Arbeits-Früh-Stücke gehen in Berlin in die zweite Runde

Das Wissenschaftsjahr 2018 – Arbeitswelten der Zukunft setzt sich dieses Mal in der Gesprächsreihe Arbeits-Früh-Stücke mit der Frage „Frauen in der Tech-Szene – wird die Ausnahme je zum Alltag?“ auseinander. Drei Podiumsgäste diskutieren Fragen rund um das geschlechtliche Ungleichgewicht in Tech-Berufen und was Unternehmen und die Gesellschaft in unseren Arbeitswelten der Zukunft dagegen unternehmen können.
Ein Blick in die Unternehmen zeigt deutlich: Statt gemischter Teams sitzen oftmals ausschließlich Männer an den Rechnern.
„Wir müssen uns verändern! Wir brauchen Frauen – gerade in Führungspositionen. Sie sind Vorbilder. Frauen müssen vorgelebt bekommen, dass Chancen da sind und zwar überall auf dem Arbeitsmarkt und besonders in der Tech-Branche“, sagt Prof. Dr. Wolf-Dieter Lukas, Leiter der Abteilung „Schlüsseltechnologien – Forschung für Innovationen“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Gemeinsam mit Katharina Hochfeld vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO und Christine Hennig von der Gesellschaft für Informatik, Fachgruppe „Frauen und Informatik in der GI“ diskutierte er im Fraunhofer-Forum Berlin, wie man die von Männern dominierte Tech- und Digitalbranche in den Arbeitswelten der Zukunft für Frauen öffnen und attraktiver gestalten kann. Die Veranstaltung wurde moderiert von Esther Löffelbein und Laura Duchnicki vom Berliner Campusradio couchFM.

Die Genderforschung zeigt: Diversity Management gibt es immer öfter – das Bewusstsein ist da. Aber ebenso die festgefahrenen Stereotype. Frauen werden in der Gesellschaft andere Attribute zugesprochen als Männern. Hier heißt es Teamfähigkeit vs. Selbstmarketing. „Um die Lage in den Arbeitswelten zu entspannen, müssen alle Entscheidungsgremien bewusst gleich stark mit Männern und Frauen besetzt werden“, erklärt Katharina Hochfeld. „Frauen sind nach wie vor ein Irritationsfaktor, denn noch sind Männer Männer gewohnt. In den Arbeitswelten der Zukunft müssen sich die Arbeitskulturen ändern und Frauen als Entscheidungsträgerinnen selbstverständlich sein“, so Hochfeld weiter.

Das Umdenken darf allerdings nicht erst in den Arbeitswelten beginnen, sondern das Fundament muss bereits in der Schule gelegt werden. Heute gibt es immer noch wenige Mädchen und junge Frauen in den naturwissenschaftlichen Leistungskursen der Gymnasien. „Gerade in der Schule müssen Mädchen, die sich für die MINT-Fächer begeistern, Widerstände überwinden. Ihnen wird weniger zugetraut als ihren Mitschülern“, sagt Christine Hennig und erhält volle Zustimmung von Prof. Dr. Lukas. Die Anpassung an stereotype Geschlechterrollen passiert in der Pubertät. Hier müssen die Kultusminister der einzelnen Länder und der Bund mehr an einem Strang ziehen.

Mitschnitt des Arbeits-Früh-Stücks am 11.10.2018: Frauen in der Tech-Szene - wird die Ausnahme je zum Alltag?

Datenschutzhinweis:

Zum Aktivieren des Videos müssen Sie auf den Button klicken. Nach dem Aktivieren des Buttons gelten die Datenschutzbestimmungen von Google.

Es darf in der Bildungspolitik nicht länger der Grundsatz gelten: „Redest du nicht drüber, rede ich nicht drüber“, so Prof. Dr. Lukas. Leistungskurse sind keine adäquate Möglichkeit mehr, die Jugendlichen auf die Arbeitswelten der Zukunft vorzubereiten, sind sich alle drei einig. Dafür vermitteln sie zu einseitiges Wissen. „Dadurch, dass die Leistungskurse einen so großen Einfluss auf die spätere Berufswahl haben, wäre es eine Möglichkeit, sich nicht so auf Leistungskurse zu versteifen, sondern bestimmte Kernfächer bis zum Abschluss zu belegen, damit die Auswahlmöglichkeit auch nach dem Abitur größer ist“, so Hochfeld. Denn die Schülerinnen und Schüler müssen heute über ein breiteres Wissen verfügen als noch vor einigen Jahren.

Aber auch die Lehrerinnen und Lehrer müssen ihr Wissen erweitern. „Es kann nicht länger der Leitsatz gelten: Wo Staatsexamen gemacht werden, muss man sich nicht weiterbilden. Der Kunstlehrer sollte heutzutage genauso über Künstliche Intelligenz Bescheid wissen, wie der Sportlehrer einen Algorithmus erklären können sollte. Es muss aufhören, dass man hierzulande sagen kann: Ich bin zuständig, aber ich mache nichts!“, erklärt Prof. Dr. Lukas. Und auch Hennig teilt diese Meinung: Besonders Frauen sollten mehr Verantwortung übernehmen. „Zu sagen: ‚Das läuft nicht gut‘, das kann jeder. Aber zu sagen: ‚Ich will es jetzt ändern, ich mache das und stecke meine Energie da rein’ ist ein viel wichtigerer Schritt.“

Hier muss sich die Gesellschaft ändern. „Wir müssen das Potential der Frauen nutzen. Deutschland ist auch das Land der Gründerinnen. Wir befinden uns im Wandel und der Wandel sollte zu 50 Prozent den Frauen überlassen werden. Ich kann den Frauen nur sagen: Lasst euch nichts gefallen – Frauen sind häufig die Klügeren. Aber diesmal sollten die Klügeren nicht nachgeben“, so Prof. Dr. Lukas abschließend.

12.10.2018

Weitere Informationen:

Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) initiierte vierteilige Gesprächsreihe „Arbeits-Früh-Stücke“ lässt Stimmen aus Wissenschaft und Wirtschaft zu kontroversen Thesen zu Wort kommen und hinterfragt damit Entwicklungen in unseren Arbeitswelten der Zukunft. Neben der Lokal- und Fachpresse sind auch interessierte Bürgerinnen und Bürger eingeladen, sich über die Inhalte und Botschaften des Wissenschaftsjahres 2018 und über innovative (Forschungs-)Projekte zum Thema Arbeitswelten der Zukunft zu informieren und mitzudiskutieren.

Alle Termine des Wissenschaftsjahres 2018 finden Sie in unserem Veranstaltungskalender