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Das Blaue Telefon: Ihre Fragen zum Thema Meere und Ozeane

Es ist, bildlich gesprochen, so blau wie der Ozean weit draußen auf hoher See: das Blaue Telefon. In der gleichnamigen Rubrik beantwortet die Zeitschrift mare, Medienpartner des Wissenschaftsjahres 2016*17, in Zusammenarbeit mit MARUM, dem Bremer Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, in jeder Ausgabe Fragen ihrer Leser. 

Wenn auch Sie eine Frage ans Blaue Telefon haben, schreiben Sie eine E-Mail an wat(at)mare.de.


Wie weit können Fliegende Fische fliegen?

In den tropischen und subtropischen Gewässern der Weltozeane leben etwa 40 Arten Fliegender Fische. Sie sind alle recht klein; die größten Exemplare erreichen nicht mehr als 45 Zentimeter Länge. Besondere Kennzeichen sind, je nach Art, zwei oder vier vergrößerte, flügelartige Flossen. Sie verleihen den Fischen die Fähigkeit, aus dem Wasser zu schießen und ein Stück weit über der Ozeanoberfläche zu gleiten. 

So gesehen müsste man eigentlich von gleitenden Fischen sprechen, denn die aparten Tiere bewegen sich über Wasser keineswegs flossenschlagend vorwärts. Vielmehr halten sie ihre Flossen während des Gleitflugs starr von sich gestreckt. Meist sind sie auf der Flucht vor ihren Fressfeinden, wenn Sie mit Geschwindigkeiten von bis zu 16 Stundenkilometern abheben. Ein probates Mittel, denn pro Flug werden bis zu 180 Meter gleitend zurückgelegt. Gelegentlich fallen die Fische auf die Wasseroberfläche zurück, schlagen kurz mit der Schwanzflosse, um so noch einmal Fahrt aufzunehmen und erneut abzuheben. Solche „Mehretappenflüge“ können bis zu 45 Sekunden dauern. In dieser Zeitspanne legen die Meeresbewohner um die 400 Metern zurück. In der Regel segeln sie dabei in geringer Höhe über dem Wasser dahin.
Seeleute haben aber immer wieder berichtet, dass Fliegende Fische auf Achter- und Vordeck „notgelandet“ sind. Dies gilt indes wohl mehr für Hochseeyachten als für hoch aufragende Fracht- oder Forschungsschiffe. Mehr als zwei bis drei Meter Flughöhe dürften Fische also nur selten erreichen.


An welchen Strand kehren Schildkröten zurück?

Meeresschildkröten legen unglaublich weite Strecken im Meer zurück und entfernen sich dabei je nach Art mehrere hundert bis tausend Kilometer weit von ihrer Geburtsstätte. Nach 20 bis 30 Jahren kehren die Weibchen zur Eiablage erstmals an jenen Strand zurück, an dem sie einst geschlüpft sind. 

Der gefährlichste Abschnitt der Reise beginnt direkt nach dem Schlüpfen, wenn die nur wenige Zentimeter großen Jungtiere über den Strand Richtung Ozean krabbeln und allzu leicht von Möwen und anderen Raubvögeln gefressen werden. Und im Meer warten Haie und weitere Fressfeinde. Kein Wunder daher, dass von tausend geschlüpften Schildkröten durchschnittlich nur ungefähr eine das Erwachsenenalter erreicht. Da liegt die Idee nahe, die Nester in geschützte Gebiete umzusiedeln, damit die erwachsenen Meeresschildkröten automatisch in die Schutzgebiete zurückkehren. „Umsiedlungen von nur ein paar hundert Metern hätten kaum Auswirkungen, da die Treue zum ursprünglichen Niststrand nicht allzu eng gesehen werden darf“, erklärt Dr. Hiltrud Cordes von der Turtle Foundation. „Jeder Eingriff in dieses empfindliche System muss unter großem Aufwand kontrolliert werden; z. B. müsste jeder einzelne Schlüpfling markiert werden. Doch wer kann sagen, ob das Schutzprogramm in 20 Jahren, wenn die ersten markierten Schildkröten zurückkämen, noch existiert, oder der geschützte Strand noch immer sicher ist? Daher plädieren wir dafür, den Aufwand für den Schutz am ursprünglichen Niststrand zu betreiben.“


Wird das Wasser bei auflandigem Wind wärmer?

„Als Faustregel gilt, dass Wasser in Küstennähe bei ablandigem Wind kühler ist als bei auflandigem Wind“, erklärt der Meteorologe Thomas Schmidt vom Deutschen Wetterdienst. Ablandiger Wind weht vom Land zum Meer und schiebt dabei die oberste Wasserschicht, die normalerweise am wärmsten ist, vor sich her. 

