Zur Elbschwimmstaffel
Jakobsmuscheln entwickeln in Aquafarmen eigene Genmerkmale

Jakobsmuscheln entwickeln in Aquafarmen eigene Genmerkmale

Studie zu den Jakobsmuscheln Nordirlands

Muscheln passen Form und innere Färbung den Umweltbedingungen an

Die Jakobsmuschel besticht durch ihre schöne Fächer-Schale. Geschmacklich überzeugt die Meeresfrucht mit ihrem festen Muskelfleisch und ihrem korallenfarbigen Rogen.

Um den Bedarf der Gastronomie nach diesen Delikatessen zu decken, züchtet die Fischerei-Industrie die Schalentiere in Aquafarmen am Meer. Dabei prägen Zuchtexemplare andere Genmerkmale aus als ihre Artgenossen in natürlicher Umgebung. Das belegt eine Studie von Verhaltensökologen der Universität Bielefeld.

Jakobsmuscheln aus Norwegen, Schottland und Irland gelten unter Spitzenköchen und Gourmets als besonders edel. Bielefelder Biologinnen und Biologen haben nun insgesamt neun Populationen von der Küste Nordirlands untersucht. „Von den neun untersuchten Populationen der Jakobsmuschel unterscheidet sich nur eine genetisch deutlich von den anderen, und das ist die künstlich gezüchtete Art“, berichtet Joseph Hoffman, Leiter der Forschungsgruppe Molekulare Verhaltensökologie. Die Forscherinnen und Forscher haben die Gene per RAD-Sequenzanalyse untersucht. „Die genetische Architektur ist das Gerüst der Erbanlagen, das bestimmt, welches äußere Erscheinungsbild ein Organismus annehmen kann – wie groß zum Beispiel eine Muschel werden kann oder ob sie eine rote Maserung ausbilden kann“, erklärt David Vendrami. Der Erstautor der Studie untersuchte insgesamt 180 Muschel-Proben. Das Agri-Food and Biosciences Institute in Belfast sammelte sie im Februar 2015 bei einer Exkursion an der nordirischen Atlantikküste.

Die Forscherinnen und Forscher haben über die genetische Untersuchung der Proben hinaus eine weitere grundlegende Entdeckung gemacht. Die Studie legt nahe, dass die Muscheln ihre letztendliche Form und innere Färbung den Umweltbedingungen anpassen. Das passiere unabhängig davon, ob es sich um Exemplare aus der Züchtung oder den acht natürlichen Populationen handelt. „Wir haben geprüft, inwieweit die Erbanlagen und das Erscheinungsbild zusammenhängen. Das ist aber sehr wahrscheinlich nicht der Fall. Die äußeren Eigenschaften der Muschel hängen sehr wahrscheinlich von der Umgebung ab“, erläutert Vendrami.

Die Forschungsergebnisse wurden jetzt im Magazin „Royal Society Open Science“ veröffentlicht. Sie erlangen ihre Bedeutung vor dem Hintergrund des Klimawandels und seinen Auswirkungen auf die Fischerei. Die Muschelindustrie erzielt mit Austern, Mies- und Jakobsmuscheln einen geschätzten Jahresumsatz von 526 Millionen Euro. Versauern und erwärmen sich die marinen Lebens- und Zuchträume, wird sich das auch auf das Wachstum der Jakobsmuschel auswirken.

Als nächstes werden Hoffman, Vendrami und ihre Kolleginnen und Kollegen ihre Forschung auf die gesamte atlantische Küste, von Norwegen bis Portugal, sowie auf das Mittelmeer ausweiten. Auch dort werden sie der Frage nachgehen, inwieweit sich die unterschiedlichen Umweltbedingungen auf das Wachstum der Jakobsmuscheln und anderer Schalentiere auswirken.

09.02.2017

Metadaten zu diesem Beitrag

Schlagworte zu diesem Beitrag:

Mehr zum Themenfeld: