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Forscher entschlüsseln, was Eisberge antreibt

Forscher entschlüsseln, was Eisberge antreibt

Welche physikalischen Kräfte setzen Eisberge im Südpolarmeer in Bewegung?

Entscheidend ist die Größe – Reise dauert bis zu zehn Jahre

An der Antarktischen Halbinsel wird ein riesiger Tafeleisberg vom Larsen-C-Schelfeis abbrechen. Wann genau das passieren wird, weiß niemand. Wohin der neue Eisberg aber treiben wird, das können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven inzwischen mit einiger Sicherheit vorhersagen. Denn ihnen ist es gelungen zu entschlüsseln, welche physikalischen Kräfte Eisberge im Südpolarmeer antreiben. Das ist je nach Größe der Eisberge unterschiedlich.

„Eisberge, die nicht länger und breiter als zwei Kilometer sind, treiben innerhalb weniger Monate von der Schelfeiskante weg und aus dem Küstenbereich heraus. Der Wind drückt sie auf das offene Meer hinaus, wo sie dann im Laufe von zwei bis drei Jahren in kleinere Stücke zerbrechen und schmelzen“, erklärt Thomas Rackow, Klimamodellierer am AWI und Erstautor der Studie, die kürzlich im Fachblatt „Journal of Geophysical Research: Oceans“ erschienen ist.

Der Eisberg vom Larsen-C-Schelfeis wird riesig sein: 175 Kilometer lang, an seiner breitesten Stelle 50 Kilometer breit und damit etwa siebenmal so groß wie das Berliner Stadtgebiet. Bei solchen Kolossen spielt Wind so gut wie keine Rolle; Antrieb ist vor allem das Eigengewicht des Eisbergs und die Tatsache, dass die Oberfläche des Südpolarmeers keine ebene Fläche ist, sondern sich Richtung Norden neigt. „Wenn große Eisberge treiben, dann rutschen sie zunächst die schräge Meeresoberfläche hinunter. Ihre Rutschbahn verläuft dabei jedoch nicht als gerade Linie, sondern schlägt einen Bogen nach links. Der Grund dafür ist die Corioliskraft, welche auf die Erdrotation zurückzuführen ist und die Eisberge letztlich auf eine Bahn parallel zur Küste ablenkt“, sagt Rackow. Die Eisberge bleiben also zunächst in Küstennähe.

Sind sie dann erst einmal in wärmeren Zonen angekommen, beginnen sie an der Unterseite zu schmelzen und folgen je nach Ursprungsort einer der vier „Autobahnen“, die das gesamte schwimmende Eis der Antarktis Richtung Norden führen. Wie weit der künftige Larsen-C-Eisberg treibt, ist davon abhängig, ob er nach dem Abbruch als ganzer Eisberg erhalten bleibt oder in viele kleinere Stücke zerfällt. Bleibt er riesig, „stehen die Chancen gut, dass er zunächst für etwa ein Jahr entlang der Antarktischen Halbinsel durch das Weddellmeer treibt. Dann dürfte er Kurs Richtung Nordosten nehmen. Das heißt, er würde in etwa Südgeorgien und die Südlichen Sandwich-Inseln ansteuern“, sagt Rackow. Bis zu seinem Schmelztod dürfte der Larsen-C-Koloss eine Lebenszeit von acht bis zehn Jahren haben. Älter wird laut den Computersimulationen der Forscher, die für ihre Studie Daten von fast 7000 Eisbergen nutzten, kaum einer der weißen Wanderer.

11.04.2017

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