KI in der Dermatologie – KI verändert den Praxisalltag und die zukünftige Dermatologie

Ein Expertenbeitrag von Dr. Philipp Buck, Hautarzt

HautärztInnen kümmern sich um die vielfältigen Erkrankungen des größten Organs des Menschen mit einer vergleichsweise kleinen Zahl an FachärztInnen. Daraus resultiert, dass oftmals sehr wenig Zeit für einzelne PatientInnen bleibt. Zudem entwickelt sich gerade unser Fach rasant und wird immer komplexer mit fast monatlich erscheinenden neuen Medikamenten gegen chronische Hautkrankheiten und die verschiedenen Hautkrebsarten, die eine zeitaufwändige Betreuung der PatientInnen verlangen. Daher sind digitale KI-basierte Assistenzsysteme zur Unterstützung bei der Diagnostik und PatientInnenführung sehr willkommen.

Das visuelle Fach der Dermatologie ist qualifiziert, die Kompetenz der Musteranalyse der Künstlichen Intelligenz zu nutzen. Aufgrund der großen Fortschritte in der Bildanalyse konnte bereits vor knapp zwei Jahren die erste Software zur Bildanalyse von Pigmentmalen zugelassen werden. In zwei aufsehenerregenden Studien konnte gezeigt werden, dass die Künstliche Intelligenz eine höhere Treffsicherheit hat als die große Mehrheit der erfahrenen Dermatologen (die zweite Studie wird in Kürze veröffentlicht).

Es ist gar nicht möglich, alle zur Vorsorge berechtigten Versicherten mit der vorhandenen Zahl an HautärztInnen konventionell zu untersuchen. Aufgrund der großen Zahl wiederholender Leberfleckbeurteilungen besteht durch die KI die Möglichkeit, die Arbeitsabläufe deutlich effizienter zu gestalten indem auffällige (neue und veränderte) Befunde vorsortiert werden. Dadurch können mehr PatientInnen bei zusätzlich besserer Qualität untersucht werden. Die KI nutzen wir bei unklaren Befunden, quasi als digitale Zweitmeinung. Sie unterstützt uns bei der Entscheidung, ob eine Operation erforderlich ist. Dies senkt zusätzlich die Zahl der unnötigen Operationen von gutartigen Leberflecken.

Dr. Philipp Buck ist Hautarzt in zweiter Generation. Seit 2006 ist er als Facharzt mit Kassenzulassung in eigener Praxis niedergelassen. Innerhalb der Dermatologie besteht sein beruflicher Schwerpunkt in der Behandlung von Patienten mit schwerer Neurodermitis und Schuppenflechte sowie in der Hautkrebsdiagnostik und -therapie.

Es besteht zudem die Möglichkeit, mit der KI eine erste Analyse eines vom Patienten als verdächtig empfundenen Leberfleckes zu erhalten, bevor die Ärztin oder der Arzt hinzugezogen wird. Dadurch können wir sehr kurzfristig Termine anbieten. Die vielen harmlosen Flecken werden erst nach der Sprechstunde von der Ärztin oder vom Arzt via mikroskopischer Bilder begutachtet, während PatientInnen längst wieder zu Hause oder bei der Arbeit sind.

Auf diesem Weg verkürzen wir die Zeit zur Diagnose und Therapie von Hautkrebs um mehrere Wochen.

Ausblick

Schon jetzt wird im Rahmen der digitalen Hautkrebs-Filteruntersuche die gesamte Haut des Patienten hochauflösend abgelichtet. Es ist nur ein kleiner Schritt von der Analyse der Pigmentmale zur Analyse der vielen dermatologischen Krankheitsbilder. Anhand der großen Datenbanken, die in den letzten Jahren angelegt wurden, werden bereits jetzt KI-Systeme mit Bildern von Hautkrankheiten trainiert. Diese werden in Zukunft dabei helfen, die Behandlungsbedürftigkeit von PatientInnen zu erkennen und damit dringenden Fällen schneller zu Terminen verhelfen.

Wahrscheinlich wird die erste Beurteilung des Hautleidens in Zukunft bereits vorab via Handyfotos über KI-Apps stattfinden. Dies kann helfen, PatientInnen unnötige Arztbesuche zu ersparen und bei dringendem Handlungsbedarf schneller Termine zu bekommen. Im Gegensatz zu KI-Apps mit rein textbasierter Anamnese-Erfassung , die es für anderen Fachrichtungen wie die Allgemeinmedizin bereits gibt, kann die Bildanalyse die Diagnosequalität in der Dermatologie erheblich verbessern. Ergänzt über mobile Kontakte mit der Fachärztin oder dem Facharzt (asynchrone Kommunikation über gesicherte Medizin-Messenger) können auf diese Weise viele Wege eingespart werden. Gefördert wird diese Entwicklung durch das e-Rezept. Das bedeutet, dass Rezepte vom Arzt in Zukunft nicht mehr auf Papier gedruckt, sondern in elektronischer Form ausgestellt werden. Das e-Rezept soll ab Mitte 2020 erscheinen.

Wünschenswert ist, dass die neue Technologie nicht zu noch weniger HautärztInnen führt, sondern dass wir wieder mehr Zeit für die wirklich bedürftigen PatientInnen erhalten.

Damit die Entwicklung in diese Richtung geht, sollten alle ÄrztInnen die Entwicklung kritisch wirksam unterstützen und mitverfolgen und sie nicht als Bedrohung ansehen.

Die hier veröffentlichten Inhalte und Meinungen der Autorinnen und Autoren entsprechen nicht notwendigerweise der Meinung des Wissenschaftsjahres 2019 – Künstliche Intelligenz.

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