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Das Blaue Telefon: Ihre Fragen zum Thema Meere und Ozeane

Es ist, bildlich gesprochen, so blau wie der Ozean weit draußen auf hoher See: das Blaue Telefon. In der gleichnamigen Rubrik beantwortet die Zeitschrift mare, Medienpartner des Wissenschaftsjahres 2016*17, in Zusammenarbeit mit MARUM, dem Bremer Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, in jeder Ausgabe Fragen ihrer Leser. 

Wenn auch Sie eine Frage ans Blaue Telefon haben, schreiben Sie eine E-Mail an wat(at)mare.de.


Wie groß sind die förderbaren Rohstoffreserven in der Antarktis?

Aufgrund ihrer geologischen Geschichte werden in der Antarktis reiche Rohstoffvorkommen vermutet. Nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe sind auf der Antarktischen Halbinsel etliche Kupfer- bzw. Molybdänvorkommen bekannt.

Andernorts lagern Eisenerz und Kohle. All diese Rohstoffe sind aber vor dem Zugriff durch den Menschen geschützt. Denn für den sechsten Kontinent gilt ein strenges Umweltprotokoll. Es trat 1998 in Kraft. Artikel 7 des Protokolls untersagt den kommerziellen Abbau mineralischer Ressourcen. Auf absehbare Zeit werden also keine Rohstoffe auf dem eisigen Kontinent gefördert werden. Das wäre aufgrund der Abgelegenheit der Region und des bis zu vier Kilometer dicken Eispanzers ohnehin mit sehr hohen Kosten und Risiken verbunden. Anders sieht es im angrenzenden Südpolarmeer aus. Dort geht es allerdings nicht um mineralische, sondern um biologische Rohstoffe. Südlich des 60. Breitengrads werden jährlich 200.000 Tonnen Krill gefangen. Die wichtigste fischereiliche Nutzung stellt jedoch der Langleinenfang auf Schwarzen Seehecht bzw. auf Antarktischen Schwarzen Seehecht mit Grenadierfischen und Rochen als Beifang dar. „Zwar sind die Seehechtbestände in einzelnen Regionen des Südpolarmeers durch illegale Fischerei zurückgegangen“, berichtet Dr. Karl-Herman Kock, bis zu seiner Pensionierung Mitarbeiter des Hamburger Instituts für Seefischerei. „Aber derzeit werden die meisten Bestände nachhaltig genutzt.“


Werden Offshore-Windparks die neuen Kinderstuben für Fische in Nord- und Ostsee?

Aus Sicherheitsgründen ist der normale Schiffsverkehr innerhalb von Offshore-Windparkanlagen verboten. Das gilt auch für Fischereifahrzeuge.

Um zu überprüfen, welchen Einfluss Windräder und Fischereiverbot auf die Meerestiere haben, sind langjährige Untersuchungen vonnöten. Windparkbauer sind verpflichtet, vor, während und nach dem Aufbau der Windkraftanlagen ein ökologisches Monitoring durchzuführen. Die erste Studie dieser Art legte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie im Herbst 2013 zum ersten deutschen Offshore-Testfeld Alpha Ventus vor. Demnach bilden die Fundamente der Anlagen künstliche Riffe, an denen sich Muscheln, Seeanemonen, Seelilien und Seesterne ansiedeln. Bei diesen Arten, aber auch bei Fischen nahm die Artenvielfalt zu. Doch Naturschutzverbände warnen vor einer verfrühten und allzu optimistischen Auslegung, da weitere und längerfristige Studien nötig seien. Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts wollen die geschützten Windparkflächen für die kombinierte Aufzucht von Fischen, Muscheln, und Algen nutzen. In einem weiteren Pilotprojekt haben sie im Sommer 2014 rund 12.000 Junghummer im Windpark Riffgat ausgewildert. Ersten Auswertungen zufolge scheinen die im Labor aufgezogenen Tiere gute Überlebenschancen zu haben. Ob dies ein Erfolg von Dauer ist, müssen Untersuchungen in den kommenden Jahren zeigen.


Warum findet man Bernstein von St. Peter Ording an der Nordsee bis nach Mecklenburg, nicht aber auf der dänischen Insel Bornholm?

Irrtum. Bernstein kommt – wenn auch selten – auch auf Bornholm vor. Allerdings findet man es am ehesten nach Herbst- oder Frühjahrsstürmen, wenn die Bernsteinbrocken von auflandigen Winden am Spülsaum der Strände abgelagert werden.

Man muss die schöne Insel also nur außerhalb der touristischen Hochsaison aufsuchen, um fündig zu werden. Prinzipiell kann man in ganz Nordeuropa auf Bernstein stoßen. Vor 40 bis 50 Millionen Jahren erstreckte sich der so genannte Bernsteinwald vermutlich von Bornholm bis nach Nida in Litauen bzw. vom estländischen Tallin bis nach Stockholm. Die Bäume produzierten sehr viel Harz, in dem manchmal Insekten, Spinnen und Samen eingeschlossen wurden.
Nachdem der Bernsteinwald infolge des ansteigenden Meeresspiegels abgestorben war, spülte das Meer das angesammelte Harz fort. Die leichten Brocken des zu Bernstein verhärteten Harzes lagerten sich in ruhigen Meeresbecken ab. So vor dem heutigen Danzig, aber auch im Samland. Im blaugrünen tonigen Sand, der heute als „blaue Erde“ bezeichnet wird, lagern vermutlich bis zu einer Million Tonnen Bernstein. Die „blaue Erde“ ist durch verschiedene Umlagerungen von Kiew bis nach England verbreitet. Auf besonders reiche Vorkommen stößt man in der Nähe von Kaliningrad, das deshalb den Beinamen „Blaues Land“ trägt. Dort werden 90 Prozent des weltweit gehandelten Bernsteins abgebaut.


Weshalb sind Wasserflächen nachts ruhiger als tagsüber?

Die Sonne versorgt uns mit Energie. Ihr Licht und ihre Wärme lassen Pflanzen wachsen, Winde wehen und bewegen Meere. Sie ruft Druckunterschiede in der Atmosphäre hervor, die Luft von Orten hohen Drucks zu Orten niedrigen Drucks strömen lassen: So kommt Wind auf.

Neben großräumigen und langfristig recht stabilen Windsystemen wie den Passaten reagiert die Luft auch auf schnelle lokale Veränderungen, etwa wenn sich eine Wolke vor die Sonne schiebt – was man bisweilen am kleinflächigen Gekräusel auf Wasseroberflächen beobachten kann. Auch die Tatsache, dass sich das Land schneller erwärmt als das Wasser, bewegt die Luft und damit das Wasser: Über dem Land steigt warme und somit leichte Luft auf. Von See oder großen Wasserflächen strömt Luft nach. In der Nacht kehrt sich der Effekt ins Gegenteil: Dann weht der Wind in Richtung des Wassers, da sich dieses langsamer abkühlt als die feste Erde. Dieser ablandige Wind ist schwächer als auflandiger Wind und durch Küstenabdeckung weniger wahrnehmbar. So wehen die Winde nachts schwächer und bewegen damit auch das Wasser weniger.