Lisa Stähler, Doktorandin & Projektkoordinatorin UNITY an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
„Ich wünsche mir, dass wir [...] Bewegung als festen Teil des Alltags verstehen.“
Einleitung

Wer möglichst lange fit bleiben möchte, muss sich ausreichend bewegen. Eine Möglichkeit: im Alltag öfter mit dem Rad fahren. Das ist nicht nur gut für die Gesundheit, sondern auch für das Klima und die Lebensqualität in der Stadt. Im Projekt UNITY untersucht die Psychologin Lisa Stähler, was Menschen zum Radfahren motiviert oder sie davon abhält. Es geht um die Frage: Wie bringt eine bessere Infrastruktur mehr Menschen aufs Rad? Wir haben mit ihr über ihre Motivation, ihre Vision für die Zukunft und die Hintergründe zum Projekt gesprochen.
Woran arbeiten Sie gerade?
Ich arbeite im Projekt UNITY und untersuche die Effekte einer angepassten Fahrradinfrastruktur in Düsseldorf. Dazu gehört, Radwege auszubauen, Mobilitätsstationen zu installieren und das Fahrradleitsystem zu erweitern. Begleitende Veranstaltungen machen die Angebote rund ums Fahrradfahren sichtbarer. Uns interessiert, ob durch die Maßnahmen mehr Menschen Rad fahren und welche Faktoren sie motivieren oder davon abhalten, auf das Fahrrad umzusteigen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den Perspektiven unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen. Dabei schauen wir bewusst über die Gruppe hinaus, die ohnehin schon begeistert Rad fahren.
Außerdem vergleichen wir die gesundheitlichen Effekte des Radfahrens auf verkehrsberuhigten und konventionellen Radwegen und schauen uns dabei auch die Schadstoffbelastung der Luft auf diesen Radwegen an.
Was inspiriert Sie, in Ihrem Fachbereich zu forschen?
Ich fahre selbst sehr gerne Fahrrad und wünsche mir sichere und gut ausgebaute Radwege. Während meines Studiums in den Niederlanden habe ich erlebt, wie selbstverständlich Fahrradfahren dort ist und wie sehr es das Stadtbild und den Alltag prägt. Fahrradfahrende haben dort klar Priorität und Wege sind gut ausgebaut. Es ist einfach, bequem und sicher, überall hinzukommen. Diese Erfahrung ist mir nachhaltig in Erinnerung geblieben.
Fahrradfahren vereint für mich viele positive Aspekte: Es ist gut für die eigene Gesundheit, fürs Klima und für die Lebensqualität in Städten. Umso spannender finde ich es, an einem Projekt zu arbeiten, das genau diese Themen untersucht und dazu beitragen kann, aktive Mobilität hier in Düsseldorf und in anderen Städten zu fördern.
Was ist Ihre Vision für die Medizin der Zukunft?
Ich wünsche mir, dass wir Gesundheit stärker präventiv denken und Bewegung als festen Teil des Alltags verstehen. Aktive Mobilität kann hierzu einen wichtigen Beitrag leisten. Dabei stellt sich die Frage, warum manche Menschen gerne Fahrrad fahren und andere bewusst oder unbewusst darauf verzichten. Diese Gründe ernst zu nehmen, ist aus meiner Sicht zentral, um tragfähige Lösungen zu entwickeln.
Meine Vision ist es, Angebote zu schaffen, die unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigen und aktive Mobilität für möglichst viele Menschen zugänglich und attraktiv machen. Dafür braucht es ein Miteinander – sowohl in der Planung von Fahrradinfrastruktur als auch im Straßenverkehr selbst. Unsere Forschung kann helfen, diese Perspektiven zusammenzubringen. Wir wollen Ansätze entwickeln, die mehr Menschen aufs Fahrrad bringen. Unser Ziel ist es, Gesundheit, Sicherheit und Lebensqualität zu fördern.
Das Projekt UNITY wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt für drei Jahre (2025-2028) mit rund 994.000.- Euro gefördert.