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Wie viel arktisches Meereis lässt du schmelzen?

Wie viel arktisches Meereis lässt du schmelzen?

Eisausdehnung in der Arktis so gering wie noch nie

Studie beziffert persönlichen Beitrag zur Eisschmelze in der Arktis

Das arktische Meereis schmilzt. Hält der Klimawandel weiter an, wird die verbliebene Sommereisdecke auf dem Ozean weiter schwinden. Die CO₂-Emissionen sorgen dafür, dass sich das Klima auch über der Arktis immer mehr aufheizt. Aber was trägt jeder Einzelne von uns zu diesem Prozess bei? Das haben Forscher vom Max-Planck-Institut für Meteorologie (MPI-M) in Hamburg und vom National Snow and Ice Data Center (NSIDC) in Colorado jetzt berechnet. So lässt beispielsweise ein Flug von Frankfurt nach San Francisco pro Passagier fünf Quadratmeter Arktiseis verschwinden.

Der Studie zufolge gilt die Hälfte der Sommereisdecke bereits als verloren. Für jede Tonne CO₂, die irgendwo auf der Erde freigesetzt wird, verschwinden weitere drei Quadratmeter sommerliches Eis in der Arktis. Den Berechnungen liegt ein einfacher, linearer Zusammenhang zugrunde, erläutert Erstautor Dr. Dirk Notz vom MPI-M. „Vereinfacht ausgedrückt, erwärmt sich pro Tonne Kohlendioxid das globale Klima um ein kleines bisschen. Um diese Erwärmung auszugleichen, bewegt sich der Eisrand des arktischen Packeises ein kleines Stück in Richtung Nordpol, weil dort die Sonneneinstrahlung schwächer wird. Hierdurch nimmt dann die Eisfläche entsprechend ab. Aus geometrischen Gründen ergeben diese Prozesse den beobachteten, linearen Zusammenhang“, führt Notz weiter aus. Seine Koautorin Professorin Julienne Stroeve ergänzt: „Bisher hat sich der Klimawandel immer irgendwie abstrakt angefühlt. Unsere Ergebnisse stellen dieses Gefühl fundamental in Frage.“ Die Folgen des Klimawandels würden so auf ein persönlich nachvollziehbares Maß heruntergebrochen.

Die Studie, jüngst veröffentlicht in der Zeitschrift „Science“, basiert auf Daten aus dem Zeitraum zwischen 1952 und 2015 und wagt drastische Prognosen: Laut momentaner Sachlage und Berechnungen der Forscher wird zumindest das sommerliche Meereis etwa bis zur Mitte des Jahrhunderts ganz verschwinden.

Auch das im Klimavertrag von Paris festgelegte Ziel, die Erderwärmung solle zwei Grad über den vorindustriellen Temperaturwerten nicht überschreiten, kann den Prozess wohl nicht aufhalten. Werden noch weitere etwa 1000 Gigatonnen CO₂ ausgestoßen, wird das Eis wohl vollständig abschmelzen. Das arktische Meereis habe nur dann im Sommer eine Überlebenschance, wenn das Zwei-Grad-Ziel in neuen Verhandlungen auf anderthalb Grad Celsius korrigiert werde.

2016 gab es so viele offene Wasserflächen am Nordpol wie nie zuvor, Nordost- und Nordwestpassage waren im Sommer für Schiffe befahrbar. Das schwindende Eis schwächt Meeresströmungen und verändert das Klima der Nordhalbkugel. Seit Mitte Oktober ist die Eisausdehnung in der Arktis so gering wie noch nie zuvor zu dieser Jahreszeit.

17.11.16

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