychosoziale Daten, um personalisierte Therapien gegen Endometriose-Schmerzen zu ermöglichen.

Alle drei Projekte werden vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert. Gemeinsam zielen sie darauf ab, das Verständnis der komplexen Erkrankung Endometriose zu vertiefen und die Versorgung Betroffener durch innovative, evidenzbasierte Ansätze zu verbessern.

Was inspiriert Sie, in Ihrem Fachbereich zu forschen?

Mich inspiriert vor allem die Möglichkeit, Forschung direkt mit den realen Erfahrungen von Patientinnen zu verbinden. Endometriose ist eine Erkrankung, die Millionen von Menschen betrifft. Dennoch wurde sie lange Zeit unterdiagnostiziert und unzureichend verstanden. Die Geschichten, Herausforderungen und auch die Stärke der Betroffenen motivieren mich, dazu beizutragen, Wissenslücken zu schließen und die Versorgung nachhaltig zu verbessern.

Was ist Ihre Vision für die Medizin der Zukunft?

Meine Vision ist eine Medizin, die stärker patientinnenzentriert, interdisziplinär und partizipativ ist. Forschung und klinische Praxis sollten nicht nur über Patientinnen sprechen, sondern gemeinsam mit ihnen entwickelt werden. Die Medizin der Zukunft sollte es zudem ermöglichen, dass medizinisches Fachpersonal ausreichend Zeit hat, um den Patientinnen wirklich zuzuhören und sie zu verstehen. Durch die Kombination von wissenschaftlicher Evidenz, digitaler Innovation und der aktiven Einbindung von Betroffenen können wir eine Medizin schaffen, die nicht nur Krankheiten behandelt, sondern die Lebensrealitäten der Menschen umfassend berücksichtigt.

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