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„Das Problem mit dem Plastikmüll wird uns mindestens 100 Jahre verfolgen“

„Das Problem mit dem Plastikmüll wird uns mindestens 100 Jahre verfolgen“

Stephan Horch gründete einen Verein gegen die Vermüllung von Flüssen und Meeren

Umweltschützer sammelt Plastikmüll im Kajak und fotografiert seine Fundstücke

Sein ehrenamtliches Engagement erinnert an die Arbeit einer Müllabfuhr – nur geht es ihm um Plastikabfälle in deutschen Flüssen, die Teile des Mülls auch mit stromabwärts bis ins Meer transportieren. Stephan Horch (43) aus Winningen an der Mosel hat 2012 das Clean River Project gegründet und sammelt Müll im Kajak ein. Ein- bis zweimal wöchentlich paddelt der Fotograf etwa sechs Kilometer über die Mosel und fischt dabei zwei bis drei Müllbeutel voller Plastik aus dem Wasser. Doch sein Einsatz beschränkt sich nicht auf seinen Heimatfluss.

Stephan Horch arbeitet als freier Fotodesigner und Fotokünstler und gründete 2008 das Clean River Project. Er entfernt wöchentlich Plastikmüll aus der Mosel und anderen Fließgewässern und macht damit auf einen nachhaltigen Umgang mit Plastikmüll aufmerksam.

Was möchten Sie mit dem Projekt erreichen?

Wir möchten den Menschen bewusst machen, dass sie vernünftiger mit Plastikmüll umgehen sollten und ihn vor allem nicht in der Natur entsorgen. Vielen ist nicht bewusst, dass über die Flüsse sehr viel Müll in die Meere fließt und dort am Ende ein großes Problem verursacht. Darauf machen wir aufmerksam.

Wie kamen Sie auf die Idee, das Projekt zu starten?

Wir sind mit dem Kajak-Verein über den Rhein gepaddelt, haben einen platten, durchnässten Fußball gefunden und ihn am Ufer in einen Mülleimer geschmissen. Danach wurde mir bewusst, was sonst noch alles im Fluss schwimmt: Plastikflaschen, Verpackungen von Süßigkeiten, Plastiktüten, Styropor, Nahrungsverpackungen, Kinderspielzeug, Flaschendeckel und so weiter – es ist erschreckend, wie viel Plastik die Menschen einfach wegwerfen. Sogar eine Schreibmaschine und ein Schlauchboot habe ich schon gefunden.

Haben Sie Partner, die Sie bei Ihrer Mission unterstützen?

Wir haben gerade einen Verein gegründet mit dem Ziel, Menschen bundesweit zu motivieren, selbst aktiv zu werden – egal, ob auf Flüssen oder bei ihren Spaziergängen. Wir wollen das Projekt auf ganz Deutschland ausweiten.

Sind Sie selbst ausschließlich auf der Mosel aktiv?

Ich war schon auf Weser, Elbe, Saale, Altmühl und Lahn unterwegs und bin in 13 Tagen 450 Kilometer über den Rhein bis in die Nordsee gepaddelt. Ich lebe zwar an der Mosel, fühle mich mit dem Meer aber tief verbunden. Ich freue mich über jedes Plastikteil, das nicht im Meer landet. Für 2017 plane ich wieder eine längere Tour auf einem deutschen Fluss, aber es steht noch nicht fest, wohin sie führt.

Was machen Sie mit dem Müll, den Sie aus dem Wasser ziehen?

Ich entsorge ihn ordnungsgemäß, aber zuvor setze ich alle Fundstücke visuell in Szene und fotografiere sie. Die Bilder präsentiere ich im Internet und in einer Wanderausstellung: Ich möchte den Menschen vor Augen führen, wie dramatisch die Verschmutzung der Flüsse mittlerweile ist. Von Besuchern der Ausstellung und unserer Internet-Seite bekomme ich sehr viele positive Rückmeldungen. Viele Menschen beginnen, selbst Müll einzusammeln, sei es beim Spaziergang mit dem Hund oder am Strand.

Wie hat sich die Belastung der Flüsse mit Plastikmüll in den letzten Jahren entwickelt?

Sie verschlechtert sich zusehends. Ich habe in diesem Jahr einen sogenannten Hotspot, an dem sich aufgrund der Strömung des Wassers besonders viel Müll ansammelt, komplett aufgeräumt. Sechs Wochen später bin ich zurück an die gleiche Stelle gepaddelt und fand genauso viel Plastikmüll wie zuvor.

Sehen Sie einen Moment in der Zukunft, in dem Ihre Mission erfüllt sein könnte?

Nein, das Problem der Belastung der Umwelt mit Plastikmüll wird uns mindestens 100 Jahren verfolgen. Und ich werde daran arbeiten, solange ich lebe. Das Engagement für das Projekt ist mein Beitrag, etwas zu verändern und die Welt etwas besser zu machen.


19.12.2016

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