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Das Blaue Telefon: Ihre Fragen zum Thema Meere und Ozeane

Es ist, bildlich gesprochen, so blau wie der Ozean weit draußen auf hoher See: das Blaue Telefon. In der gleichnamigen Rubrik beantwortet die Zeitschrift mare, Medienpartner des Wissenschaftsjahres 2016*17, in Zusammenarbeit mit MARUM, dem Bremer Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, in jeder Ausgabe Fragen ihrer Leser. 

Wenn auch Sie eine Frage ans Blaue Telefon haben, schreiben Sie eine E-Mail an wat(at)mare.de.


Wie alt werden die Kaiserpinguine in der Antarktis?

Erstaunlicherweise gibt die Literatur auf den ersten Blick nur wenig zum Thema her. Offenbar erforschen die Biologen, die sich mit diesen Tieren befassen, eher ihre Rolle im polaren Nahrungsnetz. Der englische Autor Richard Laws behauptet in seinem Buch Antarctica – The last frontier, Kaiserpinguine würden eventuell bis zu achtzig Jahre alt. Eine überraschende Aussage, die bei Fachleuten auf ungläubiges Staunen stößt. Rory Wilson, Pinguinexperte aus Kiel, meint: „Ich wäre sehr überrascht, wenn Kaiserpinguine in freier Natur älter als zwanzig Jahre werden“.

Ähnliche Zahlen werden auch für andere Pinguinarten genannt. Während Königspinguine im Zoo schon bis zu 28 Jahre alt wurden, erreichen die putzigen Vögel unter den harschen Bedingungen des Sechsten Kontinents kaum mehr als 15 Lebensjahre. Und auch dazu müssen die jungen Königspinguine erst einmal ihren ersten Winter überleben. Kaiserpinguine brüten auf dem winterlichen Packeis. Wenn ihre Kücken schlüpfen, ist zwar der Frühling im Anmarsch. Doch falls die Packeisdecke zu früh oder zu spät aufbricht, kann dies für den gesamten Nachwuchs einer Kolonie den Tod bedeuten.


Wie überleben Baikalrobben im Winter, wenn der See zugefroren ist?

Der Baikalsee, mit 1.620 Metern der tiefste See der Welt, ist ein faszinierendes Ökosystem. Er bietet auch Lebensraum für die Baikalrobbe, einem Säugetier, das sich von seinen arktischen Verwandten durch ein helleres Fell und ein deutlich größeres Blutvolumen unterscheidet. Wenn die Durchschnittstemperaturen im Januar und Februar auf minus 19 Grad Celsius fallen, schließt sich die Eisdecke des Sees und bricht erst im Mai wieder auf. Um Sauerstoff aufzunehmen, müssen die Nerpas, wie die Baikalsäuger genannt werden, Atemlöcher offen halten. Ihre scharfen Krallen sind dafür das geeignete Werkzeug. So schaffen es die Tiere, von denen vermutlich weit weniger als 100.000 im Baikalsee leben, die mehr als einen Meter mächtige Eisdecke stellenweise durchlässig zu halten.

Schneewehen nahe den Atemlöchern sind geeignete Rückzugsräume, in denen Muttertiere ihre gelb-grünlich gefärbten Robbenbabys gebären. Um den Nachwuchs aufzuziehen, gehen Nerpas auf Tauchgänge, die mehr als eine Stunde dauern können. Dabei entwickeln sie ordentlich Appetit: Drei Kilogramm Fisch sind ihre tägliche Ration.


Wie nennt man den Teil des Eisbergs unterhalb der Wasserlinie?

Da muss es doch einen Namen geben, dachte sich Stefan Schaaf und wandte sich an das Blaue Telefon. Und richtig. „Der im Wasser verborgene Teil eines Eisbergs heißt Kiel“, wusste Dr. Jürgen Holfort vom Eisdienst des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie in Rostock sofort. Denn: Form und Farbe – seltener die Größe – von Eisbergen erinnern bisweilen an majestätisch und lautlos dahinziehende Segelyachten. Und wie bei diesen liegt auch bei den Eisriesen der größte Teil der Masse – bis zu acht Neuntel – unter Wasser.

Trotzdem kentern oder rollen Eisberge manchmal. Wellen, Wind und Sonne zermürben seinen aus dem Wasser ragenden Teil. Und weil das Eis ungleichmäßit schmiltz, ändert sich der Schwerpunkt von Eisbergen von Zeit zu Zeit – oder sie brechen auseinander. Dabei entstehen unterschiedlichste Größen und Formen. Auch diese haben Namen: Tafeleisberg – wegen der tischglatten Oberfläche –, Bergy Bit oder Growler.

Bergy Bits ragen nur ein bis vier Meter aus dem Wasser, sind also keine Berge mehr. Sie sind leicht zu übersehen und daher für die Schifffahrt gefährlich. Growler (vom Englischen growl = knurren), bis zu einem Meter große Brocken, knurren wirklich. Schaukeln sie in den Wellen, wird Luft in Eisspalten komprimiert und verursacht das namensgebende Geräusch.


Ist der Verzehr von Skrei vertretbar?

Der Bestand des nordostarktischen Kabeljaus in der Barentssee ist der größte weltweit. Im Winter ziehen die Fische zu den nordnorwegischen Inselgruppen der Vesterålen und Lofoten, um dort zu laichen. Weil sie während der langen Wanderung an Muskelmasse gewinnen und daher besonders gut schmecken, ist der Winterkabeljau, der Skrei, zu Recht beliebt. Und er lässt sich guten ökologischen Gewissens genießen, obwohl er vor oder während des Laichens in die Netze geht: „Die Fischerei auf Skrei hat nur einen geringen Anteil an den Fangmengen des nordostarktischen Kabeljaus“, sagt Dr. Bjarte Bogstad, der am Institut für Meeresforschung im norwegischen Bergen die Entwicklung der Kabeljaubestände in der Barentssee verfolgt und prognostiziert: „Derzeit wird dieser Bestand auf nachhaltige Weise bewirtschaftet.“ Dies bekräftigt der ICES, der Internationale Rat für die Nutzung der Meere.

Das Netzwerk aus mehr als 4.000 Wissenschaftlern sieht den Barentssee-Bestand im grünen Bereich und empfahl für 2016 eine maximale Fangmenge von 805.000 Tonnen. Auch der Fischratgeber des Umweltverbands WWF stuft den Konsum vom nordostatlantischem Kabeljau derzeit als „noch empfehlenswert" ein. Einziger Wermutstropfen: „Aufgrund unzureichender Kartierung der Fischgründe können wir nicht ausschließen, dass die Grundschleppnetze, mit denen Kabeljau gefangen wird, Kaltwasserkorallenriffe zerstören“, gibt Karoline Schacht, Fischereiexpertin des WWF zu bedenken.