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Fischfressende Fische vertragen auch pflanzliche Kost

Fischfressende Fische vertragen auch pflanzliche Kost

Dieses Ergebnis ist insbesondere für die Aquakultur von Bedeutung

Fütterungsversuch zeigt: Verdauungssystem passt sich vegetarischer Ernährung an

Vielen fischfressenden Fischarten mundet offenbar auch vegetarische Kost. Diesen Schluss lässt die Studie eines internationalen Forscherteams zu, für die Regenbogenforellen mehrere Monate lang mit rein pflanzlichem Futter versorgt wurden. Das Ergebnis ist insbesondere für die Aquakultur von Bedeutung, der kontrollierten Aufzucht von Speisefisch, von der sich Fachleute eine Entlastung der durch Überfischung gefährdeten Weltmeere versprechen.

Forellen lassen sich ebenso wie zum Beispiel Lachs gut in der Aquakultur aufziehen. Zur Fütterung dieser Raubfische wird in den Farmen Fischmehl verwendet, das aus sogenannten Beutefischen wie Sardinen hergestellt wird. Könnte man das Futter zumindest teilweise durch pflanzliche Nahrung ersetzen, würden wildlebende Fischbestände erheblich geschont. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Kiel, der Gesellschaft für Marine Aquakultur (GMA) in Büsum und der Dalhousie-Universität im kanadischen Halifax gingen nun der Frage nach, ob pflanzliches Futter von fischfressenden Speisefischen überhaupt verdaut werden kann und wenn ja, wie.

Ergebnis eines Fütterungsversuchs: Die Magen-Darm-Bakterien der untersuchten Regenbogenforellen konnten sich an die vegetarische Nahrung anpassen. Ihre Zusammensetzung im Verdauungsprozess glich sich in den drei Monaten der pflanzlichen Fütterung den Fischarten an, die sich auch sonst vegetarisch ernähren, wie Stéphanie Céline Michl von der GMA, Erstautorin der im Fachblatt „PLOS ONE“ veröffentlichten Studie, sagt. So erhöhte sich zum Beispiel bei den Forellen der Anteil bestimmter Milchsäurebakterien. Diese sorgen bei Fischarten, die pflanzliches Futter bevorzugen, für eine Fermentation von Kohlenhydraten oder Pflanzenfasern, die der Fisch ansonsten nicht besonders gut verdauen kann.

„Die Ergebnisse waren umso erstaunlicher, als dass sich das Mikrobiom der Forelle wieder änderte, als wir nach drei Monaten das Futter auf Fisch umstellten“, berichtet die Biologin. Weitere Studien sind nun geplant. „Wenn wir es schaffen würden, die Aufzucht von Fisch fressenden Fischarten in der Aquakultur mit rein pflanzlichem Futter sicherzustellen, könnte die Aquakultur zur weiteren Entlastung wildlebender Fischbestände beitragen und einen besonders nachhaltigen Beitrag zur Schonung der Ressourcen im Ozean leisten“, betont die Büsumer Aquakulturforscherin.


13.06.2017

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