Krebsprävention mit großer Wirkung: HPV-Impfung

Ein Beitrag von Prof. Dr. Claus Belka

Einleitung

Humane Papillomviren (HPV) gehören zu den häufigsten übertragbaren Infektionen: Rund 80 % aller Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens. Meist verläuft die Infektion unbemerkt – doch bestimmte HPV-Typen können Jahre bis Jahrzehnte später Krebs verursachen. Genau deshalb ist die HPV-Impfung eine der wirksamsten Maßnahmen der Krebsprävention.

Humane Papillomviren und Krebs: Epidemiologische Bedeutung und Stellenwert der Prävention

HPV steht für Humane Papillomviren – eine Gruppe von Viren, die vor allem durch engen Haut- und Schleimhautkontakt übertragen werden, häufig schon beim ersten Sexualkontakt. Die meisten Infektionen bleiben unbemerkt und heilen von selbst aus.

Bleibt das Virus jedoch dauerhaft im Körper, kann es zu Zellveränderungen kommen, aus denen sich oft erst nach zwanzig bis dreißig Jahren Krebs entwickeln kann. HPV verursacht nicht nur Gebärmutterhalskrebs, sondern steht auch mit Tumoren im Mund- und Rachenraum, Analkarzinomen sowie weiteren HPV-assoziierten Krebsarten in Zusammenhang.

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 4.540 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Bei neu registrierten Mund-Rachen-Tumoren sind 35–45 % durch HPV verursacht, Tendenz steigend. Insgesamt gehen etwa 2 % (oder in absoluten Zahlen 10.000 Fälle) aller Krebserkrankungen auf HPV zurück.

HPV-Impfung: Schutzwirkung und wissenschaftliche Evidenz

Die HPV-Impfung schützt effektiv vor einer Infektion mit bis zu neun HPV-Typen, darunter die Hochrisiko-Varianten 16 und 18, die eine Krebserkrankung auslösen können. Da es für diese Varianten keine medikamentöse Therapie gibt, ist vorbeugender Schutz umso wichtiger.

Zitat

Zitat

„Ein Krebs, den Sie gar nicht erst bekommen, weil Sie ihn verhindert haben, ist natürlich besser als ein Krebs, den Sie früh erkennen.“ 
– Prof. Dr. Claus Belka

Fortsetzung: HPV-Impfung: Schutzwirkung und wissenschaftliche Evidenz

Die Impfung gibt es seit 2007. Es handelt sich dabei um einen Totimpfstoff, das heißt: Man kann sich durch die Impfung nicht mit HPV anstecken. Der Impfstoff wirkt gezielt gegen bestimmte HPV-Typen, daher bleibt die Zusammensetzung unverändert. Der Schutz hält nach aktuellem Wissensstand mindestens 15 Jahre an. Im Unterschied zu Grippeviren ändern diese Viren sich kaum – somit muss nicht regelhaft (jährlich) neu geimpft werden.

  • Faktenblatt zur HPV-Impfung

    Faktenblatt zur HPV-Impfung

    Erfahren Sie mehr über die HPV-Impfung im Faktenblatt des Robert-Koch-Instituts.

Fortsetzung: HPV-Impfung: Schutzwirkung und wissenschaftliche Evidenz

Aus Dänemark wissen wir, dass nach Einführung einer flächendeckenden Impfung vor mehreren Jahren der HPV-verursachte Gebärmutterhalskrebs aktuell fast vollständig „ausgerottet“ werden konnte.

Die Impfung wird empfohlen für Mädchen und Jungen im Alter von 9 und 14 Jahren. In diesem Alter wird der bestmögliche Impfschutz erreicht, da die Impfung vor einer möglichen HPV-Infektion durch sexuelle Kontakte erfolgt. Zudem zeigen jüngere Kinder eine stärkere Immunantwort, sodass für einen langanhaltenden Schutz bereits zwei Impfdosen ausreichend sind. Nachholimpfungen sollten bis zum Alter von 17 Jahre erfolgen. 

Wichtig für das Impfschema: 9- bis 14-Jährige erhalten in der Regel zwei Dosen; ab 15 Jahren ist eine dritte Dosis erforderlich. Bis zum 18. Geburtstag übernehmen die Krankenkassen die Kosten – viele auch darüber hinaus. Geimpft wird unter anderem in Praxen der Kinder- und Jugendmedizin, Allgemeinmedizin, Urologie sowie Frauenheilkunde. Auch Erwachsene können profitieren, da die Impfung vor HPV-Typen schützen kann, mit denen noch kein Kontakt bestand.

Trotz ausdrücklicher Empfehlung ist die Impfquote noch zu niedrig

2024 hatten bundesweit nur 55 % der 15-jährigen Mädchen und 36 % der Jungen einen vollständigen HPV-Impfschutz. Andere Länder zeigen, dass deutlich höhere Quoten erreichbar sind, teilweise bis zu 90 %. Die WHO nennt als Zielmarke, dass mindestens 90 % der Mädchen bis zum 15. Lebensjahr vollständig geimpft sein sollen.

Das Bayerische Zentrum für Krebsforschung (BZKF) hat deshalb gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention (StMGP) und der Bayerischen Landesarbeitsgemeinschaft Impfen (LAGI) eine umfassende Aufklärungskampagne zur HPV-Impfung gestartet. Ein Kernpunkt ist es, zusätzlich zu Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzten auch HNO-Praxen, die Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie und Zahnmedizin einzubinden. Auf diesem Weg will die Kampagne Familien dort erreichen, wo sie ohnehin regelmäßige Untersuchungstermine haben. Ziel der Kampagne ist es, durch aktive Aufklärung und Informationsmaterialien bestehende Wissenslücken zu schließen, um die Impfbeteiligung deutlich zu erhöhen.

Was Sie heute konkret tun können

Prof. Dr. med. Claus Belka

Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie LMU Klinikum, Stellvertretender Direktor des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung (BZKF)

Themenfelder: Strahlentherapie und Radioonkologie, moderne Krebsbehandlung, patientenorientierte Versorgung und Prävention durch Aufklärung

„Seit dem Jahr 2008 leite ich als Direktor die Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am LMU Klinikum. In meiner täglichen Arbeit folgt vieles einem klaren Ziel: Menschen mit Krebs bestmöglich zu begleiten – mit Technologie, Kompetenz und Menschlichkeit. Gleichzeitig liegt mir die Prävention besonders am Herzen: HPV-verursachte Tumoren benötigen sehr häufig eine Strahlentherapie. Ich bin somit persönlich betroffen Tumoren behandeln zu müssen, die eigentlich vermeidbar sind. Jede verhinderte Erkrankung ist für mich somit ein weitaus besserer Weg.“

Weitere Informationen

  • LMU Klinikum

    LMU Klinikum

    Website der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie LMU Klinikum

  • BZKF

    BZKF

    Website des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung

  • Faktenblatt zur HPV-Impfung

    Faktenblatt zur HPV-Impfung

    Erfahren Sie mehr über die HPV-Impfung auf dem Faktenblatt des Robert-Koch-Instituts.

  • Impfen gegen Gebärmutterhalskrebs

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    Erfahren Sie mehr über den Zusammenhang von HPV und Gebärmutterhalskrebs und wie die HPV-Impfung schützen kann.

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