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Warum schwanken die Krill-Bestände in der Antarktis?

Warum schwanken die Krill-Bestände in der Antarktis?

Eine neue Studie liefert die Antwort

Studie untersucht die Rolle des Krills im Ökosystem des Südpolarmeers

Ein Krill kommt selten allein. Pro Kubikmeter Wasser können sich bis zu 30.000 der wirbellosen Geschöpfe tummeln. Lange Zeit rätselten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, warum die Größe der Krill-Bestände in der Antarktis immer wieder stark schwankt. Ein internationales Team um Professor Bernd Blasius, Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) der Universität Oldenburg, und Professorin Bettina Meyer, Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), zeigt nun: Der Krill macht sich selbst im Herbst das Leben schwer und konkurriert mit seinen Artgenossen um Nahrung. Das verursacht offenbar die Schwankungen innerhalb der Population.

Bekannt ist der antarktische Krill (Euphausia superba) vor allem als Walfutter. Krillschwärme bilden die Basis im Nahrungsnetz der südpolaren Gewässer. Sie ernähren zahlreiche Robben-, Fisch- und Vogelarten und das fast ausschließlich.

Bislang vermuteten Expertinnen und Experten, dass klimatische Faktoren, wie das jahreszeitlich geprägte Polarklima, den sogenannten Krillzyklus auslösen. Die Analysen der Forscherinnen und Forscher aus Oldenburg und Bremerhaven deuten nun darauf hin, dass vor allem Rückkopplungen innerhalb der Population den Zyklus verursachen.

Der Krill lebt äußerst energieeffizient von anderen Planktonorganismen. Gerade im antarktischen Herbst konkurrieren die Kleinkrebse innerhalb des Schwarms jedoch vermehrt um Nahrung. In dieser Zeit müssen Larven und ausgewachsene Tiere ausreichende Fettreserven für den Winter anlegen. Gleichzeitig nimmt die Nahrung des Krills aufgrund der kürzer werdenden Tage stark ab. Größere Krillbestände müssen längere Zeit hungern, überwintern und sich fortpflanzen. All dies lässt die Schwarmgrößen schwanken. Bisher hielten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eher den Winter für die kritische Jahreszeit. Wenn weite Teile des südlichen Ozeans vereisen, gibt es für die Kleinkrebse nur wenig Nahrung. „Unsere Ergebnisse werfen jedoch ein neues Licht auf diese Annahme“, sagt Bettina Meyer vom AWI.

Die Studie, jüngst im Fachmagazin „Nature Ecology and Evolution“ veröffentlicht, basiert auf einem eigens entwickelten bioenergetischen Modell. Es bildet das Wachstum des Krills vom Ei bis zum ausgewachsenen Tier ab und setzt den Prozess in Zusammenhang mit der Nahrungsverfügbarkeit. „Die Ergebnisse dieser Simulationen stimmten gut mit den über einen Zeitraum von 18 Jahren tatsächlich beobachteten Zyklen überein“, erklärt Bernd Blasius vom ICBM. Die Schlüsselrolle des Krills im Ökosystem sei unbestritten. Es gehe jedoch darum, das Nahrungsnetz im Südpolarmeer noch besser zu verstehen. Was passiert, wenn die Zahl der großen Räuber wie Wale, Robben und Pinguine sinkt? Welche Auswirkungen hat das auf den Krill und das gesamte Nahrungsnetz? Umgekehrt könnte ein erhöhter Jagddruck auf den Krill dessen Bestände sogar stabilisieren. „Jeder Faktor, der dieses empfindliche Gleichgewicht ändert, kann drastische Auswirkungen auf das gesamte antarktische Ökosystem haben“, schlussfolgert Bernd Blasius.

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