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Die Geschichte der Antarktisforschung

Die Geschichte der Antarktisforschung

Ein Expertenbeitrag von Prof. Dr. Cornelia Lüdecke

Die Geschichte der Antarktisforschung

Ein Expertenbeitrag von Prof. Dr. Cornelia Lüdecke, Universität Hamburg Ende des 19. Jahrhunderts wusste man noch nicht, ob die Antarktis ein eisbedeckter Kontinent oder wie die Arktis ein gefrorener Ozean ist. Um diesen weißen Fleck auf der Landkarte zu tilgen, finanzierte das Deutsche Kaiserreich den Bau des ersten Polarforschungsschiffes „Gauß“.

Im Rahmen einer internationalen Kooperation nach dem Vorbild des Internationalen Polarjahres von 1882/83 brachen in den Jahren 1901 und 1902 insgesamt vier Expeditionen aus Deutschland, England, Schweden und Schottland zur Lösung der Millenniumsaufgabe auf. Sie sollten in der Antarktis nach einem festgelegten Zeitplan magnetische und meteorologische Messungen durchführen. Die Ergebnisse würden später in Berlin gesammelt und ausgewertet werden.

Prof. Dr. Cornelia Lüdecke ist Metereologin und Historikerin. Sie forscht und lehrt am „Zentrum für Geschichte der Naturwissenschaft und Technik" an der Universität Hamburg und publiziert regelmäßig zu Themen der Wissenschaftsgeschichte. Darüber hinaus ist sie korrespondierendes Mitglied der Académie Internationale d'Histoire des Sciences in Paris.

Leiter der deutschen Südpolarexpedition von 1901 bis 1903 war der Geograf Erich von Drygalski, der noch ganz dem universellen Humboldt'schen Forschungsideal verbunden war. Nachdem das Schiff am Südpolarkreis bei 90 Grad Ost 80 Kilometer vor der Küste im Eis eingefroren war, begannen die Forscher 12 Monate lang – solange saßen sie fest – ozeanographische, geographische, geologische und auch biologische Untersuchungen durchzuführen. Insbesondere bot sich die Möglichkeit, unter dem Meereis die Hochseegezeiten und die Meereslebewesen, vor allem das Plankton, zu erforschen.

Die Exkursionen an Land führten durch eine unkartierte Antarktisregion, die sie Kaiser-Wilhelm-II.-Land nannten. Hier entdeckten sie einen etwa 300 Meter hohen erloschenen Vulkan, der zu Ehren des Astronomen und Magnetikers Carl Friedrich Gauß den Namen Gaußberg erhielt.

Zur selben Zeit drang der Brite Robert Falcon Scott bis auf 82 Grad Süd vor. Die deutschen Forscher unternahmen jedoch keinen Versuch, vom Polarkreis aus weiter in das Inland vorzustoßen. In den Augen Kaiser Wilhelm II. galt Drygalskis Expedition als gescheitert, weil sie den Südpol nicht erreicht hatte. Drygalski selbst kümmerte das wenig: „Nicht um Sensationen zu erregen, sind wir in die Antarktis gezogen, sondern zum Nutzen der Wissenschaft.“

Bis 1931 wurden die Ergebnisse in 20 Bänden und zwei Atlanten vollständig publiziert. Auf Basis der Daten aller vier Expeditionen wurden Wetterkarten des Südatlantiks gezeichnet, die der Sicherung der Schifffahrt um Kap Hoorn dienen sollten. Weitere Auswertungen ergaben, dass die Antarktis ein eisbedeckter Kontinent von einer mittleren Höhe von rund 2000 Metern ist.

Am herausragendsten war die zoologische Sammlung: 4030 Arten, darunter 1470 Neuentdeckungen, wurden in zwölf Bänden beschrieben, die heute eine fantastische Basis für die Untersuchung der sich durch den Klimawandel geänderten Biodiversität darstellt. Drygalskis Südpolarexpedition war die letzte ihrer Art, denn spätere Forschungsfahrten spezialisierten sich zunehmend. Nicht zu Unrecht wurde später für seine umfangreiche Expedition die Bezeichnung „universitas antarctica“ geprägt.

Das zweite deutsche Polarforschungsschiff ist die „Polarstern“ des Alfred-Wegener-Instituts, die Drygalskis Forschungen fortführt.

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