Zum Ausgleich drängt von unten kälteres Wasser nach, und die Wassertemperatur sinkt. Bei Windstille heizt die Sonne – wenn sie denn scheint – die Wasseroberfläche zwar stark auf. Aber schon in hüfthohem Wasser ist es an den Füßen mitunter empfindlich kühl. Denn ohne Wind mischen sich die kühleren unteren Wasserschichten nicht mit den wärmeren darüber. Bei auflandigem Wind ist das Wasser wärmer, da kein kaltes Wasser von unten aufsteigt. Außerdem schiebt er das von der Sonne erwärmte Oberflächenwasser zur Küste und wirbelt die Wasserschichten durcheinander. So werden auch die Fußregionen angenehm temperiert.


Warum haben Eisbären eine blaue Zunge?

Tja, der Eisbär hat's schwer. Einerseits muss er, gut getarnt, in Schnee und Eis seine Beute umschleichen. Deshalb das gelblich-weiße Fell. Andererseits muss er in eisiger Kälte überleben. Ein schwarzes Fell wäre da von großem Nutzen, da es das einfallende Sonnenlicht sehr effektiv in Wärmeenergie umsetzen würde. Aber ob der Herrscher der Arktis unter diesen Umständen auch nur eine einzige Robbe fangen würde? 

Wie auch immer, die Evolution hat dafür gesorgt, dass die Tiere den Zielkonflikt „Verhungern oder Erfrieren“ mit Hilfe eines Tricks lösen konnten: Unter dem weißen Eisbärenfell verbirgt sich eine stark pigmentierte, tiefschwarze Haut. Sie wandelt das über die Haare weitergeleitete Licht in Wärme um. Aber nicht nur die Haut, auch die Schleimhaut, die Zunge eingeschlossen, ist pigmentiert. Daher also das dunkle Blau. Möglicherweise ist die Zunge auch deshalb so dunkel, weil sie besonders stark durchblutet wird.
Denkbar ist, dass Eisbären mit Hilfe der Zunge ihre Körpertemperatur regulieren. Tiere, die nicht über die Haut transpirieren können, sind auf andere Methoden der Wärmeregulierung angewiesen. So wie hechelnde Hunde überschüssige Wärme übrigens auch über die Unterseiten ihrer Pfoten abgeben können. Eisbärenpfoten sind dafür schlecht geeignet. Einerseits sind sie mit einer besonders dicken Hornhaut ausgestattet, damit sich die Tiere sicher auf scharfkantigem Eis bewegen können. Andererseits wäre es nicht sinnvoll, die Pfoten zur Wärmeregulation einzusetzen, da die Bären beim Schwimmen und Laufen viel Wärme verlieren würden. Bleibt als Wärmetauscher also nur die blaue Zunge.


Wie bilden und öffnen sich ringförmige Atolle?

Atolle sind Überreste von Vulkanen, die erloschen und im Meer versunken sind. Am Beispiel Hawaii lässt sich die Entwicklung einer Vulkaninsel in ihren unterschiedlichen Stadien nachvollziehen. Der Archipel liegt wie eine Perlenkette im Pazifik. Würde dieser leerlaufen, sähe man, dass sich die Kette Richtung Nordwesten mit einer Reihe inzwischen versunkender Vulkane fortsetzt. Sämtliche Inseln Hawaiis, auch die versunkenen, entstanden einst über derselben Stelle. 

Über diesem „Hot Spot“ bricht immer wieder Magma durch die hier dünne Erdkruste und bildet einen Vulkan. Die pazifische Platte, auf der sich der Vulkan gebildet hat, wandert im Lauf von Jahrmillionen jedoch zentimeterweise nach Nordwesten. So wird der Vulkan von seiner Magmaquelle abgeschnitten und erlischt. Hat er jedoch lange genug Zeit gehabt, dann ist der Vulkan bis über die Wasseroberfläche gewachsen und eine neue Insel ist entstanden. Kaum ist das neue Land geboren, schmirgeln Wind und Wellen es jedoch ab. Außerdem drückt sein eigenes Gewicht es langsam wieder in die Tiefe. Nach zehn bis dreißig Millionen Jahren ist der Vulkan unter der Meeresoberfläche versunken.
Der lange Zeitraum reicht jedoch allemal, damit sich Korallen im flachen Wasser ansiedeln. Sind die untermeerischen Vulkanhänge gleichmäßig ausgebildet, bilden die Korallen ein ringförmiges, geschlossenes Riff um die Insel. Wachsen die Korallen auf der Suche nach Nährstoffen zu weit seewärts, bekommt das Riff Lücken. Aber meist sind es Wind und Wellen, die dem ringförmigen Riff zusetzen und Lücken aufreißen. Das Schicksal des Atolls hängt langfristig davon ab, wie schnell die Korallen wachsen. Gewinnen sie mindestens so schnell an Höhe, wie der Vulkan wieder im Meer versinkt, bleibt das Atoll über Wasser. Falls nicht oder falls der Meeresspiegel sehr schnell ansteigt, versinken auch die Korallenatolle.