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Tiere, Technik und Talent

Einblick in den Arbeitstag des Zootierpfleger-Azubis Christoph Ronnisch am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Spricht er auf einer Party über seinen Beruf, sind ihm Aufmerksamkeit und positive Resonanz garantiert: „Wenn ich erzähle, dass ich Tierpfleger bin, kommen meist begeisterte Reaktionen“, sagt Christoph Ronnisch. Der 22-Jährige ist im zweiten Ausbildungsjahr als „Zootierpfleger, Fachrichtung Aquaristik“ am GEOMAR in Kiel beschäftigt. Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel ist eine der führenden Einrichtungen auf dem Gebiet der Meeresforschung in Europa. Am Forschungsinstitut gibt es ein Aquarium, das zudem Heimat ist für eine Vierergruppe von Seehunden. Luna, Krümel, Sally und Kielius sind kleine Berühmtheiten in der Region und so färbt der Ruhm auch ein wenig ab auf den jungen Mann, der sich um sie kümmert.

Das Aquarium ist der Arbeitsplatz des angehenden Tierpflegers, der sich unter 90 Mitbewerberinnen und Mitbewerben durchgesetzt hat. Seine Azubi-Kollegin Inga Ivers und er arbeiten in einem Team, das neben dem Chef Michael Gruber zwei weitere Tierpfleger sowie eine Gruppe von studentischen Hilfskräften umfasst. „Bei uns herrscht ein harmonisches, fast familiäres Arbeitsklima“, schildert Christoph Ronnisch. „Das ist natürlich toll. Wir können uns einbringen, Veränderungen anstoßen und Verantwortung übernehmen. Aus der Berufsschule weiß ich, dass das nicht an allen Arbeitsplätzen so selbstverständlich ist.“

Schon in seiner Kindheit begeisterte sich Christoph Ronnisch für Tiere. Zwar blieben die Eltern hartnäckig dabei, ihm den Wunsch nach Katzen und Hunden als Haustiere zu verwehren. Doch immerhin gab es ein Aquarium im Hause Ronnisch und die Begeisterung des Vaters für die Aquaristik hat sich auf den Sohn übertragen. In Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen und zur Schule gegangen, ist Christoph Ronnisch für seine Ausbildung nach Schleswig-Holstein gezogen, nachdem er die Fachhochschulreife erworben hatte. Im gemeinsamen Haushalt mit der Freundin leben heute zwei Katzen und zwei Geckos – und selbstverständlich auch Fische in Aquarien.

Was schätzt er an seinem Beruf? „Die Abwechslung“, sagt der 22-Jährige. „Kein Tag gleicht dem anderen.“ Los geht ein Arbeitstag mit einem Kontrollrundgang, dabei wird überprüft, ob alle Tiere fit sind. Anschließend geht es an die Fütterung. In verschiedenen Becken tummeln sich vielfältige Fischarten, die durchaus auch unterschiedliche Vorlieben haben, was ihr Futter angeht. Im Tropenbecken ziehen majestätisch so imposante Erscheinungen wie Rotfeuerfische ihre Runden. Die Saugschnapper schlürfen ihre Krebsnahrung blitzschnell ein. Die Netzmuränen hingegen bevorzugen gequetschte Krabben und die Seehunde bekommen Heringe „serviert“. Die Säugetiere sind ihm besonders ans Herz gewachsen: „Der direkte Kontakt zu ihnen ist schon etwas Besonderes“, erzählt Christoph Ronnisch. „Jedes Tier hat seine individuellen Eigenarten. Kielius zum Beispiel, das Männchen, hat die Rolle des Klassenclowns übernommen. Er ist ein ganz eigener Charakter.“

Neben den Aufgaben rund ums tierische Wohl deckt die Ausbildung auch den technischen Bereich ab. Das Aquarium ist ein Lebensraum für verschiedene Tiere und Pflanzen, der – verbunden mit komplizierten technischen Systemen – artgerechte Bedingungen für verschiedenste Organismen bietet. Die Wasseraufbereitung mit mechanischen und biologischen Filtern, Eiweißabschäumern und Algentanks garantiert eine gute Wasserqualität, die es erlaubt, selbst empfindliche Organismen zu halten.

15 Schaubecken mit 500 bis 14.000 Litern sind an verschiedene Kreislaufsysteme für die Wasseraufbereitung angeschlossen. Allein im Nordsee- bzw. Ostseekreislauf zirkulieren insgesamt 30.000 bzw. 50.000 Liter Seewasser mit Temperaturen zwischen 10 und 15 °C und Salzgehalten zwischen 1,3 bzw. 3,6 Prozent. Die tropischen Organismen werden bei 27 bis 29 °C Wassertemperatur und einem Salzgehalt zwischen 3,0 und 3,5 Prozent gehalten – da kommt es auf Verantwortungsbewusstsein und handwerkliches Geschick an, zum Beispiel, wenn Pumpen gesäubert oder ausgetauscht werden müssen.

Und schließlich kann Christoph Ronnisch in seinem Beruf auch seine künstlerische Ader ausleben. Denn die Azubis sind auch involviert, wenn es um die Ausgestaltung und Strukturierung der Aquarien geht, das Modellieren von Tälern und Hügeln mit Sand oder Kies und den Einsatz von Wasserpflanzen. „Ich habe die Entscheidung für diese Ausbildung noch nie bereut“, so der angehende Tierpfleger. „Im Gegenteil, ich bin wirklich rundum glücklich.“

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