Digitale Produktion im Schreinerhandwerk

Ein Expertenbeitrag von Frank Ackermann, Schreinermeister und Geschäftsführer der Ackermann GmbH In den Köpfen vieler Menschen ist das Bild des Schreiners weitestgehend geprägt von Hobelbänken und Handwerkzeug. In unserer betrieblichen Wirklichkeit haben neben der letzten Hobelbank längst digitale Produktionstechniken Einzug gehalten. Dazu zählen bei uns neben CNC-gesteuerten Bohr- und Fräsmaschinen auch zwei Laseranlagen und ein Roboter, der die schon sehr umfangreichen Möglichkeiten einer 5-Achs-CNC-Fräse deutlich erweitert. So eine geballte Ansammlung von gut vorzeigbarer Hardware erfreut zwar jeden Technikbegeisterten, aber wirklich entscheidend sind die Datenaufbereitung und die Software, mit der diese Maschinen angesteuert werden. Die Objekte der Architekten, Designerinnen und Gestalter sind durch so genannte 3D-CAD-Programme (eine computergestützte Konstruktions-Software) deutlich komplexer geworden. Oft sind die entwickelten Geometrien mit traditionellen handwerklichen Möglichkeiten gar nicht mehr herstellbar.

Frank Ackermann hat nach einer klassischen Ausbildung zum Schreiner und einigen Jahren Gesellentätigkeit 1992 die Meisterprüfung erfolgreich abgelegt. Anschließend übernahm er die Ackermann GmbH in der dritten Generation. Die Mitarbeiterzahl ist seitdem von knapp 20 auf etwa 120 gestiegen. Er ist Obermeister der Schreinerinnung Kitzingen und hält deutschlandweit Fachvorträge über Themen wie Konstruktionsmethoden, Fertigungsverfahren und den Einsatz neuer Materialien.

Die Daten der Designerinnen und Designer werden von unseren Konstrukteuren direkt weiterbearbeitet. Zu den vorgegebenen Oberflächengeometrien werden erforderliche Materialdicken und Konstruktionsdetails ergänzt. Im nächsten Schritt wird das Projekt digital in seine Einzelteile zerlegt. Den erzeugten Konturen werden automatisiert Bearbeitungsverfahren wie Sägen, Bohren, Fräsen und Lasern zugeordnet. Anschließend werden sie im Nestingverfahren (ähnlich wie beim Plätzchenstechen) mit minimalem Verschnitt aus großformatigen Platten herausgearbeitet.
Um die erzeugten Einzelteile zusammenzufügen, kommen wieder traditionelle handwerkliche Verfahren zu Einsatz.

Ein aktuelles Projekt ist der Ausbau einer Penthousewohnung über dem Saal der Hamburger Elbphilharmonie: Die einzelnen Bearbeitungsschritte sind in der Bildergalerie gut erkennbar. Zum Einsatz kommen hier Gasbetonblöcke, die auf dem Roboter auf allen sechs Seiten bearbeitet werden.
Alle diese Verfahren werden von gelernten Schreinern ausgeführt. Das Erlernen dieser Techniken verlangt von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine ständige Weiterentwicklung und eine intensive Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der digitalen Techniken.

So ist das eher als traditionell geltende Handwerk keineswegs „von gestern“, sondern nutzt idealerweise alle Möglichkeiten, die die Digitalisierung bietet. Das letzte Glied in der Kette bleibt jedoch auch weiterhin der Mensch. Er wählt die Konstruktion, trifft die Entscheidungen und stößt die Prozesse an.


Die hier veröffentlichten Inhalte und Meinungen der Autoren entsprechen nicht notwendigerweise der Meinung des Wissenschaftsjahres 2018 - Arbeitswelten der Zukunft.